Der Makropode - 27. Jahrg. - 5/6 2005

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 76
2 Hans-Joachim Paepke Über Gehörsteinchen (Otolithen), dargestellt am Beispiel von Labyrinthfischen 78
3 Ingo Schindler Die wissenschaftlichen Namen der Zwergfadenfische "Colisa" 84
4 Richard J. Blach Beobachtungen zum Balz- und Paarungsverhalten der Betta smaragdina Ladiges 1972 86
5 Stefan van den Voort Betta coccina "Jambi" - ein tiefroter Betta aus den Schwarzwassern Sumatras 89
6 Martin Hallmann Schlanke schaumnestbauende Kampffische 94
7 Peter Finke Erfahrungen mit Parosphromenus paludicola Tweedie 1952 101
8 Internet Ernst Mayr zum Gedenken 105

Die wissenschaftlichen Namen der Zwergfadenfische "Colisa"

Ingo Schindler

1. Gattungsname

Seit der Publikation von Myers (1923) werden die Zwergfadenfische (siehe Tabelle) in der aquaristischen und in der wissenschaftlichen Literatur mit dem Gattungsnamen Colisa belegt. Bis 1922 war hingegen der Gattungsname Trichogaster üblich (RACHOW in MEINKEN et al. o. J.). Die Gattung Trichogaster wurde von BLOCH & SCHNEIDER bereits 1801 mit den Taxa fasciatus und trichopterus beschrieben. Dass gerade diese beiden Taxa enthalten sind, ist insofern ungünstig, weil sie - der aktuellen Systematik folgend - verschiedenen Verwandtschaftsgruppen zugeordnet werden. Das sind zum einen die östlichen (Trichogaster leeri, trichopterus, microlepis und pectoralis) und zum anderen die westlichen Fadenfische (Colisa chuna, fasciata, labiosa, lalius). MYERS (1923) ging davon aus, dass als Typusart der Gattung Trichogaster, Labrus trichopterus PALLAS zu gelten hat. Nach ESCHMEYER (1990) ist die Typusart der Gattung Trichogaster jedoch T. fasciatus BLOCH & SCHNEIDER, 1801. Danach wäre Colisa CUVIER in CUVIER & VALENCIENNES, 1831 ein jüngeres Synonym zu Trichogaster BLOCH & SCHNEIDER, 1801 (u. a. GOLVAN 1962). Daraus folgend müsste der Gattungsname für die Zwergfadenfische entsprechend geändert werden. Allerdings ist der Sachverhalt noch nicht eindeutig geklärt (siehe ESCHMEYER 1990), so dass die sofortige Übernahme des Gattungsnamen Trichogaster für die Zwergfadenfische (chuna, fasciata, labiosa und lalius [allgemein üblich lalia, s. u.]) möglicherweise voreilig ist.

Die Verwendung von Trichogaster als gültige Gattung für die Zwergfadenfische wäre allerdings - wie oben erwähnt - keinesfalls neu. Bereits REGAN (1910) führt alle Zwergfadenfische in der Gattung Trichogaster. Die Großen Fadenfische werden von ihm (REGAN 1910) in der Gattung Trichopodus geführt. Es ist jedoch ebenfalls nicht klar, welches Taxon als Typus für die Gattung Trichopodus LACEPÈDE, 1801 zu gelten hat. Golvan (1962) listet Trichopodus (Typusart T. mento = 0. goramy) als Synonym zu Osphronemus. Nach ESCHMEYER (1990) könnte es sich bei der Typusart jedoch auch um Labrus trichopterus PALLAS handeln. Dann wäre Trichopodus ein verfügbarer Gattungsname für die Groß-Fadenfische.

DERIJST (1997) diskutiert ebenfalls den dargestellten Sachverhalt. BRITZ (2004) gibt den Gattungsnamen Colisa für die Zwergfadenfische zu Gunsten von Thchogaster bereits auf, ohne die nomenklatorischen Ungereimtheiten zu klären. Allerdings deutet in der Tat jedoch bisher alles darauf hin, dass es notwendig sein wird, die Gattungsnamen der Fadenfische zu ändern. Eine wissenschaftliche Publikation könnte die noch bestehenden Unsicherheiten in der Nomenklatur klären. Solche Arbeiten sind jedoch nicht immer vorurteilfrei, denn nur bei einer Namensänderung könnte sich der entsprechende Bearbeiter bekannt machen. STEINLE (1993) hat auf diese möglichen Voreingenommenheiten in einem in amüsanter Form geschriebenen Artikel bereits hingewiesen. Nach meiner Ansicht (andere Meinungen und Diskussionsbeiträge sind willkommen) sollten die bekannten Namen bis zum Vorliegen eindeutiger konträrer Erkenntnisse (dargelegt in einer umfassenden Publikation) weiter verwendet werden.

"Stell' Dir vor, jemand kramt mal wieder einen alten unbenutzten oder vergessenen Namen hervor und keiner macht mit."

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2. Die Schreibweise der Artnamen

Die Namen der Artengruppe sind entweder Adjektive (Eigenschaftswörter) oder Substantive (Hauptwörter). Adjektive Artnamen müssen hinsichtlich ihrer Endung mit dem Geschlecht des Gattungsnamens übereinstimmen. Dazu gibt es in der lateinischen Sprache einige Grundregeln, die in der folgenden Aufstellung (nach SCHMETTKAMP 1985) exemplarisch veranschaulicht werden:

männlich weiblich sächlich
fasciatus fasciata fasciatum
humilis humilis humile
elegans elegans elegans
ensifer ensifera ensiferum

Um diese Vorschrift umsetzen zu können, müssen also nicht nur die grammatikalischen Regeln beherrscht werden, sondern es muss darüber hinaus bekannt sein, welches Geschlecht ein Gattungsname hat. Hauptwörter behalten hingegen immer ihre ursprüngliche Schreibweise. Unglücklicherweise ist es nicht immer eindeutig, ob ein Artname als Adjektiv oder als Substantiv zu bewerten ist. In Zweifelsfällen ist der entsprechende Name daher als Hauptwort zu behandeln.

Die Schreibweise der Artnamen der Zwergfadenfische hängt also vom Geschlecht des möglichen Gattungsnamen ab. Im Fall von Trichogaster ist dies relativ eindeutig, weil bei zusammengesetzten Hauptwörtern das Geschlecht des letzten Wortteils entscheidet. Hier also -gaster (=Bauch). Dieses aus dem Griechischen stammende Wort ist feminin. Das Geschlecht der Gattung ist dementsprechend weiblich (SCHMETTKAMP 1985, ESCHMEYER 1990) und die adjektiven Artnamen haben eine "weibliche" Endung zu erhalten.

Im Fall von Colisa wird es schwieriger, weil der Name weder lateinischen noch griechischen Ursprungs ist. Der Name leitet sich von "kholisha" ab, einer Bezeichnung der Einheimischen im westlichen Assam für Fadenfische (VIERKE 1986). In solchen Fällen gilt, was für ein Geschlecht der ursprüngliche Autor angegeben hat, oder ob sich durch Indikation Anhaltspunkte ergeben. Beides ist jedoch bei Colisa nicht eindeutig. Die Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur sehen für solche Zweifelsfälle vor, dass das Gattungsgeschlecht als feminin zu behandeln ist, wenn - wie bei Colisa - der Gattungsname auf -a endet. Entsprechend der Regeln ist das Geschlecht der Gattung Colisa also weiblich (siehe auch ESCHMEYER 1990).

Für die korrekte Schreibweise der Artnamen der Zwergfadenfische ergibt sich somit die Vereinfachung, dass die Endung der adjektiven Namen in beiden Fällen (Trichogaster oder Colisa), gleich bleiben, Die Hauptwörter behalten ohnehin ihre ursprünglichen Schreibweise. Diese Regel ist für den "Lalia" von entscheidender Bedeutung, denn die ursprüngliche Schreibweise quot;lalius" ist beizubehalten. In der Tabelle sind die diskutierten Taxa zusammengefasst.

Ursprüngliche Schreibweise Aktuelle Schreibeweise Anmerkung
Chuna Chuna Substantiv
Fasciatus Fasciata Adjektiv
Lalius Lalius Substantiv
Labiosus Labiosa Adjektiv

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3. Literatur

BRITZ, R. 2004. Why Colisa has become Trichoaster and Trichogaster is now Trichopodus. AAGB Labyrinth 136, 8-9
DERIJST, E. 1997. Nota over de geldigheid van de genusnamen: Trichogaster BLOCH & SCHNEIDER, 1801; Trichopodus LACEPEDE, 1801; Polyacanthus CUVIER, 1829 en Colisa CUVIER, 1831 (Perciformes: Belontiidae)... Aquarium Wereld 60 (9): 217-236.
ESCHMEYER, W. N. 1990. Catalog of the Genera of Recent Fishes. Cahfornia Academy of Sciences San Francisco. 1-697.
GOLVAN, Y.-J. 1962. Catalogue systematique des Noms de Genres de poissons actuels. Arm. Parasito. Hum. Comp. 37 (No. 6): fast. suppl. 1-173.
MYERS, G. S. 1923. Further notes on anabantids. Copeia 124,111-113.
RACHOW, o. J., in HOLLY, MEINKEN und RACHOW 1935-1966. Die Aquarienfische in Wort und Bild. Stuttgart.
REGAN, C. T. 1910. The asiatic fishes of the family Anabantidae. Proc. Zool. Soc. 54: 767-787.
SCHMETTKAMP, W. 1985. Die Namen unserer Aquarienfische, Hannover. 1-208.
STEINLE, C.-P. 1993 . Publish or perish? Der Makropode 15: 35.
VIERKE, J. 1986. Labyrinthfische. Arten - Haltung - Zucht. Kosmos-Vivarium, Stuttgart. 1-128.

