Betta edithae (VIERKE, 1984)

von Jörg Vierke

Betta edithae wird zum Betta edithae-Formenkreis gezählt.

Artbeschreibung

Holotypus: (SMF 18712), Totallänge 72 mm. Fundort: Barito Delta bei Banjarmasin, Südborneo, Sommer 1979, leg. HANRIEDER. Paratypus: (SMF 1~713), Totallänge 75 mm, gleicher Fundort, Datum und Sammler wie Holotypus. Derivatio nominis: Nach Edith KORTHAUS, die am Auffinden der Art beteiligt war und die darüber hinaus viele weitere, seltene oder neue Fische auf Borneo sammelte.

Diagnose: Eine maulbrütende Betta-Art, die relativ kleine Augen und kurze Flossen mit teilweise typischen Strichmustern hat.

Flossenformel:

  • D 1/6-7
  • A 1-11/27 -28
  • P 12
  • V 1/5
  • C 14

Betta edithaeBetta edithae,
eine besonders schöne Fundortvariante

Betta pictaBetta edithae,
zwei rivalisierende Männchen

Körper relativ untersetzt, seitlich zusammengedrückt. Kopf groß, mit kleinen Augen. Augendurchmesser kleiner als Schnauzenlänge. Stirn-Schnauzenlinie konkav, Stirn breit. Mundspalte klein, reicht nicht bis zum vorderen Augenrand. Operculum und Praeoperculum glattrandig. Pectorale kurz, knapp vor Ventralansatz inseriert. Dorsale weit hinten angesetzt. Ihr Ursprung ist näher am Caudal-Ursprung als am Kopf und über dem neunten Anal-Weichstrahl sowie über der 16. bis 18. Seitenschuppe. Seitenlinie nicht überall deutlich. Sie bricht nach dreizehn Schuppen ab, setzt sich zwei Schuppenreihen tiefer fort bis zum Caudalansatz. Erster Weichstrahl der Ventrale verlängert. Geht zurückgelegt bis zum Beginn des weichstrahligen Teils der Anale. Anale mit kurzen Strahlen, reicht zurückgelegt nur ins erste Drittel der Caudale.

Dorsale reicht nicht bis zum Caudalansatz. Flossenstrahlen der Caudale breit und bald verzweigend. Die terartiger Musterung. Entsprechendes Muster etwas abgeschwächt, auch im hinteren Teil der Dorsale und Anale. Grundfärbung ocker, Flossen dunkler. Drei Körperlängsstreifen, von denen der mittlere an der Schnauze beginnt, das Auge durchzieht und in sanftem Boden nach unten, noch oberhalb des Pectoralansatzes, zur Mitte der Caudale zieht, wo er im Caudal-Ursprung als Punkt endet. Darüber und darunter jeweils ein weiterer Streifen. Der obere verläuft annähernd parallel und endet im oberen Caudal-Ursprung. Der untere beginnt als undeutliches Punktmuster im Opercularbereich, verläuft direkt unterhalb des Pectoralansatzes und geht zunächst fast parallel zum mittleren Streifen, dem er sich aber langsam nähert und den er im Bereich der Schwanzwurzel fast berührt. Die Augen-Unterränder sind mit einer, unten schräg nach vorn gehenden, dunklen Binde verbunden.

Weitere Namen

Ich selbst hatte die Art ursprünglich als Betta spec. affin. taeniata bezeichnet: Vierke, J. (1979): Zur Systematik maulbrütender Kampffisch-Arten Betta spec. affin. taeniata (Mentaya) von Borneo. Das Aquarium, 119, 210 – 212

Vorkommen & Verbreitung

Die ersten dieser Fische wurden in Südborneo etwa 250 bis 300 Kilometer nordwestlich von Banjarmasin gefangen. Damals - es war das Frühjahr 1978 - waren die Flüsse über ihre Ufer getreten und hatten das mit Sumpfurwald bedeckte Land weithin unter Wasser gesetzt. Unter diesen Umständen war es natürlich nicht leicht, Fische zu erbeuten. Gewiß interessieren die Wasserwerte: Das hellbraune Wasser maß um 13 Uhr 28° C und hatte einen Leitwert von nur 20 Mikro-Siemens. Mittlerweile gibt es Fundmeldungen aus ganz Südborneo, auch aus dem Kapuas-Gebiet.

