Anabas testudineus (Bloch,1792)

Deutscher Name: Kletterfisch

Englischer Name: Climbing Perch

von Nico Röhrs

Anabas (griech.): Kletterer, Hinaufsteiger
testudineus (latein.): schildkrötenartig
Flossen: DXVI-XIX/7-10,
AIX-XI/8-11,
P13,
C13
Schuppen: m LR 26-31
Erstbeschreibung durch M. E. Bloch (1792) in Naturgeschichte der ausländischen Fische als Anthias testudineus VI Seite 121 Tafel CCCXXII.
In den 1870er Jahren in einzelnen Exemplaren in den Zoologischen Garten London.
Mitte der 1880er Jahre in größeren Stückzahlen in die Aquarien von Vipan in Wansfort (England).
1891 ein einzelnes Tier aus England zu Hothorn nach Berlin.
Danach erhielt 1891 Dr. Schad (Treptow) 19 Tiere aus Bombay.
1893 kamen 12 Tiere in den Zoologischen Garten Hamburg.
Erstnachzucht 1896 in Betonbecken durch Paul Matte Berlin-Lankwitz.

Weitere Namen:

  • Anthias Bloch 1792
  • Perca scandens de Daldorff 1797
  • Amphiprion testudineus Bloch & Schneider 1801
  • Amphiprion scansor Bloch & Schneider 1801
  • Lutianus testudo Lecepede 1801
  • Lutianus scandens Lecepede 1803
  • Sparus testudineus Shaw 1803
  • Sparus scandens Shaw 1803
  • Cojus cobojius Hamilton & Buchanan 1822
  • Anabas scandens Cuvier & Valenciennes 1831
  • Anabas spinosus Gray 1834
  • Anabas variegatus Bleeker 1851
  • Anabas macrocephalus Bleeker 1854
  • Anabas oliogolepis Bleeker 1854
  • Anabas microcephalus Bleeker 1857
  • Anabas trifoliatus Kaup 1860
  • Anabas elongatus Reuvens 1895

Anabas testudineusAnabas testudineus

Anabas testudineusAnabas testudineus
Foto IGL Archiv

Vorkommen & Verbreitung

Die Art kommt im Verbreitungsgebiet in allen erdenklichen Gewässertypen vor und dringt auch in die Brackwassergebiete der Flussmündungen ein. Im Biotop werden dicht verkrautete Bereiche, meist in Ufernähe, bevorzugt (Lauerjäger). Da es sich um einen Speisefisch handelt, lässt sich das ursprüngliche Herkunftsareal nicht mehr genau feststellen. Er ist heute in Südpakistan, Indien, Südchina etwa bis nördlicher Wendekreis, Vietnam, Thailand, Malaysia, Myanmar, Sri Lanka, Indonesien, Philippinen, Taiwan, Laos, Kambodscha, Bangladesch und Australien zu Hause. Größte Barriere zu seiner Verbreitung nach Norden dürfte die Mittlere 10°C Temperaturmarke (Isotherme) im Januar sein, dir er nicht überschreitet.

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Anabas testudineus besitzt einen im Querschnitt zylindrischen Körper, der von rauen, schleifpapierartigen Schuppen sowie einer dicken, schützenden Schleimschicht umgeben ist. Der Kopf ist abgerundet, mit großen Augen von rötlicher Farbe. Die Kiemendeckel sind mit kräftigen Stacheln versehen. Auch die Hartstrahlen der Flossen sind kräftig und spitz und werden bei Gefahr sofort abgespreizt. Je nach Herkunft ist die Färbung sehr variabel, meist olivgrün mit Messingglanz und angedeuteten dunklen Querstreifen. Der schöne Messingglanz von Wildfängen verliert sich aber nach gewisser Zeit im Aquarium. Die Art kann eine Gesamtlänge von 24 cm erreichen, wird aber selten größer als 15 cm, da sie wie unser heimischer Flussbarsch zur Verbuttung neigt.
Die Geschlechtsbestimmung ist nicht einfach. Weibchen sind etwas rundlicher mit kleinerem Kopf als die Männchen. Männchen sind dunkler, mit spitzer ausgezogener Anale.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Zur Haltung der dämmerungsaktiven, nicht sehr bewegungsfreudigen Art sind bereits Aquarien ab 120 Liter Inhalt geeignet. Die Temperatur sollte zwischen 20°C und 27°C liegen, alle übrigen Wasserwerte interessieren den Kletterfisch kaum. Allerdings ist wegen hohen Stoffwechsels regelmäßig ein kräftiger Teilwasserwechsel von etwa einem Drittel des Beckeninhaltes angebracht.