Der Makropode - 27. Jahrg. - 7/8 2005

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 112
2 Hans-Jürgen Körner Beobachtungen bei der Haltung und Vermehrung des Bengalenblaubarsches Dario dario (Hamilton, 1822) 113
3 Jürgen Schmidt Die Betta pugnax-Gruppe Teil 5: Betta balunga Herre 1940 116
4 Michael Scharfenberg Betta enisae - ein sensibler Kampffisch 120
5 Horst Linke Verkaufspraktiken woanders: Aquaristik-Märkte in Asien 123
6 Gerhard Hauptmann Das Riesaer Aquarium 125
7 Ingo Schindler Betta pallida, ein neuer Kampffisch aus Süd-Thailand 128
8 Stefan van den Voort Ein neue Art der Badis aus Manipur, Indien - Badis tuivaiei 130
9 Jürgen Schmidt Literaturdienst 130
10 P. Finke & M. Hallmann Bewegung bei Parosphromenus: die Fans der Prachtguramis gründen eine Erhaltungsgruppe 134
11 Jürgen Schmidt Einladung zum Regionalgruppentreffen 137
12 Holm Arndt Einladung zum Regionalgruppentreffen 137
13 Jörg Leine Treffen der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus in Königsgrätz (Hradec Kralove) vom 02. bis 05. Juni 2005 138
14 Jürgen Schmidt Programmänderungen IGL-Herbsttagung 2005 141
Impressum 142

Betta pallida, ein neuer Kampffisch aus Süd-Thailand

Ingo Schindler

Die Redaktion von Der Makropode hat mich gebeten, eine kurze Zusammenfassung der von Dr. Jürgen Schmidt und mir Ende letzten Jahres veröffentlichten Erstbeschreibung von Betta pallida zu verfassen. Dieser Bitte folge ich gerne und nutze die Gelegenheit, Angaben zum Habitat zu ergänzen und Anmerkungen zur Benennung der Fischfamilie (Belontiidae vs Osphronemidae) zu machen. Die zahlreichen anerkennenden Zuschriften, die wir erhielten, deuten an, dass es innerhalb der Labyrinthfisch-Gemeinschaft eine im Vergleich zu anderen Zweckvereinigungen anderer Fischgruppen hohe Zahl von Personen gibt, die an der Taxonomie und Systematik interessiert sind.

Betta pallida Schindler & Schmidt, 2004

fundorte simplex, pallida, prima
A = Typusfundort B. pallida, B = Typusfundort B. prima, C = Typusfundort B. simplex

Die Art gehört zu den kleinen Maulbrütern des Betta-picta Artenkreises 1 . Zu dieser Gruppe gehören neben B. pallida die Arten: B. edithae, B. picta, B. prima, B. simplex und B. taeniata (siehe SCHMIDT 1996). Von diesen unterscheidet sich B. pallida durch eine lanzettförmige Schwanzflosse der Männchen. Bei den anderen Arten ist die Schwanzflosse rund oder die mittleren Schwanzflossenstrahlen sind nur leicht verlängert. Darüber hinaus lässt sich die neue Art von B. picta, B. simplex und B. falx durch die höhere Zahl von Strahlen in der Afterflosse (mindestens 26 gegen höchstens 24) unterscheiden. B. edithae hingegen besitzt mehr Afterflossenstrahlen. Von der oberflächlich betrachtet ähnlichsten Art B. prima unterscheidet sich B. pallida neben der bereits genannten Schwanzflossenform durch ein abweichendes Muster der drei dunklen Längsstreifen. B. taeniata, eine Art die nur von Borneo bekannt ist, wird deutlich größer als B. pallida und unterscheidet sich zusätzlich durch eine geringere Kopflänge.

Der Typusfundort der neuen Art befindet sich in der Nähe der Stadt Narathiwat im äußersten Süden Thailands (siehe Karte). Beim Fundort handelt es sich um einen kleinen Fluss, der zur Zeit der Beobachtung (März 2000) eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit besaß. Die Kampffische hielten sich vornehmlich am Gleithang zwischen Sumpfpfianzen auf.

Der Holotypus, ein Männchen von 35,8 mm Standardlänge, war zum Zeitpunkt des Fanges maulbrütend. Der Paratypus ist ein Weibchen von 32,8 mm Standardlänge. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch einen größere Körperhöhe und weniger stark verlängerte Flossen.

Der Name der neuen Art pallida ist ein Adjektiv und stammt aus dem lateinischen. Der Name bedeutet soviel wie blass, unscheinbar und deutet an, dass diese Art im Gegensatz zu einigen sehr farbenprächtigen Betta-Arten kein plakatives Farbmuster besitzt.

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Belontiidae vs. Osphronemidae

Einige Zuschriften erreichten uns mitt der Frage, warum wir den Familiennamen Belontiidae benutzen, obwohl in den letzten Jahren bei den Betta-Artbeschreibungen der Familienname Osphronemidae verwendet wurde. Nach der Publikation von BRITZ (1994) handelt es sich bei den bis dahin differenzierten Taxa Belontiidae und Osphronemidae um Synonyme. Dem Prioritätsprinzip folgend wird nomenklatorisch der Name Osphronemidae als älterer der beiden und damit als der allein gültige betrachtet. Folgerichtig habe ich in der ersten Version der schreibung den Namen 0sphronemidae verwendet.

Die Arbeit von BRITZ (1994) ist eine ausgezeichnete Darstellung der Ontologie ausgewählter osteologischer Merkmale und deren taxonomisch-systematische Bewertung. In der Systematik werden jedoch zwei verschiedene Ebenen unterschieden (CONERT et al. 1990). Zum einen eine, die die Zusammenhänge der bearbeitenden Gruppe darlegt und zum anderen eine weitere, die geeignete Diagnosen liefert, um es anhand charakteristischer Merkmale zu ermöglichen die untersuchten Einheiten zu bestimmen und zu klassifizieren. Eine eindeuige Diagnose für die "erweiterte" Familie Osphronemidae fehlt allerdings.

Jürgen Schmidt konnte mich daher davon überzeugen, dass es besser ist, den lange im Gebrauch befindlichen und gut bekannten Namen Belontiidae zu verwenden, anstatt den Namen möglicherweise nach eder neuen Publikation ändern zu müssen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es daher sinnvoll abzuwarten, bis eine umfassende, verschiedene Merkmalskomplexe umfassende phylogenetische Analyse der Anabantoidei vorliegt.

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Literatur

Britz, R. 1994. Ontogenetic features of Luciocephalus (Perciformes, Anabantoidei) with revised hypothesis of anabantoid intrarelationships. Zool. J. Linn. Soc. 112: 491-508
Conert, H. J. et al. 1990. Grundlagen und Anwendungsbezug von Taxonomie und Systematik. Aufs. Reden Senckenberg Naturforsch. Ges. 36: 1-44.
Schindler, I. & J. Schmidt 2004. Betta pallida spec. nov., a new fighting fish from southern Thailand (Teleostei: Belontiidae) Z. Fischk. 7: 1-4.

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1 Zur Einteilung der Betta in Artengruppen gibt es verschiedene Hypothesen. Eine Darstellung der hypothetischen Stammbäme findet sich in Der Makropode. Zurück


Bewegung bei Parosphromenus: die Fans der Prachtguramis gründen eine Erhaltungsgruppe

Peter Finke und Martin Hallmann

Das Folgende ist eine Information über eine Initiative, die vor wenigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen hat. Es ist weniger ein Aufruf an viele, hierbei mitzuwirken, als vielmehr eine Bekanntmachung mit dem Ziel, füi einige andere Problembeieiche ähnliche Aktivitäten anzuregen.

1. Von außen und von innen betrachtet: Prachtguramis und ihre Freunde

Parosphromenus bintan

Aquarianer, die sich mit Prachtguramis befassen, sind - von außen betrachtet - merkwürdige Leute. Sie haben meist keine der heute beliebten Großaquarien nur turboschnellen Filteranlagen, ständig stark bewegtem Wasser, superhellen Beleuchtungssystemen und einem wahren Unterwassergarten mit C02-Düngung. Stattdessen findet man bei ihnen meist mehrere oder sogar viele kleine und kleinste Aquarien ohne all das andere, denn sie heben kleine, empfindliche Fische, die ausschließlich Lebendfutter fressen, in dunklen Becken in nahezu destilliertem Wasser leben und sich dort auch noch in Höhlen verstecken. Die Fische bekommen sie oftmals nur zu Gesicht, wenn sie eine viertel Stunde ruhig vor dem Aquarium auf der Lauer hegen. Oft stopfen diese Sonderlinge unter den Aquarianern ein kleines 25-Liter-Becken voll mit Laub, Höhlen und Javamoos, setzen ein oder mehrere Paare Prachtguramis hinein und warten geduldig. Nach Wochen oder einem halben Jahr freuen sie sich dann über wenige oder etwas mehr Jungfische.

Mit Taschenlampen werden die Ecken und Winkel der meist spartanisch eingerichteten Becken auf der Suche nach den Fischen ausgeleuchtet. Ihr Herz schlägt höher, wenn das Männchen nun in prächtiger Färbung durch das Kraut flitzt und flossenspreizend um die Gunst des Weibchens wirbt, das Gelege oder die Jungfische in den Höhlen bewacht.

Von innen betrachtet sieht alles immer anders aus. Es steckt sehr viel mehr dahinter. Die Beschäftigung mit diesen seltenen, anspruchsvollen, wirklich prachtvollen und hochspezialisierten Zwergfischen, die bei genauer Beobachtung phantastisch leuchtende Farben und interessanteste Verhaltensweisen offenbaren, eröffnet eine eigene kleine Welt ungewöhnlicher Erfahrungen. Sie verbindet uns dennoch mit den ökologischen Spezialisierungen und Nöten der großen Welt um uns herum.

Die Parosphromenus-Spezialisten haben sich ihre Erfahrungen meist überJahre hinweg schwer erarbeitet. Selbst innerhalb der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL) ist es kaum mehr als nur eine Handvoll Züchter, welche behaupten können, die Arten wirklich dauerhaft (d. h. über mehrere Generationen erhalten zu können. Dabei ist die Haltimg, bei Beachtung einiger zwingend einzuhaltender Pararneter, meistens gar nicht so schwer. Gelingt sie, wird man bald auch durch eine Anzahl von Jungfischen belohnt. Ist diese Hürde genommen, beginnt die langwierige Aufzucht bis zur Geschlechtsreife. Häufig stellt man dann eine sehr ungleiche Verteilung der Geschlechter fest und es ist mitunter schwierig, auch diese wieder zur Fortpflanzung zu bringen. Meist gehen daher die kleinen Prachtstücke nach einiger Zeit wieder verloren.