Betta edihtae Paar vor der EierübergabeBetta edihtae Paar vor der Eierübergabe

Betta edihtae Paar bei der EierübergabeBetta edihtae Paar bei der Eierübergabe

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Im Vergleich zu der bei schaumnestbauenden Kampffischen gewohnten Farben- und Flossenpracht muß man unsere Betta edithae wohl als schlicht bezeichnen. Ihre Flossen sind durchweg kurz und kleinflächig. Ihre Färbung kann ungemein variieren. In kürzester Zeit können die Tiere ihre Zeichnungen wechseln. In Ruhe ist der Fisch eindeutig bräunlich gefärbt, oberseits wesentlich dunkler als unten. Bei der geringsten Unsicherheit bildet er an Kopf und Rücken sowie an der Seite dunkle Flecken aus. Die seitlichen Flecken vereinigen sich mit steigernder Fluchtneigung zu drei annähernd parallel verlaufenden, schwarzbraunen Längsstreifen, von denen der mittlere an der Schnauzenspitze beginnt, das Auge durchzieht und wie die beiden anderen Streifen im Schwanzwurzelursprung endet. Wenn die Tiere in regelrechte Panikstimmung geraten, verliert sich auch diese Färbung und wird durch drei oder vier dunkle Querbinden ersetzt. Ein Muster, das den Fisch noch mehr optisch mit der Umgebung verschmelzen lässt.

Aggressiv gestimmte Tiere sehen am schönsten aus. Sie sind einheitlich braun gefärbt, wobei jede Körperschuppe goldgrün glänzt. Die gelblich gefärbte Afterflosse färbt sich in ihren äußeren Partien schwarz und in ihren körpernahen Zonen dunkelbraun. Im Bereich dazwischen befindet sich eine Reihe grün leuchtender Flecken, die sich auffallend abheben. Zwischen all diesen Färbungen gibt es Übergänge. Da die Farbmuster jedoch in beiden Geschlechtern in völlig gleicher Weise auftreten, kann uns die Färbung keinen Hinweis auf die Geschlechtszugehörigkeit geben - mit einer Ausnahme! Bei der Paarung bekennen die Tiere Farbe: Dann zeigt das Männchen sein Prachtkleid; das Weibchen die Zeichnung eines ängstlichen Fisches. Die Geschlechter sind bei Betta edithae nur schwer zu unterscheiden. Nach der Fütterung allerdings ist das einfacher. Die Weibchen sind - obwohl üblicherweise kleiner als die Männchen - eindeutig die gefräßigeren. Sie fressen sich ein richtiges Bäuchlein an. Nach der Fütterung können sie regelrecht rund sein - die Nahrung kommt in wenigen Tagen der Laichproduktion zugute.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Meine Fische erwiesen sich als recht scheu und suchten zunächst sofort hinter Aquarienpflanzen, Steinen und dem Heizer Zuflucht. Sie hielten es bis heute mit einer erstaunlichen Ausdauer in ihren Verstecken aus. Wenn ich Freunden meine maulbrütenden Kampffische zeigen wollte, hatte ich Mühe, sie ihnen vorzuführen. Es zeigt sich aber, dass die Tiere bei Vergesellschaftung mit anderen Fischen weniger scheu sind. Bei zwei Gelegenheiten werden die Fische jedoch richtig munter: Bei der Fütterung und bei der Paarung. Sobald Lebendfutter in das Aquarium kommt, sind die Betta nicht mehr zu halten. Blitzschnell tauchen sie auf, packen sich einen Bissen am Futterplatz und verziehen sich in eine hintere oder seitliche Ecke, um ihn ungestört zu verzehren. Dann kommen sie hervor und warten auf den nächsten Brocken. Die Schilderung zeigt schon, dass man die Tiere wohl kaum mit Cyclops beglücken kann. Mückenlarven und Tubifex werden dagegen gern gefressen. Sehr gern nehmen sie auch ganz kleine oder mittelgroße, zerteilte Regenwürmer. Den glücklichen Gartenbesitzern wird also auch im Winter nie das Lebendfutter für Ediths Kampffische ausgehen. Im Komposthaufen kann man nämlich auch bei Frost noch ohne große Mühe an die kleinen, roten Mistbeet-Regenwürmer gelangen. Sie werden sehr gerne genommen, übrigens auch von anderen Aquarienfischen.