Der Wasserstand sollte nicht zu hoch gewählt werden, es genügen 25 cm. Wichtig ist ein ausreichend großer Abstand zur Deckscheibe, denn Anabas testudineus neigt zu sehr heftiger Luftatmung und schnellt dann um einige Zentimeter über die Wasseroberfläche hinaus. In diesem Zusammenhang muss auf eine ausbruchsichere Abdeckung hingewiesen werden, denn jeder Spalt wird entdeckt und genutzt! Da die Tiere stets auf Deckung bedacht sind, kommt ihnen eine Schwimmpflanzendecke oder Ähnliches sehr entgegen.

Anabas testudineus ist ein absoluter Allesfresser, der in puncto Nahrung keinerlei Spezialisierung aufweist. Gefressen werden Regenwürmer, Mehlkäferlarven, Tubifex, Wasserasseln, kleine Fische und Schnecken, Mückenlarven, Wasserflöhe, aber auch Haferflocken und Trockenfutter wie Cichliden- oder Koi-Sticks. Er nascht auch gern einmal an weicheren Pflanzen, weshalb das Haltungsbecken keine Sammlung wertvoller Unterwassergewächse enthalten sollte. Auf der chinesischen Insel Hainan konnte der Autor (Röhrs N.) beobachten, wie sich Anabas-Schwärme am Ausfluss der Städtischen Kanalisation dicht gedrängt die Bäuche vollschlugen!

Da die Fische sich untereinander recht gut kennen und sogar eine gewisse Rangordnung ausbilden, ist eine Haltung in kleinen Gruppen der Einzelhaltung vorzuziehen. Auch eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist möglich, obwohl sie dann leicht in den Hintergrund geraten. Geeignet sind z.B. Belontia, Trichogaster, Cichliden, größere Welsen und Barben.

Anabas_testudineusAnabas_testudineus, Import 2012

Anabas_testudineusAnabas_testudineus, Import 2012

Verhalten

Anabas testudineus ist eine friedliche, eher zurückhaltende Art. In der Natur sind sie stets in Gruppen oder Schwärmen unterwegs und nie einzeln anzutreffen!

Vermehrung

Die Nachzucht gelingt recht selten, so dass die Tiere selbst in ihren Herkunftsländern für die Aquakultur mit Hormonen behandelt werden. Die Geschlechtsreife tritt bei einer Gesamtlänge von 8 – 12 cm ein. Es sind Freilaicher ohne jede Brutpflege. Die Paarung selbst findet in einer Labyrinther-typischen Umschlingung statt. Die ausgestoßenen Schwimmeier entwickeln sich an der Wasseroberfläche.

Besonderes

Wenn sich die Umweltbedingungen negativ verändern, können Kletterfische die Uferböschung ihres Gewässers ersteigen (Artname!) und Landwanderungen unternehmen. Solche Wanderungen finden meist in den Nachtstunden oder bei Regen statt, wenn ein Austrocknen der Schleimhaut nicht zu befürchten ist. Mit weit abspreizt Kiemendeckeln und mit Unterstützung der kräftigen Brust- und Afterflossen werden windende Bewegungen ausgeführt, die zu einer erstaunlich effektiven Fortbewegung führen. Somit ist es den Kletterfischen möglich, andere oder neu entstandene Gewässer zu besiedeln, wo sie oft die erste und kurz vor dem Austrocknen die letzte lebende Fischart darstellen. Besonders erstaunlich ist die Fähigkeit, selbst über größere Entfernungen (bis etwa 100 Meter (Linke, 2013)) neue Gewässer zu orten und gezielt anzusteuern. Anabas testudineus besitzt ein sehr leistungsfähiges Labyrinthorgan, welches längere Landaufenthalte wohl erst ermöglicht und oft in Fachbüchern dargestellt wird.