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2. Notwendig: Bemühungen um die Erhaltung

Tatsächlich sind sämtliche Prachtgurami-Arten Pfleglinge mit besonderen Ansprüchen, die bei falscher Haltung hinfällig sind. Da die Toleranz der Fische gegenüber ungeeigneten Hälterungsbedingungen gering ist, schlagen halbherzige Versuche, Parosphromenusarten zu halten und zu vermehren, häufig fehl. Man muss sich schon mit den Lebensweisen der Fische detailliert befassen, wenn man auf Dauer Erfolg haben will. Es sind keine Fische für das übliche Gesellschaftsaquarium. Eine schwierige Situation also: Fische, die während aufwendiger Entdeckungsreisen gefunden und über oft umständliche Wege in kleiner Anzahl importiert wurden, sind zwar wunderschön, aber doch für die Mehrheit der heutigen Aquarianer und ihre heutigen Moden zu klein und zu anspruchsvoll. Deshalb sind sie auch praktisch nie in den Aquariengeschäften erhältlich. Wenn sie dann doch einmal im Aquarium schwimmen, sterben sie oft nach kurzer Zeit wieder aus, weil es nur enige Aquarianer gibt, die langfristig eine Art in ihrem Aquarium erhalten wollen und können.

Parosphromenus parvulus

War's das also? Wir meinen: Es sollte doch möglich sein, die mühsam durch Privatpersonen oder gewerbliche Importeure eingeführten Prachtguramis längerfristig in unseren Aquarien erhalten und in einem begrenzten Umfang weiter zu verbreiten. So weit jedenfalls, dass die verschiedenen Prachtguramiformen, welche den Weg zu uns finden, wenigstens bei uns eine Chance auf ein Weiterleben über ein einzelnes Fischleben hinaus bekommen. Eine gewisse Weitergabe der speziellen Erfahrungen und eine Abstimmung bzw. Organisation der erfahrenen und erfolgreichen alter scheint sinnvoll und notwendig zu sein, um die Bemühungen um die Erhaltung innerhalb der IGL auf "breitere Füße" zu stellen.

Das Szenario spielt nämlich vor einem ernsten Hintergrund, und erst dieser erklärt in vollem Umfange, weshalb wir uns für diese Fische interessieren und einsetzen: Der bedrohliche Schwund der südostasiatischen Feuchtgebiete und Urwälder auf Borneo und seinen Nachbarinseln und -halbinseln, insbesondere die Vernichtung der dortigen Schwarzwasserbiotope, sollte uns veranlassen die Bemühungen um den Erhalt der vorhandenen Aquarienstämme zu intensivieren. Dies trifft natürlich auf alle Gattungen und Arten zu, die dort vorkommen, nicht nur auf Parosphromenus. Die Prachtguramis aber sind - neben vielen Betta -Arten, Sphaerichthys und weiteren Labyrinthfischgattungen - in stärkstem Maße von dieser kaum noch aufzuhaltenden Naturzerstörung betroffen. Phil Dickmann hat vor einiger Zeit die Labyrinthfische danach klassifiziert, ob sie in ihren natürlichen Lebensräumen im Bestand wachsen, stagnieren oder zurückgehen (DICKMANN, 1998). Kriterium war dabei die Frage, ob sich ihr Lebensraum vergrößert, ob er einigermaßen stabil ist oder ob er dahinschwindet, weil er massiv zerstört wird, Zu den bedrohtesten Arten, die man hierbei nennen muss, gehören die Fische der Gattung Parosphromenus. In einigen Jahrzehnten können wir die Prachtguramis wahrscheinlich vergessen, wenn es uns nicht gelingt die Urwaldzerstörung in Südostasien zu stoppen und die importierten Formen hier bei uns über viele Generationen hinweg zu halten und zu vermehren.

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3. Aufgabe und Plan

Parosphromenus nagyi

Aquarianer können durch bewusstem, achtungsvollem Umgang mit den Ihnen anvertrauten Fischen einen positiven Beitrag zum Erhalt der Prachtguramis zumindest innerhalb des Hobbys leisten. Die IGL bietet einen guter Rahmen hierfür, denn sie sah sich diesen Zielen gegenüber von Beginn an verpflichtet. Eine Aquaristik, die tatenlos zusähe, wie viele ihrer natürlichen Ressourcen dahinschmelzen, weil man angesichts der ökonomischen Globalisierung und der grassierenden Armut der Menschen in der Dritten Welt nicht sieht, was man tun könnte, verkäme tatsächlich zu einem Hobby ohne Weltbezug. Dies ist nicht die Aquaristik der IGL und es muss nicht sein.

Natürlich wäre das Handeln vor Ort, der Schutz der natürlichen Lebensräume, zweifellos das Naheliegende und das Entscheidende, was geschehen müsste. Zugleich aber ist Abhilfe für den einzelnen so schwierig zu leisten, dass sie schon jede Handlungsbereitschaft im Keim zu ersticken droht. Es ist gut zu wissen, dass sich Einzelne auch hierüber Gedanken machen und neue Wege auszudenken versuchen, um auf den schlimmen Gang der Dinge positiv Einfluss zu nehmen. Wir haben aber ganz bewusst diese Dimension aus unseren Überlegungen zunächst ausgeklammert, um wenigstens dort etwas zu versuchen, wo wir wirklich Einfluss haben: in unseren Aquarien.

Dabei haben wir in den vergangenen Jahren gesehen, dass es offenbar nicht ausreichend ist, in regelmäßigen Abständen zu erheben, wer welche Prachtgurami-Arten pflegt bzw. nachzüchtet. Solche Listen, so nützlich sie im Einzelfall auch sind, sind meistens schon bei ihrer Veröffentlichung in vielen Details überholt und häufig sehr unvollständig. Wir möchten sie nicht missen, aber als alleiniges Erhaltungsinstrument für eine schwierige Gattung wie Parosphromenus sind sie nicht ausreichend. Es ist sinnvoll, weitere Schritte zu tun und eine Absprache zwischen denjenigen zu koordinieren, die Parosphromenus-Arten halten und züchten. Das Ziel sollte sein, dass sich mindestens eine, möglichst aber mehrere Personen mittelfristig um je eine bestimmte Art bzw. Form besonders kümmert. Auch sollte möglichst jede dieser Formen mindestens ein bis zwei solcher "Paten" haben. Die Koordination soll es auch ermöglichen, dann, wenn eine solche Artbetreuung im Einzelfalle nicht weiter möglich ist, einen neuen Halter/Züchter als Ersatz für diese zu finden.

Unser Plan ist daher der Versuch, etwas zu erneuern und zu optimieren, was es ansatzweise bereits gibt bzw. gegeben hat, nämlich eine aktive und im gewissen Umfang - geregelte wechselseitige Abstimmung einer Gruppe von Personen, die sich um die Erhaltung unserer Parosphromenus-Aquarienstämme bemüht. Dabei kann uns die Tatsache, dass wir heute mit Internet und e-Mail über schnelle, einfache, kostengünstige Medien zur weltweiten Kommunikation verfügen, sehr helfen.

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4. Die Aufgaben im Einzelnen

Worum soll es im Einzelnen gehen? Wir listen hier stichwortartig eine Reihe von Punkten auf, die uns in diesem Zusammenhang wichtig sind. Die Punkte a) bis f) sind dabei von grundlegender Bedeutung. Sie hängen alle miteinander zusammen und bilden die Grundlage der Arbeit der Gruppe und ihrer Koordinatoren:

  1. Aktivieren des Kontaktes und der Kommunikation der Beteiligten: Ohne dies geht es nicht. IGL Tagungen und Regionalgruppen sind kein Ersatz hierfür, da sie nie alle Parosphromenus-Freunde zusammenführen können;
  2. Regelmäßige Erhebung des Bestandes, der Quantitäten und Qualitäten im Sinne der Bestandsicherung: Ohne einen ständig aktualisierten Überblick über die Bestandeslage kann man keine langfristige Bestandserhaltung versuchen.
  3. Benennung von "Paten", die bereit sind, eine Form zu vermehren und stabil im Bestand zu erhalten: Dies ist die Kernaufgabe. Dass solche Zuordnungen nur auf völlig freiwilliger Basis vorgenommen werden können, ist eine Selbstverständlichkeit.
  4. Bekanntgabe der Ergebnisse innerhalb der Interessentengruppe mit der Intention der Koordination der Mitglieder: Bei jedem Aquarianer wechselt der Bestand im Laufe der Zeit. Diesen Wandel in Bezug auf Parosphromenus etwas zu koordinieren, ist eine wichtige Zielsetzung.
  5. Eine gewisse Hilfestellung bei der Herstellung von Kontakten zur Weitergabe von Überschüssen. bzw. Zusammenführung von einzelnen Zuchttieren: Letzteres ist kein seltenes Nachzuchthindernis. Ersteres soll nicht im Zentrum unserer Bemühungen stehen, aber es liegt auch im Interesse der Gruppe, personell erneuerungsfähig zu werden.
  6. Berichte über die Ergebnisse - und hoffentlich - Erfolge im Makropoden und Pflege des Kontaktes zu anderen Gruppen in anderen Medien: Hierzu zählt z. B. auch das neu belebte Parosphromenus-Forum im Internet. Wir wollen es aber nicht als offenes Diskussionsmedium der Gruppe verwenden. Während diese Punkte unverzichtbar erscheinen und auch bereits erste Schritte zu ihrer Verwirklichung in die Wege geleitet worden sind, ist Weiteres denkbar, ohne dass es zu Beginn im Vordergrund stehen soll. Beispielsweise zählen zu den späteren möglichen Zielen folgende Punkte:
    1. Eine systematische Zusammenstellung aller bislang importierten Arten/Formen der Gattung Parosphromenus: Hier leben wir alle nämlich von verschiedenen Informationsquellen, die infolge der schnellen Entwicklung der Entdeckungs-, Import- und Beschreibungsgeschichte dieser Gattung allesamt mehr oder weniger überholt und jedenfalls unvollständig sind;
    2. Dokumentation mit Abbildungen (im einfachsten Fall über Internetlinks) der bekannten Prachtguramiformen und Pflege einer solchen Datei: In manchen Fällen wissen auch die Kenner kaum, welchen Fisch sie tatsächlich vor sich haben. Das ist besonders dann der Fall, wenn eine Form plötzlich ohne klare Herkunftsangabe im Handel auftaucht, was mitunter vorkommt. Parosphromenus spec. "blue line" ist ein Beispiel hierfür. Auch eine Form "red line" ist aufgetaucht.
    3. Hilfe bei Bestimmung von Prachtguramiformen durch die Spezialisten: Nicht wenige haben schon einmal "deissneri" gepflegt, die nach der neuen Nomenklatur keine deissneri gewesen sein können. Oft sind die Art- (oder Form-)Unterschiede phänotypisch nur sehr gering ausgeprägt und es gibt klinale Übergänge.
    4. Ein Ideenaustausch zur "eigentlichen" Erhaltungsproblematik, womöglich eine Initiierung neuartiger praktischer Schritte: Hier geht es um die Erhaltung der Lebensräume in Südostasien. Dieser sensible Bereich darf nur mit großer Vorsicht, Sach- und Ortskenntnis angegangen werden. Er soll aber auch nicht ausgeschlossen sein.
    5. Eine, im gewissen Grade mögliche, Belebung des Interesses an Prachtguramis außerhalb der Gruppe, gefördert durch bessere Erhältlichkeit der Fische und die Weitergabe von Erfahrungen in Haltung und Vermehrung: Der Punkt ist verwandt mit dem zuvor genannten Punkt e), doch während es dort um die Schaffung von Voraussetzungen für den langfristigen Erhaltungserfolg geht, geht es hier um Verbreitung des Interesses an Prachtguramis. Wir wollen dieses nicht prononciert fördern, denn diese Fische passen nicht zur heutigen Massenaquaristik. Wir können und wollen unsere Auge aber nicht vor der Tatsache verschlie&ßen, dass es immer wieder einzelne ernsthaft interessierte, neue, besonders auch jüngere Aquarianer gibt, die sich sehr um solche Fische bemühen würden, wenn sie sie bekommen könnten.