Zum Wasser: Leichte Strömung und saueres, weiches Wasser sind empfehlenswert.

Betta edithae Paar bei der EierübergabeBetta edithae Paar bei der Eierübergabe

Betta edithae Paar bei der EierübergabeBetta edithae Paar bei der Eierübergabe
Foto © J. Vierke

Verhalten

Generell ruhig und friedlich.

Vermehrung

Wenn man die Fische nicht ständig im Auge hat, bemerkt man zumeist erst am tief ausgewölbten Mundboden der Männchen, dass ein Ablaichen stattgefunden hat. Meine Betta edithae laichten immer direkt am Boden. Dabei verteidigten sie für die Dauer des Laichvorgangs - das kann sich über mehrere Stunden hinziehen - ein Revier. Allerdings ist es fast ausschließlich das Weibchen, das die Artgenossen aus dem Laichrevier fernhält. Wenn sich ein anderer Betta zu weit heranwagt, stößt es wie ein Blitz ohne jede Vorwarnung auf den Eindringling und vertreibt ihn im Handumdrehen. Dieses Verhalten ist auf den ersten Blick sehr seltsam, denn schließlich trägt das Weibchen in dieser Phase das Kleid eines ängstlichen Tieres, nicht das eines aggressiven. Das Rätsel löst sich jedoch, wenn man über den biologischen Sinn der Farbkleider nachdenkt. Das Prachtkleid eines hoch aggressiven Kampffisches dient der Abschreckung und soll - wenn möglich - unnötige Kämpfe verhindern. Wenn das Vorzeigen des Prachtkleides nicht genügt und der Gegner entsprechend antwortet, geht das Drohen über verschiedene Stadien bis zum Endkampf. In diesem speziellen Fall ist aber weder Zeit noch Gelegenheit zum lang angelegten Drohen. Hier stehen die ablaichenden Fische unter Zeitdruck.

Das ein Prachtkleid tragende Männchen ist zum Angriff überhaupt nicht in der Lage: Es hat - zumindest gegen Ende des Ablaichens - ein so prall mit Eiern gefülltes Maul, dass es nicht zubeißen könnte. Es hilft hier also nur der blitzschnelle Überraschungsangriff des Weibchens, das übrigens in den meisten Fällen ebenfalls nicht voll kampffähig ist, da es vielfach auch noch Laichkörner im Maul trägt. Mit diesem mit Elan vorgetragenen Angriff nehmen es auch eindeutig stärkere Gegner nicht auf, da sie keinen Grund sehen, sich unbedingt diesen Attacken zu stellen. Der Verhaltensforscher würde sagen, das Weibchen dominiert aufgrund seiner höheren Motivation.

Zum eigentlichen Ablaichen: Während das Männchen den größten Teil der Zeit am Boden wie ruhend verharrt, ist das Weibchen ständig in Bewegung. Es durchsucht das Revier nach eventuellen Gegnern und kümmert sich vor allem um sein Männchen: Wieder und wieder umschwimmt es den Umworbenen. Es unterschwimmt den mit dem Kopf meist etwas angehobenen verharrenden Partner und drängt sich dann seitlich an ihn heran. Das Weibchen drückt sich mit seiner Flanke regelrecht an den Kiemendeckel des Männchens. Das Männchen läßt sich nur ein bisschen auf die Seite drängen, behält jedoch im Schwanzbereich seine Lage exakt ein. Sein Vorderkörper biegt sich jetzt - vermutlich durch den Berührungsreiz veranlasst - um die Partnerin herum. Zur perfekten Umschlingung kommt es aber immer erst, wenn vorher einige unvollendete Umschlingungsansätze stattgefunden haben. Bei einer richtigen Paarung umschlingt das Männchen sein Weibchen einige Sekunden. Während dieser Zeit gibt das gestreckt und nur seitlich etwas aus der üblichen Schwimmhaltung herausgedrehte Weibchen seine 5 bis etwa 20 reinweißen Eier ab. Dann lockert das Männchen seine Umschlingung etwas und öffnet sich teilweise, so das die Eier wie in einer Schüssel frei auf seiner Flanke liegen. In dieser Stellung verharrt das Tier so lange bewegungslos, bis das Weibchen alle Eier fein säuberlich von seinem Körper abgesammelt hat. Erst dann nimmt es wieder die normale Körperhaltung ein.