Bei langsamer Gewöhnung kann die Art einige Tage in Meerwasser aushalten (6 Tage langsame Steigerung der Salinität und danach 5 Tage in reinem Meerwasser (2013 National University of Singapur; Ching, Chen, Yong, Wilson, Hiong, Sim, Wong, Lam, Chew, Ip)).
In ihren Heimatländern sind Kletterfische beliebte Speisefische, das Fleisch ist frei von Modergeschmack, soll aber grätenreich sein. Aus Thailand sind auch schon orangefarbene Zuchtformen bekannt geworden.

1797 berichtet der dänische Leutnant Daldorf in einer Denkschrift von einem Perca scandens, den er fing, als der Fisch im Begriff war, auf einen Baum zu klettern; mit den Stacheln der Kiemendeckel habe er sich in den Rissen der Rinde eines Baumes festgehalten, dann den Schwanz gekrümmt, die Stacheln der Afterflosse vorgeschoben und sich so fortbewegt. Nach dem Fang sei er noch mehrere Stunden im Sand eines Schuppens umhergelaufen.

Literatur

  • BADE E. 1898: Das Süsswasser Aquarium, S. 336-340
  • CHING, CHEN, YONG, WILSON, HIONG, SIM, WONG, LAM, CHEW, IP 2013: Increases and apoptosis, caspase activity and expression of p53 and bax, and the transition between two types of mitochondrien-rich cells, in the gills of the climbing perch, Anabas testudineus, during a progressive acclimation from freshwater to seawater: Front. Physiol. 4: 135. doi: 10.3389/fphys.2013.00135
  • HOCH R. 1948: Seltene Aquarienfische- Anabas testudineus, DATZ, I/2 S. 6-7 , II/2 S.16-17
  • KAHL B. 1970: Luftschloßarchitekten, Maulbrüter, Freilaicher, Aquarien Magazin, S. 456-465
  • LINKE H. 1998: Labyrinthfische- Farbe im Aquarium, S. 20-23
  • MAYLAND H.J. 1982, Labyrinthfische, S. 27-30
  • MEYER R. 1998: Lexikon Süsswasser Aquarien Fische, S. 9
  • PINTER H. 1984: Labyrinthfische Hechtköpfe und Schlangenkopffische, S. 138-140
  • RICHTER H.J. 1979 (1982): Das Buch der Labyrinthfische, S. 129-130
  • RICHTER H.J. 1990: Fische züchten - ein Problem ?, S. 53,69,70,204
  • RÖHRS N. 2006: Robuste Labyrinthfische in Sri Lanka, Der Makropode 1/2, S. 12-13<
  • RÖHRS N. 2012: Paradiesfische auf Hainan, Der Makropode 2/12, S. 68-69
  • SCHÄFER F.: Eine Zuchtform des Kletterbarsches, Anabas testudineus, Aquarien Fachmagazin, 169, S. 109-110
  • SCHRÖDER P. 2000: Die Klimate der Welt, STANSCH K. & Vereinigte Zierfisch-Züchtereien in Rahnsdorfer Mühle 1914, S. 53-55
  • STANSCH K. ca. 1920: Labyrinthfische, Heft 19, S. 44-46
  • VAN BESIEN H. 2013: Anabas testudineus, der berühmte Unbekannte, Der Makropode 1/13, S. 5-7
  • VIERKE J. 1978: Labyrinthfische und verwandte Arten, S. 150-152
  • WEISS W. 1970: Warmluftfische- Kletterfische aus Asien und Afrika, Aquarien Magazin, S. 96

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Anabas testudineusAnabas testudineus
in der Trockenzeit Februar 2006 in einem Schlammloch gefangen
in der Umgebung von Udon Thani / Thailand

Anabas testudineusAnabas testudineus
nach dem entfernen des Schlammes sieht
man die schöne Färbung von Wildfangtieren

Anabas testudineusAnabas testudineus
bei einem kleinen Strassenshop in Kubota / West- Malaysia 2017

Anabas testudineusAnabas testudineus
gefangen 2006 bei Khon Kaen