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5. Mitarbeit, Koordinatoren und Kontakt

Wir haben zu Beginn deutlich gemacht, dass dieser Artikel die Information über die Gründung dieser Erhaltungsgruppe an die IGL-Mitglieder weitergeben soll, dass wir ihn aber nicht als Aufruf an viele Aquarianer verstanden wissen wollen, sich nun den Prachtguramis zuzuwenden. Um es zu wiederholen: Es sind Fische, die kein Trockenfutter fressen, mit den meisten Leitungswassern nicht zurecht kommen und in Gesellschaft größerer oder sehr lebhafter Fische in hellen Aquarien nur dahinkümmern würden; wir haben daher nicht vor, als Fischverteilungsstation zu fungieren. Dies schon deshalb nicht, weil es gar nicht so viele von diesen Fischen gibt, um einen plötzlich entstehenden größ;eren Bedarf zu befriedigen.

Wir würden uns allerdings sehr darüber freuen, wenn dieser Artikel einige weitere Prachtguramifreunde ans Licht bringen würde, die über Zuchterfahrungen mit diesen Tieren verfügen oder zumindest ein sehr ernsthaftes Interesse an ihnen haben. Solche Personen sollten sich bei einem von uns melden. Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir, um unseren Aufwand in Grenzen zu halten, diese Koordinationstätigkeit (fast) nur per e-Mail durchzuführen bereit sind (den Verteiler führt bis auf weiteres PF Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ME Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! unterstützt ihn dabei); insbesondere alle klassischen Postwege mit Papier und Briefmarke würden uns überfordern.

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6. Literatur

Dickmann P. 1998a. Wie gefährdet sind verschiedene Labyrinthfische? - Waldschadensbericht Südostasien. Der Makropode 20 (9/10), 110.
Dickmann P. 1998b. Wie gefährdet sind verschiedene Labyrinthfischarten II. Der Makropode 20 (11/12), 140.

Der Makropode - 27. Jahrg. - 9/10 2005

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 148
2 Heinz Bela Drei Arten der Gattung Trichogaster 149
3 Jürgen Schmidt Betta livida - der Dunkelrote 154
4 Hans-Joachim Paepke Über den Punktierten Fadenfisch, Trichogaster trichopterus (Belontiidae), und seine Entdecker Joseph Gottlieb Koelreuter und Peter Simon Pallas 162
5 Michael Müller Einladung zur Frühjahrstagung in Belzig 170
6 Hans Esterbauer In Memoriam Heinz Bela 175
7 Norbert Neugebauer Zur Erinnerung an Klaus Derwanz, verstorben 06.07.2005 175
8 Christian Kanele Channa-News - Bericht des Treffens der Channa-AG auf der IGL-Frühjahrstagung in Alzey 2005 176
9 Jürgen Schmidt Aktuelles 177
Impressum 178

Über den Punktierten Fadenfisch, Trichogaster trichopterus (Belontiidae), und seine Entdecker Joseph Gottlieb Koelreuter und Peter Simon Pallas

Hans-Joachim Paepke

 

Die Fragen nach der wahren Autorenschaft

Die erste gültige Beschreibung des Punktierten Fadenfisches stammt von dem berühmten Naturforscher Peter Simon Pallas (1741 –1811). Er nannte ihn damals Labrus trichopterus, den Lippfisch mit den borstenähnlichen Bauchfinnen. Obwohl die Erstbeschreibung bereits 1770 erfolgte, wird in der populären und wissenschaftlichen Literatur häufig das Jahr 1777 genannt (z.B. von Britz 1995, Linke 1980, Rachow o. Jg., Riehl & Baensch 1983/84, Vierke 1978, Weber & de Beaufort 1922 und anderen). Warum geben so viele Autoren ein falsches Erscheinungsjahr an? Als die Arbeit erschien, befand sich Pallas auf einer mehrjährigen Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reiches (wie sein Hauptwerk betitelt ist). Hatte er den südostasiatischen Süßwasserfisch vielleicht in der Naturaliensammlung eines fernab der damaligen Kulturzentren lebenden russischen Gelehrten aufgespürt, oder woher stammt seine Kenntnis von dem Fisch mit den langen Tastfäden? Pallas erwähnt in seiner Abhandlung den vorwiegend als Botaniker bekannt gewordenen Joseph Gottlieb Koelreuter (1733–1806). Koelreuter hatte bereits vor Pallas eine Arbeit an der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg angenommen und schon im Jahre 1764 eine detaillierte wissenschaftliche Beschreibung und eine anatomisch zwar unkorrekte, aber dennoch unverkennbare Abbildung unseres Fisches veröffentlicht. Warum wurde Koelreuters Beschreibung nicht anerkannt? Basieren die Beschreibungen von Koelreuter und Pallas möglicher Weise auf den gleichen Belegstücken und sind diese vielleicht noch erhalten geblieben? Das sind einige Fragen, denen in diesem Beitrag nachgegangen werden soll.

 

Biographisches zu Joseph Gottlieb Koelreuter

Joseph Gottlieb Koelreuter (1733-1806)
Joseph Gottlieb Koelreuter (1733-1806)

Der in Sulz am Neckar als Sohn eines Apothekers geborene Joseph Gottlieb Koelreuter studierte ab 1748 Medizin und Botanik in Tübingen und Straßburg. Von 1756 bis 1761 folgte er einem Ruf an die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wo er die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Akademie betreute, nebenbei aber auch botanische Studien betrieb. Koelreuter, damals 23 Jahre alt, war einer von vielen westeuropäischen Wissenschaftlern, die von dem Glanz der jungen, 1703 von Zar Peter dem Großen gegründeten russischen Metropole angezogen, nach St. Petersburg gingen. Einige wollten nicht nur dort arbeiten, sondern vor allem von St. Petersburg aus zu spektakulären Expeditionen in das zur damaligen Zeit nur wenig, teilweise noch gar nicht erforschte Riesenreich Russland aufbrechen. Koelreuter zog es aber nach wenigen Jahren in St. Petersburg wieder in seine deutsche Heimat zurück. Nach Stationen in Berlin, Leipzig, Sulz und Calw/Württemberg wurde er 1763 Professor für Naturgeschichte und Direktor des fürstlichen Botanischen Gartens in Karlsruhe, wo er im Alter von 73 Jahren starb.

Hier setzte er seine in Tübingen und St. Petersburg begonnenen botanischen Studien fort. In umfangreichen Befruchtungs- und Bastardierungsversuchen wies er die Sexualität der Pflanzen nach, beobachtete den Austausch elterlicher Merkmale sowie die Neigung von Bastarden in ihre Stammformen zurückzuschlagen, und er erkannte die Rolle der Insekten und des Windes bei der Bestäubung der Pflanzen (Mägdefrau 1992, Jahn et al. 1998, Olby 1966, Wunschmann 1882). Damit wurde Koelreuter zu einem wichtigen Vorläufer des Vererbungsforsches Gregor Mendel und erwarb sich einen bleibenden Platz in der Geschichte der Botanik. Ihm zu Ehren wurde eine ostasiatische Gehölzgattung Koelreuteria mit der einzigen Art paniculata benannt. Wie ich vom Institut für Botanik und Landeskunde Karlsruhe erfuhr, ist der als Blasenesche bekannte Baum im Stadtbild von Karlsruhe noch mehrfach vertreten. Mir selbst ist er vom Hof des Berliner Naturkundemuseums sowie aus den Botanischen Gärten in Potsdam und Berlin-Dahlem bekannt. In der Ichthyologie ist Koelreuter trotz mehrerer einschlägiger Publikationen nahezu vergessen. Deshalb sollen hier – wahrscheinlich erstmalig in ichthyologischem Zusammenhang – sein Bildnis und eine kurze Vita veröffentlicht werden.

Zweig der Koelreuteria paniculata aus dem Botanischen Garten Berlin-Dahlem
Zweig der Koelreuteria paniculata aus dem Botanischen Garten Berlin-Dahlem

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Koelreuters Arbeiten zum Punktierten Fadenfisch

Drei Jahre nach Koelreuters Heimkehr erschienen in den Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae , in denen er schon vorher publiziert hatte, u. a. drei Fortsetzungsartikel über seltene Fische aus dem Petersburger Museum (siehe Literaturverzeichnis). Wahrscheinlich hatte er die betreffenden Manuskripte noch in St. Petersburg fertig gestellt und bei seinem Fortgang zurück gelassen. Die Anfangsbuchstaben seiner Vornamen sind dort jedoch nicht mit J(oseph) G(ottlieb) angegeben sondern mit I. T., woraus sich die Frage herleitet,ob es sich bei J. G. und I. T. Koelreuter tatsächlich um die selbe Person handelt, wie es von Dean (1916) lapidar unterstellt wird. Ich habe daraufhin alle fraglichen Jahrgänge der Novi Commentarii ... durchforstet und herausgefunden, dass Koelreuters erster Beitrag in dieser Zeitschrift aus dem Jahre 1761 mit dem Autorennamen Iosepho (der latinisierten russischen Schreibweise von Joseph) Teophilio Koelreuter angegeben wird. Sein letzter Beitrag mit den Initialen I. T. aus dem Jahre 1776 befasst sich mit Pflanzenkreuzungen – dem Spezialgebiet des Botanikers Koelreuter –, so dass wir sicher sein können, dass es sich bei Joseph Gottlieb und Iosepho Teophilio tatsächlich um ein und denselben Koelreuter handelt, der in Russland teilweise unter anderen Vornamen publizierte als in einer Heimat.