Laichübernahme und väterliche Brutpflege: Nun muss aber noch die Eiübergabe erfolgen, denn bekanntlich sind Kampffische Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Das Weibchen stellt sich schräg und oft auch etwas über seinem Männchen auf und spuckt die Eier ihm vor sein Maul. Die zu Boden sinkenden Eier werden sofort vom Männchen aufgenommen. Damit ist die Übergabe beendet. Gegen Ende der Laichphase wird das Weibchen allerdings nicht mehr so leicht seine Eier los. Vielfach ist das Männchen dann nämlich nicht mehr willens oder in der Lage, noch weiteren Laich in seiner Mundhöhle zu verstauen. Dann spuckt ihm sein Weibchen wieder und wieder Laichkörner vor, um sie sich gleich wieder selbst zu schnappen. Wenn das Männchen nicht schnell genug aufnimmt, schnappt ihm sein Weibchen die Eier blitzschnell direkt vor dem Maul wieder weg. Dieses "Spiel" kann bis zu einer halben Stunde dauern. Dann sind die Eier entweder doch noch im Vatermaul untergebracht, oder das Weibchen hat sie während der Prozedur verschluckt.

Hat die Mutter wieder ein leeres oder annähernd leeres Maul, kommt es zur nächsten Paarung. Das geht so lange, bis der Eivorrat des Weibchens erschöpft ist. Dann hat das Männchen Ruhe und kann sich mit seinem Laich in einen geschützten Winkel an der Wasseroberfläche zurückziehen. Bei der geringsten Störung wird der Laich gefressen oder ausgespuckt. Einmal ausgespiene Eier oder Larven werden auf keinen Fall wieder aufgenommen. Vorzeitig ausgespuckte Brut kann man versuchen künstlich aufzuziehen. Die Jungen werden im Normalfall nach 9 bis 12 Tagen aus dem väterlichen Maul entlassen. Sie sind dann bereits fünf bis sechs Millimeter lang und nun unschwer mit Artemia-Nauplien oder kleinsten Cyclops großzuziehen. Von Anfang an aber führen sie das heimliche Leben ihrer Eltern.

Literatur

  • FOERSCH, W. (1979): Ein maulbrütender Kampffisch (spec. affin.) aus Süd-Borneo. Das Aquarium, 119, 206 – 209
  • VIERKE, J. (1981): Ein Paradepferd für Verhaltensforscher: Der Gebänderte Kampffisch. Der Maulbrüter Betta taeniata (richtig: Betta edithae!) aus Südborneo. Aquarien-Magazin 15, 38 - 41
  • VIERKE, J. (1984): Betta taeniata REGAN, 1910 und Betta edithae spec. nov., zwei Kampffische von Süd-Borneo. Das Aquarium, 176, 58 - 63
  • VIERKE, J. (1979): Zur Systematik maulbrütender Kampffisch-Arten Betta spec. affin. taeniata (Mentaya) von Borneo. Das Aquarium, 119, 210 – 212

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Betta edithae Männchen mit Eiern im MaulBetta edithae Männchen mit Eiern im Maul

Betta edithae Paar bei der EierübergabeBetta edithae Weibchen laicht schon mit einem anderem Männchen, während das rechte Männchen schon die Brut im Maul hat.

Betta edithae MännchenBetta edithae Männchen

Betta edithae MännchenBetta edithae Männchen
Bild IGL Archiv

Betta edithae AblaichserieBetta edithae beim ablaichen.
Alle Fotos © J. Vierke