Der Beitrag über den Punktierten Fadenfisch erschien im Teil 2(1764) der oben erwähnten Arbeit. Er enthält viele anatomische Details aber keine Fundortangaben. Ihm lag(en) ein (ooder mehrere) Fisch(e) zu Grunde, konserviert "in spiritu vini asseruati",also in Weingeist. Nach Auskunft meiner Kollegin Dr. Natalia Chernova, St. Petersburg, vom 14.04. 1993 waren Koelreuters Belegstücke in der ichthyologischen Sammlung der Petersburger Akademie der Wissenschaften damals nicht mehr vorhanden. Was deren Herkunft betrifft, so kann man nur vermuten, dass die Fadenfische zu jenen naturwissenschaftlichen Objekten gehört haben, die Zar Peter I. (der Große) u. a. von dem niederländischen Apotheker und Naturforscher Frederik Ruysch gekauft und "seiner" Akademie einverleibt hatte (Luyendijk-Elshout 1994).

Erste zweifelsfreie Darstellung eines Punktierten Fadenfisches von Koelreuter (1764)
Erste zweifelsfreie Darstellung eines Punktierten Fadenfisches von Koelreuter (1764)

Die Abbildung auf Tafel 10 Figur 1 zeigt unzweifelhaft einen Trichogaster trichopterus, der sowohl fadenförmige Bauch- als auch Brustflossen besitzt! Dieser Fehler war aber weniger gravierend als der Umstand, dass Koelreuter inseiner Arbeit nicht die binominale Nomenklatur angewandt hatte. Dem zugewiesenen Gattungsnamen Sparus folgte kein Artname – wie es sich nach der zehnten Ausgabe von Linnés Systema naturae, also ab 1758, eingebürgert hatte – sondern eine Kurzdiagnose etwa folgenden Inhalts: Zweifelhafter Sparus, beiderseits durch Flecke gekennzeichnet; erster Bauchflossenstrahl lang, stabförmig zurückreichend.

Pallas bemängelte an Koelreuters Arbeit die seiner Ansicht nach falsche Einordnung in die Gattung Sparus, verwies den Fisch in die damalige Sammelgattung Labrus und gab ihm als fortschrittlicher, auf der Höhe seiner Zeit stehender Wissenschaftler auch sogleich einen verbindlichen Artnamen, nämlich trichopterus. Als Labrus trichopterus hatte der Punktierte Fadenfisch nun ein wissenschaftlich gültiges Binomen (einen aus Gattungs- und Artnamen zusammengesetzten Eigennamen) ungeachtet der Tatsache, dass der Gattungsname später mehrfach wechselte. An Koelreuters unrichtiger Abbildung hatte Pallas nicht auszusetzen, bezeichnete den Fisch (im Unterschied zu Bloch, 1792) als "sehr wohl abgebildet" und verzichtete daher auf eine eigene bildliche Darstellung.

Bevor Pallas im Jahre 1767 ebenfalls eine Anstellung an der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg antrat, hatte er nach eigenen Angaben die Manuskripte für mehr als zehn Faszikel (Teillieferungen) zu den Spizilegia Zoologica bereits fertiggestellt und seinem (ersten) Verleger Gottlieb August Lange in Berlin übergeben (Wendland 1992). Das Material für die Beschreibung von Labrus trichopterus stammte also nicht aus einer russischen Sammlung und ist somit auch nicht mit den von Koelreuter untersuchten Fischen identisch. Nach Pallas wurde die Art damals "nicht selten aus Java und Amboyna (einer Molukken-Insel, d. Verf.) nach Holland überschickt." Von dort erhielt er durch das Entgegenkommen des Barons von Rengers, eines Kammerherrn des Prinzen von Oranien, einige "nach Gronovscher Art halbgetrocknete (Exemplare)". Also auch diese Fadenfische gelangten über die Niederlande in die Hände ihres Beschreibers Pallas. Die Holländer hatten mit Batavia (heute: Jakarta) einen leistungsfähigen und lange Zeit gut verteidigten Handelsstützpunkt auf Java, von dem aus auch sehr viele exotische Naturalien ihren Weg nach Europa nahmen um an Interessenten verkauft zu werden. Auch Bloch hatte viele seiner Fische von holländischen Naturalienhändlern erworben. Damit wäre die ungefähre Herkunft der Typusexemplare, von denen sich keines erhalten hat, umschrieben.

Titelblatt der Naturgeschichte merkwürdiger Tiere von 1777 mit dem Nachdruck der Originalbeschreibung von Labrus trichopterus
Titelblatt der Naturgeschichte merkwürdiger Tiere von 1777 mit dem Nachdruck der Originalbeschreibung von Labrus trichopterus

Bei den halbgetrockneten Fischen handelte es sich um die vom toten Fischkörper abgezogene und getrocknete Haut einer Körperseite mitsamt Schuppen, den Schädelknochen und den paarigen Flossen der jeweiligen Körperseite sowie den unpaarigen Flossen. Kleinere Präparate wurden auf Pappe geklebt, größere mit Draht auf einem Holzsockel montiert. Auf diese Weise haben viele Fischpräparate die Jahrhunderte bis in unsere Tage überdauert.

Von den insgesamt 14 zwischen 1767 und 1780 veröffentlichten Faszikel der Spizilegia Zoologica erschienen fast zeitgleich mit den lateinischen Originalausgaben oder auch verzögert, mehrere Ausgaben in holländischer und deutscher Sprache (Wendland 1992). Der Verfasser besitzt Kopien der Originalausgabe des 8. Faszikels mit der Erstbeschreibung von Labrus trichopterus von 1770 und einer deutschsprachige Übersetzung von 1777 unter dem Titel: Naturgeschichte merkwürdiger Thiere ... Letztere hat offenbar eine größere Verbreitung gefunden und ist wohl die Hauptursache für die oftmals falsch angegebene Jahreszahl der Erstveröffentlichung gewesen.

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Biographisches zu Peter Simon Pallas

Werfen wir noch einen Blick auf das erfüllte Leben von Peter Simon Pallas, der zu den bedeutendsten reisenden Naturforschern des 18. Jahrhunderts zählt. 1741 in Berlin geboren, begann er seine medizinische Ausbildung bereits als 13jähriger am dortigen Collegio medico-chirurgicum der berühmten noch heute existierenden Charité, protegiert von seinem angesehenen Vater, der dort als erster Wundarzt wirkte. Danach studierte Pallas in Halle/Saale und Göttingen, um bereits als 19jähriger in Leiden zu promovieren. Nach einem Studienaufenthalt in England ließ er sich 1761 – dem Wunsche seines Vaters folgend – als Arzt in Berlin nieder. Doch hielt es ihn nicht lange in seiner Vaterstadt, und so ging er 1763 für drei Jahre nach Holland.

Dort veröffentlichte er zahlreiche zoologische Arbeiten, wurde dadurch in der gelehrten Welt bekannt und hatte wohl auch den größten Teil des Materials für seine Spicilegia Zoologica in den niederländischen Museen und Privatsammlungen studiert bzw. gesammelt. Im Jahre 1767 folgte er einem durch die Zarin Katharina II. veranlassten Ruf zunächst als Adjunkt, bald darauf als Professor für Naturgeschichte an die Petersburger Akademie der Wissenschaften. Schon ein Jahr später, von 1768 bis 1774 leitete er eine Expedition durch das östliche und südöstliche Russland und Sibirien – 1770 forschte er am Ural, 1771 besuchte er die Hüttenwerke im Altai, 1772 bereiste er das Baikalgebiet und die Regionen an der chinesischen Grenze bis zum Amur, 1773 war er wieder im Ural und kehrte im folgenden Jahr (am 30. Juli 1774) über Moskau nach St. Petersburg zurück – (Krämer 1961).

Durch seine Forschungsreisen bereicherte Pallas die Kenntnisse über die von ihm erkundeten Regionen nicht nur auf zoologischem und botanischem Gebiet. Er richtete sein Augenmerk ebenso auf die geologisch-ggeographischen Bedingungen, die ethnographischen Besonderheiten und auf ökonomischen Möglichkeiten, wobei damit die Universalität und der wissenschaftliche Fleiß dieses großen Forschers nur unzureichend umschrieben werden können.

Titelblatt der Spicilegia Zoologica von 1770, in der die Originalbeschreibung von Labrus trichopterus veröffentlicht wurde
Titelblatt der Spicilegia Zoologica von 1770, in der die Originalbeschreibung von Labrus trichopterus veröffentlicht wurde

Er erreichte St.Petersburg "mit einem zwar entkräfteten Körper und schon im dreiunddreißigsten Jahre grauenden Haaren, aber doch frischer als(er)in Sibirien gewesen war und voll dankbarer Empfindungen gegen die Vorsicht,welche (ihn) ... erhalten und unzähligen Gefährlichkeiten entrissen hatte." Abschließend resümierte er: "Die Natur in einem ansehnlichen Teil des Weltkreises, wo sie der Mensch noch wenig verderbt hat ...erforscht und kennen gelernt zu haben, halte ich gegen meine dabei verwandte Jugend und Gesundheit für die schönste Belohnung" (Pallas 1778).

Jahre der akademischen Lehre und des Publizierens schlossen sich an, in denen es Pallas nicht mehr gelang, die Mittel für eine neue Forschungsreise aufzubringen. Schließlich erhielt der um die russische Wissenschaft so verdienstvolle Gelehrte von der Zarin ein Haus in Simferopol und zwei kleine Dörfer mit Weinbergen auf der Krim. Hier befasste er sich mit Verbesserungen in der Landwirtschaft und Viehzucht und mit der weiteren Auswertung des auf seinen Reisen gesammelten Materials. 1810 kehrte Pallas nach dreiundvierzig Dienstjahren in Russland in seine Heimatstadt BerlinBerlin zurück. Heimweh, seine angegriffene Gesundheit, die literarische Abgeschiedenheit auf der Krim und die Sorge um die Vollendung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes, die Zoographia Rosso-Asiatica, waren die Gründe dafür. Mit seiner verwittweten Tochter Albertine und seinem Enkel Woldemar bezog Pallas eine Wohnung in der Friedrichstrasse 24. Nur ein Jahr verblieb ihm noch, bevor er am 8. September 1811, knapp zwei Wochen vor seinem 70. Geburtstag, starb. Vorher besuchte er noch den Vorläufer des heutigen Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität, damals noch Unter den Linden, der erst im Jahr seiner Heimkehr gegründeten Berliner Universität.

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Andere Hypothesen der Autorenschaft

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der belesene M. E. Bloch (1792) in seiner Abhandlung über Labrus trichopterus Pallas mehrere andere Autoren anführt, die ebenfalls diesen Fisch gekannt, beschrieben und in einigen Fällen auch abgebildet haben sollen. Einige sogar früher als Koelreuter und Pallas. Seiner Meinung nach wäreValentiyn (1726) der erste Autor gewesen, der diesen Fisch unter dem Namen Ikan Marate Djantan abgebildet hätte. Renard (1754) hätte diese Darstellung unter dem Namen Pangay ou Kapirat kopiert. In beiden Fällen handelt es sich aber keineswegs um den Punktierten Fadenfisch sondern um den Messerfisch Notopterus notopterus Pallas, wie das bereits Pietsch (1995) und zuvor Cuvier, Valenciennes und Bleeker festgestellt haben, und wie das jeder Labyrinthfischfreund erkennen wird, der eine solche Abbildung einmal zu Gesicht bekommen sollte. Bonnaterre (1788) hat seine Darstellung eines Punktierten Fadenfisches ganz eindeutig von Koelreuters kopieren lassen. Sie ist, was das Schuppenkleid und andere Feinheiten betrifft, präziser ausgefallen als das Koelreutersche Original. Bloch verweist ferner auf Boddaert, der in seiner Natuurlijke Histoire (nicht eingesehen) unseren Fadenfisch mit einer anderen Art verwechselt haben soll. Und er veröffentlichte 1781 einen Brief Boddaerts, in dem dieser von einem "Chaetodon Klippfisch" berichtet, der "braune und blauliche (sic) Streifen sowie zwo große Stacheln an den Bauchflossen" gehabt hätte. Hierbei könnte es sich um einen vorderindischen Fadenfisch der Gattung Colisa gehandelt haben. Schließlich erwähnt Bloch einen Hochtus biguttatus aus dem Index Mus. Schwenkiani, möglicherweise ein Nomen nudum ohne nähere Beschreibung, von dem bisher nichts weiter bekannt geworden ist. Wie dem auch sei, entgegen Blochs Auffassung sind Koelreuter und Pallas die ersten beiden Autoren gewesen, die genaue und unverwechselbare Darstellungen vom Punktierten Fadenfisch publiziert haben, und deshalb sollten sie hier auch einmal vorgestellt werden.

Bekanntlich hat man für die Vorder- und Hinterindischen Fadenfische in der Folgezeit verschiedene Gattungsnamen verwendet (Derijst 1997, Schindler 2005). Auch hat man den Punktierten Fadenfisch später mehrfach unter anderen Namen beschrieben. Alles das soll hier nicht weiter kommentiert werden.

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Danksagung

Die Abbildung von Peter Simon Pallas stammt aus dem Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin, Historische Bild- und Schriftgutsammlungen (Sigel: MfN d. HUB, HBSB), Bestand Zool. Mus., Signatur: Orn. 47. Dr. Sabine Hackethal besorgte die Abbildung und gewährte mir Einblick in die Wendlandsche Pallas-Biographie. Ulrike Deistung und Uta Bolch vom Stadtarchiv Karlsruhe stellten das Portrait von Koelreuter (Signatur StAK 8/Diaslg. III 42) auf Seite 1 des Beitrages zur Verfügung und gestatteten dessen Veröffentlichung. Frau Lütchen und Dr. Thomas Bränning vom Institut für Botanik und Landschaftskunde Karlsruhe stellten die Verbindung zum Stadtarchiv Karlsruhe her. Dr. Renate Angermann diskutierte mit mir die Deutung der russischen Initialen von Koelreuters Vornamen. Frank Wolter, einer der besten Kenner der historischen ichthyologischen Literatur, steuerte wertvolle Kopien und Hinweise bei. Ferner arbeitete ich in folgenden Bibliotheken: Zweigstelle Zoologische Bibliothek der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, Bibliothek der Universität Potsdam sowie Bibliothek der Stiftung Staatl. Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci. Allen genannten Personen und Institutionen danke ich herzlich für ihre freundliche Unterstützung.

 

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Literatur

Bloch, M. E. 1781. Auszug eines Briefes des Herrn Doct. Boddart (sic) zu Utrecht an Herrn D. Bloch, vom 1. May 1781. Schriften der Berlinschen Gesellschaft naturforschender Freunde. Bd. 3: 458-460.
Bloch, M. E. 1792. Naturgeschichte der ausländischen Fische. 6. Teil, (gedruckt) bey den Königl. Akademischen Kunsthändlern J. Morino & Comp., Berlin.
Britz, R. 1995. Zur phylogenetischen Systematik der Anabantoidei (Teleostei, Percomorpha) unter besonderer Berücksichtigung der Stellung des Genus Luciocephalus. Morphologische und ethologische Untersuchungen. Dissertation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
Dean, B. 1916. A bibliography of fishes. 3 Bd., The American Museum of Natural History New York.
Derijst, E. 1997. Nota over de geldigheid van de genusnamen: Trichogaster Bloch & Schneider, 1801; Lacepède, 1801; Polyacanthus Cuvier, 1829 en Colisa Cuvier, 1831 (Perciformes; Belontiidae). Aquarium Wereld 50(9): 217-236.
Günther, A. 1861. Catalogue of the fishes of the British Museum. 3: 384-385
Jahn, I. (Hrg.) 1998. Geschichte der Biologie. 3. neubearbeitete und erweiterte Auflage. Gustav Fischer Verlag Jena
Koelreuter, I. T. 1763. Piscium rariorum e museo Petropolitano excerptorum descriptiones. Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae 8: 404-430.
Koelreuter, I. T. 1764. Descriptiones Piscium rariorum e museo Petropolitano exceptorum continvatio. Novi Commentarii Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae 9: 420-470.
Koelreuter, I. T. 1766. Piscium rariorum e. mus. Petrop. exceptorum descriptiones continvatae. Novi Commentarii Academiae Scientarum Imperialis Petropolitanae 10: 329-351.
Krämer, W. 1961. Die Entdeckung und Erforschung der Erde. VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig.
Linke, H. 1980. Labyrinthfische Farbe im Aquarium. Tetra Verlag Melle, 4. Auflage.
Luyendijk-Elshout, A. M. 1994. An der Klaue erkennt man den Löwen. Aus den Sammlungen des Frederik Ruysch (1638-1731). In: Grote, A. (Hrsg.). Macrocosmos in Microcosmos. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 - 1800. Opladen.
Mägdefrau, K. 1992. Geschichte der Botanik, Leben und Leistung großer Forscher. 2. Auflage, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York.
Olby, R. (Hrg.) 1966. Late eighteenth century European scientists. Pergamon Press Oxford, London etc.
Pallas, P. S. 1770. Spicilegia Zoologica quibus novae imprimis et obscurae animalium species iconibus, descriptionibus atque commentariis illustrantur. Berlin, verlegt von Gottlieb August Lange 1(8): 45-46.
Pallas, P. S. 1777. Naturgeschichte merkwürdiger Thiere, in welcher vornehmlich neue und unbekannte Thierarten durch Kupferstiche, Beschreibungen und Erklärungen erläutert werden. Berlin und Stralsund, verlegt von Gottlieb August Lange, 8. Sammlung: 49-51.
Pallas, P. S. 1987. Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reichs. Gekürzter Nachdruck der Erstauflage von 1771 mit einem Nachwort von Marion Lauch, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig.
Pietsch, T. W. (Hrg.) 1995. Historical portrait of the progress of ichthyology, from its origin to our own time. Georges Cuvier. The John Hopkins Univ. Press, Baltomore and London.
Rachow, A. o.Jg (um 1939).. Trichogaster trichopterus (Pallas) - Die Aquarienfische in Wort und Bild, Alfred Kernen Verlag Stuttgart-W., 645/46, 24,5.
Regan, T. 1910. The Asiatic fishes of the family Anabantidae. Proc. Zool. Soc. London 1909(4): 767-787.
Renard, L. 1754. Poissons Ecrevisses et Crabes de diverses Couleurs et Figures extraordinaires que l'on Trouve Autour des Isles Moluques, et sur les Côtes des Terres Australes... Amsterdam.
Riehl, R. & H. A. Baensch, 1983/84. Aquarienatlas (Bd.1, 4. Auflage). Verlag für Natur- und Heimatkunde Hans-A. Baensch, Melle.
Schindler, I. 2005. Die wissenschaftlichen Namen der Zwergfadenfische "Colisa". Der Makropode 27(5/6): 84-85 85
Valentiyn, F. 1726. Omstandig Verhaal van de Geschiedenissen en Zaaken het Kerekelyke ofte den Godsdienst betreffende, zoo in Amboina. Dordrecht und Amsterdam.
Vierke, J. 1978. Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert Pfriem Verlag Wuppertal-Elberfeld.
Weber, M. & L. F. de Beaufort, 1922. The fishes of the Indo-Australian Archipelago. Bd. 4: 365-367.
Wendland, F. 1992. Peter Simon Pallas (1741-1811), Materialien einer Biographie. Teil 1 und 2, Walter de Gruyter, Berlin und New York.
Wunschmann, E. 1882. Koelreuter, Joseph Gottlieb 27. April 1732 - 12. Nov. 1806. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Hrg.: Hist. Kommission d. Königl. Akademie d. Wiss. (Bayern), Leipzig.

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Channa-News - Bericht des Treffens der Channa-AG auf der IGL-Frühjahrstagung in Alzey 2005

Christian Kanele

Die Channa-AG der IGL trifft sich seit zwei Jahren regelmässig auf den Tagungen. Zu unserer Freude findet die AG regen Anklang. Auch dieses Mal haben sich mind. 10 Channaholiker zusammengefunden, um mehr als zwei Stunden ihrer Passion zu frönen. Für all diejenigen Interessierten, die nicht teilnehmen konnten, will ich hier eine Zusammenfassung geben.

Channa diplogramma

In diesem Frühling konnte der den Schlangenköpfen sehr zugeneigte Indische Aquariumfisch-Exporteur Andrew Rao in Südindien einen Schwarm Jungfische des sehr seltenen und bisher nicht exportierten Channa diplogramma ausfindig machen. Channa diplogramma ist das indische "Pendant" zu Südostasiens Channa micropeltes. Er wurde 1865 von Francis Day (Day 1865) beschrieben. Schon Francis Day selber schrieb über diesen Fisch, dass er selten sei. Einige Jahre später listete Francis Day diesen selber als Synonym von Channa micropeltes (Day 1878) auf. Seitdem gibt es keine weiteren Informationen über diesen Fisch.

Ob Channa diplogramma "nur" ein Synonym ist oder eine gute Art ist, steht zur Diskussion. In einem Gespräch mit Frank Schäfer habe ich den Eindruck erhalten, dass es sich um eine gute Art handelt, denn Frank Schäfer erzählte mir, er habe die Days Typenexemplare von Channa diplogramma im Naturhistorischen Museums in Wien eingesehen, und er sprach von deutlichen Unterschieden zu Channa micropeltes im adulten (alkoholisierten) Zustand. Neben Exemplaren in Deutschland sind auch welche in England aufgetaucht (siehe unten). Der Besitzer der Channa diplogramma schrieb mir, dass sie sich im juvenilen Alter nicht von Channa micropeltes unterscheiden würden. Es bleibt abzuwarten bis die ersten aussagekräftigen Photos auftauchen.

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Coolest Channa Shop in the Universe

Der britische Besitzer der Channa diplogramma ist Tom Halvorsen, ein auf aquaristische und terraristische Spezialitäten ausgerichteter Händler. snakeheads.org hat Tom Halvorsens Geschäft nach Durchsicht seiner Bestandslisten zum Coolest Channa Shop in the Universe erkoren. Er erwarb von dem besagten Exporteur vielerlei bis anhin nicht exportierte Channa Species. Neben Channa diplogramma hat Tom Halvorsen Channa sp. "Galaxy Blue", eine evtl. Farbform von Channa stewartii aus der Umgebung von Shillong (Meghalaya, Höhenzug südlich des Brahmaputra und nördlich von Bangladesh), deren ganzen Körper in ein Metallic-Blau getaucht sein kann, hält man diesen Fisch kalt genug (max. 20 C°). Es gibt diesen Fisch schon in der IGL, leider sind die vorhandenen Exemplare fast ausschliesslich männlichen Geschlechts, was man relativ einfach anhand der Färbung und der Kopfform erkennen kann. Des Weiteren gibt es einen Neuimport: Channa sp. "Meghalayan leopard", einer unbeschriebenen Species aus dem Nordhang von Meghalaya ("Garo Hills"). Ich konnte auf seiner Reise nach Indien im Jahre 2003 in Gauhati das erste Tier in Augenschein nehmen. Viele Merkmale deuten auf enge Verwandtschaft mit Channa stewartii hin: Grösse, Körperform, die vertikalen Bänder oberhalb der Laterallinie, aber dieser Fisch hat rötlich-silberne Schuppen unterhalb der Laterallinie, wie ich sie bisher nur von jungen Channa bleheri oder Channa burmanica kenne. Tom Halvorsen hat die ersten exportierten Exemplare erhalten. Tom hat ebenso eine "streifenlose" Form von Channa striata mit dem blumigen Namen Channa sp. "Spearhead", welcher aus dem grössten Flachwasser Assams, einem sogenannten "Bheel", bei Gauhati stammt. Der Höhepunkt der Halvorsenschen Erwerbungen ist ein Paar Channa barca. Damit sind dem Autor drei lebende Exemplare von Channa barca bekannt. Der Preis für das Paar ist astronomisch unter anderem auch deshalb, weil er die Fische gar nicht verkaufen will, wie er mir geschrieben hat.

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Sektion eines Channa stewartii-Paars

Wie mir ein altes IGL-Mitglied nach dem Treffen mitteilte, hat die Channa-AG auf diesem Treffen ein Novum betrieben, indem sie Fische zwecks Geschlechtsbestimmung sezierten.

Dem Autor verstarb letztes Jahr (2004) ein gerade brütendes Channa stewartii Paar (durch vergiftetes Futter?). Frederik Pipkorn erklärte sich bereit, die Fische bis zum Treffen bei sich auf Eis zu legen und sie dann auf dem Treffen (wie alle später bewundernd sehen konnten) fein säuberlich so zu öffnen, dass man beim Männchen die Milz und beim Weibchen die Eier sehen konnten.

CHANNA AG in Alzey - Öffnen von C. stewartii zwecks Geschlechtsbestimmung
Channa-AG in Alzey - Öffnen von C. stewartii zwecks Geschlechtsbestimmung

Vor der Öffnung wurden Bilder der lebenden und der toten Fische, die der Autor kurz nach der Entdeckung ihres Todes noch schoss, gezeigt und das Publikum befragt, um welches Geschlecht es sich handeln könne. Im IGL-Kreise herrscht die Hypothese vor, dass man die Geschlechter anhand der Kopfform unterscheiden könne, wie es Matthias Schnieder bei sp. "lal cheng" (a.k.a. "sp. Assam", "blue bleheri") als erster zeigen konnte: Männchen haben hinter den Augen eine (konvexen) "Ausbeulung" der beiden Kiemendeckel, die besonders in der Aufsicht deutlich wird. Bei verschiedene Channa, z.B. Channa gachua, Channa bleheri oder auch Channa aurantimaculata wurde dieses Zeichen in der IGL schon beobachtet. Der Autor ist auch ein Anhänger dieser Hypothese, wobei er bei Channa aurantimaculata, zweifelt, dass es sich bei dem Tier mit den "ausgebeulten" Kiemendeckel Männchen handelt. Die Beobachtungen des Autors sowie die Bilder der toten Fische konnten keine eindeutigen Auskünfte geben, die diese Hypothese stützt. Ebenso konnte das Publikum deutliche Unterschiede ausmachen, obwohl einige der Anwesenden diesen Fisch schon nachgezüchtet haben.

Es war jedenfalls spannend, den Ausführungen der Kenner zuzuhören, und es ist jedem Channa-Interessierten empfohlen, der Channa-AG beizuwohnen, da soviel Channa-Wissen nur selten einmal in Europa und vielleicht sogar auch in der Welt zusammenkommt.

Während unserer Ausführungen machte sich Frederik daran, mit professionellem Gerät die Fische zu öffnen und so zu prapärieren, dass das Gesuchte für jeden sichtbar wurde. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern anhand der inneren Merkmale wurde auch deutlich, so dass nun daran gegangen werden konnte, nochmals zu überlegen, ob die Hypothese des Erkennen der Geschlechter anhand der Kopfform bei Channa stewartii gerechtfertigt sei. Das Publikum kam zum Schluss, dass die Hypothese nicht gerechtfertigt sei.

Nach diesen Tagespunkten gab es natürlich noch viel zu erzählen. Michael Engemann erzählte von seinem Abenteuer der Channa aurantimaculata-Nachzucht. Sollte er einmal einen Artikel darüber schreiben, meinte er, so würde er ihn mit "Himmel hochjauchzend, zu Tode betrübt nennen", da er als erster die Fische in einem Aquarium nachziehen konnte, aber sich das Elternpaar danach gegenseitig umgebracht hat.

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Nachtrag

Zur Zeit des Schreibens dieses Artikels hat der Autor das Vergnügen, Ziehvater der F1-Generation seines dritten Channa stewartii Paares zu werden. Trotz der Ablehnung der Hypothese, dass die Geschlechter von Channa stewartii anhand der "konvexen Ausbeulungen" am Kopfe zu erkennen seien, durch unsere Untersuchungen an einem Paar nicht unterstützt werden kann, ist der Autor der Meinung, dass die Kopfform der beiden Geschlechter unterschiedlich ist, doch erst mehr Beispiele werden es genauer an den Tag bringen.

Inhaltsverzeichnis

Literatur

Day, F. 1865. On the fishes of Cochin, on the Malabar Coast of India. Part I. Proceedings of the scientific meetings of the Zoological Society of London. pp. 2-40.
Day, F. 1878. The fishes of India being a natural history of the fishes known to inhabit the seas and fresh waters of India, Birma, and Ceylon with descriptions of the sub-classes, orders, families, genera, and species. London, pp. 1-778.

Der Makropode - 27. Jahrg. - 11/12 2005

Inhaltsverzeichnis
1 Christian Kanele Das Labyrinthfischporträt Nr. 82: Channa stewartii (Playfair, 1867) 184
2 Gunther Schmida Im Reich des Australischen Lungenfisches 188
3 Gunther Schmida Die ersten 50 Tage im Leben des Australischen Lungenfisches 197
4 Norbert Neugebauer Betta stigmosa - die Wiederentdeckung des Betta spec. "Tasik Kenyir" 200
5 Manfred Bachmann Trichopsis und Trichogaster in Thailand und Trichopsis und Macropodus in Vietnam 202
6 Gerhard Ott 7. Indo-Pazifik-Fisch-Konferenz in Taipei, Taiwan 205
7 Jürgen Schmidt Literaturdienst 207
8 Axel Zarske & Jacques Géry Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. rer. nat. Rolf. Geisler 210
9 Norbert Neugebauer & Bernd Bussler Protokoll der Generalversammlung am 14.04. 2005 in Alzey, Stadthalle 213
10 Frühjahrstagung in Belzig: Hotelpreise 213
11 Impressum 214

Trichopsis und Trichogaster in Thailand und Trichopsis und Macropodus in Vietnam

Manfred Bachmann

Trichopsis vittata aus Südvietnam
Trichopsis vittata aus Südvietnam

Besonders gut geeignet für mittelgroße Aquarien sind die Trichopsis-Arten, auch Knurrende Guramis genannt, wegen der knurrenden Geräusche, die sie bei Erregung und während der Balz erzeugen. Der Kleinste ist Trichopsis pumila, der 5 cm kaum erreicht. Als Fundorte gibt Richter Thailand und Kambodscha an. Trichopsis schalleri, der nach meinen Erkenntnissen die farbschönste Art ist, wird auch nur 6 cm lang und soll nach Richter in Thailand vorkommen. Richter bemerkt, dass diese beiden Arten sich miteinander kreuzen können, was nach meinen Beobachtungen tatsächlich auch möglich ist.

Obwohl es nicht sinnvoll ist, geschieht es, wenn beide Arten in zu kleinen Aquarien gemeinsam gepflegt werden. Die dritte Art schließlich ist Trichopsis vittata, die größer als T. schalleri wird und deutlich an der Schwanzflosse zu unterscheiden ist. Auch die Körperfarbe ist bei T. vittata nicht so leuchtend grün. T. schalleri erkennt man besonders gut an den zwei auffallenden Körperlängsstreifen. Die Schwanzflossen der T. schalleri-Männchen sind spitz, mit 5 verlängerten Flossenstrahlen, die blau gefärbt sind, bis auf den deutlich längeren Mittelstrahl, der rot ist. Als Fundorte für T. vittata gibt Richter Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia und die großen Sundainseln an. Die Fundortangaben wollte ich auf meiner Thailand- und Vietnamreise präzisieren.

Im Norden Thailands habe ich keine Trichopsis gefangen. Während einer Exkursion, die ich zusammen mit Ingo Hertel machte, fand ich etwa 10 erwachsene Fischchen unterschiedlicher Größe in der Nähe von Pattaya. Einige wurden in einem sehr verschmutzten Graben gefangen. Wie sich etwas später herausstellte, waren sie mit Cercarien verseucht (dazu später). Einige Exemplare konnte ich in einem Kiessee fangen, die alle kerngesunde Fischchen waren. In einem der Gräben konnten wir kleinere Trichopsis fangen, in beiden Geschlechtern.

Möglicherweise ein Männchen
Möglicherweise ein Männchen

Die genauere Untersuchung ergab, dass es Trichopsis pumila waren. Nach Überwindung eines Schwingrasenstückes, in dem auch Kobras vorkamen, fanden wir einen schon stark ausgetrockneten Tümpel, in dem ununterbrochen Fische nach Luft schnappten und in dem auch zahlreiche Schaumnester zu sehen waren. Der erste Kescherzug brachte Trichogaster trichopterus zu Tage. Diese Blauen Guramis weichen doch erheblich von der Aquarienpopulation ab. Sie sind gedrungener, hochrückiger, blauer und die Flossensäume sind intensiver, besonders rot gefärbt. In diesem Tümpel waren auch noch Anabas testudineus.

Von allen Arten habe ich Fische mitgenommen und inzwischen, bis auf die Anabas, vermehrt. Die Trichopsis wurden zusammen in einem mittelgroßen Aquarium gehalten. Bei Temperaturen um 25° C machten sie keinerlei Anstalten zur Vermehrung. Erst als die Temperatur auf 30 Grad erhöht wurde, laichten die Trichopsis vittata ab. Ebenso laichte ein Männchen von Trichopsis vittata mit einem Weibchen von Trichopsis pumila in einer anderen Ecke ab. Das Gelege habe ich entfernt, denn ich wollte keine Kreuzungsprodukte. Die T. vitatta erwiesen sich in der Aufzucht als schwierig, denn mir standen zu dieser Zeit keine Infusorien zur Verfügung.

Die Zielstellung während der diesjährigen Exkursion in Vietnam bestand darin, vor allem nach Labyrinthfischen zu suchen.

Möglicherweise ein Männchen
Möglicherweise ein Weibchen von Trichopsis vittata

Neben Macropodus opercularis, Macropodus concolor, Trichogaster trichopterus und Colisa, die vor Ort nicht genau bestimmt werden konnten, fand ich auch Trichopsis vittata, wunderschöne erwachsene Exemplare, die ich in einem stark verkrauteten Weidentümpel 80 km nördlich von Ho-Chi-Min-Stadt fand. In der Körper- und Flossenfarbe weichen sie von den thailändischen Fischen ab. Die vietnamesischen sind brillanter gefärbt und die Flossenstrahlen der Männchen sind länger, so dass ich zu der Auffassung gelangt bin, es könnte sich bei den thailändischen um eine Unterart handeln.

Während Macropodus opercularis in Nord- und Südvietnam an verschiedensten Standorten vorkommen, findet man Macropodus concolor nur in der Nähe von Hue. Auch wenn verschiedene Autoren, die möglicherweise noch nie in Vietnam gewesen sind, andere Standorte angeben. Wir haben in zahlreichen Bächen, Flüssen und Tümpeln gefischt, ohne je einen M. concolor gefangen zu haben.

Macropodus concolor
Macropodus concolor
Deutlich sichtbar ist der Opercularfleck
Deutlich sichtbar ist der Opercularfleck

Ingo Hertel, der schon 8 Exkursionen in Vietnam gemacht hat, bestätigte meine Erkenntnisse. Inzwischen sind die M. concolor erwachsen und das heißt, auch geschlechtsreif. Natürlich wollte ich die Balz und die Aufzucht beobachten und fotografieren. In einem 20 cm hohen Becken, gut bepflanzt, unter Zugabe eines, von der von mir betriebenen Kampffischzucht gut bekannten Seemandelbaumblattes, setzte ich ein Paar an.

Von 22° C habe ich die Temperatur auf 28° C erhöht und bei dieser Temperatur begann das Männchen sich sofort vor dem Weibchen zu spreizen. Die Flossen waren bis zum Zerreißen gespannt. Das Weibchen zeigt die Breitseite, in die das Männchen stupste. Ein riesiges Schaumnest wurde gebaut. Ich fütterte mit Mückenlarven. Nachdem ein zweites, etwas kleineres Schaumnest gebaut war, verstärkte sich die Balz. Das Paar traf sich sowohl unter dem Primär- als auch unter dem Sekundärschaumnest. Nach sechs Tagen entdecke ich Laich, in dem nun die ganze Oberfläche bedeckenden Schaumnest. Außer den Laichkörnern sah ich einen großen Schwarm Jungfische. Ich hatte nicht bemerkt, dass das Weibchen schon einmal gelaicht hatte. Fotografieren konnte ich das Paar während des Balzens und dem Laichen nicht, da ich zu gut bepflanzt hatte. Die Fische hielten sich immer hinter einer bepflanzten Wurzel auf.

Die Jungen, eine riesige Anzahl, pflege ich ein paar Wochen. Um die Menge zu reduzieren, habe ich eine größere Menge an meine heranwachsenden Kampffische verfüttert.

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7. Indo-Pazifik-Fisch-Konferenz in Taipei, Taiwan

Gerhard Ott

Zum 7. Mal fand die Konferenz statt, nachdem 1981 Dr. John R. Paxton vom Australian Museum in Sydney eine solche Konferenz angeregt und "erfunden" hatte. Dieser Fischkundler dürfte ichthyologisch interessierten Aquarianern bekannt sein: Zusammen mit William N. Eschmeyer hat er die "Enzyklopädie der Fische" herausgegeben. Natürlich ist die alle vier Jahre stattfindende Konferenz schon aus geografischen Gründen stark marin orientiert. Der indopazifische Raum erstreckt sich schließlich von der Ostküste Afrikas bis zu den Westküsten des amerikanischen Gesamtkontinents - quasi in der Mitte Liegt der gesamte indomalaiische Archipel und die indochinesische Welt mit ihrem Fischreichtum, auch für das Süßwasser im Grunde der halbe Globus. Mehr als 500 Teilnehmer aus 50 Ländern waren vom 16. bis zum 20. Mai 2005 zusammen gekommen, um mehr als 150 Vorträgen zu lauschen, 500 Posterpräsentationen zu studieren, sich kennen zu lernen und zu diskutieren. Nach Durban in Südafrika war diesmal Taipei auf der Insel Taiwan der Tagungsort.

Fische

Fische sind die artenreichste Wirbeltiergruppe. Etwa 25 000 bis 30000 Arten sind beschrieben. Viele weitere können noch entdeckt werden. "Pisces" als taxonomische Einheit gibt es nicht (mehr). Der Begriff Fische im weiteren Sinne umfasst die Neunaugen (Myxinoida und Petromyzontida), Knorpelfische (Chondrichthyes) und die Knochenfische (Osteichthyes). 10% aller bekannten Fischarten kommen mit 2775 - davon 2700 marine - Arten in 231 Familien in taiwanesischen Gewässern vor, obwohl die Landmasse der Insel im chinesischen Meer nur 0,03% der Landmasse der Erde stellt. Etwa die Hälfte bis ein Drittel des Staatsgebietes der Republik von China gehören zur Tiefsee, die noch sehr viele unbekannte und unerforschte Arten enthält. Wöchentlich werden neue Arten entdeckt. Allein in der Woche, in der die Konferenz im Howard International House in Taipei durchgeführt wurde, berichtete die englisch-chinesische Tageszeitung „Taiwan News" von vier neuen Spezies, die Richard Pyle zusammen mit Kollegen der Academia Sinica entdeckt hat.

Die Konferenz wurde unter Leitung von Prof. Kwang-Tsao Shao der Academia Sinica Tapei und der Ichthyologischen Gesellschaft von Taiwan ausgerichtet. Das verkehrsgünstig gelegene - mit einer deutschen Siemens-U-Bahn (MRT) erreichbare - Konferenzhotel ganz in der Nähe der Academia Sinica und auch des Shida Nachtmarktes hätte nicht besser gewählt werden können. Ein großer Vortragssaal mit mehr als 600 Plätzen für die "Keynotes", die halbstündigen Hauptvorträge und etliche kleinere Seminarräume für die "Talks", die 15-minütigen Kurzvorträge, großzügige Galerien und Gänge für Posterpräsentationen und Firmenständen von Buchhandlungen bis zu aquaristischen Firmen. Glücklicherweise beim Klima von um die 30 °C mit 98% Feuchtigkeitssättigung der Luft alles klimatisiert und bei landestypisch leichter Küche mit vielen Produkten aus dem Meer, einschließlich Seegurken und mir viel chinesischer Kochkunst essbar gemachte Quallen.

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Bleeker-Preis

Der Bleeker-Preis wurde diesmal an zwei Fischkundler verliehen, von denen zumindest John E. "Jack" Randall vom Bernice P. Bishop Museum Honolulu Hawaii allen Meerwasser-Aquarianern bekannt sein dürfte. Über 500 marine Spezies hat der nunmehr 81jährige beschrieben, mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten und fast 20 Bücher veröffentlicht. Als Schüler und Student in den 60er und 70er Jahren hatte ich das große Glück mit "Jack" über den Schlaf bei Fischen korrespondieren zu dürfen. Es war schon ein tolles Gefühl diesem Mann einmal mit einem Händedruck gratulieren zu dürfen. Ökologisch interessierten Menschen dürfte Howard Choat von der Universität Auckland in Neuseeland ein Begriff sein. Sein Lebenswerk ist ebenso spektakulär wie sein unkonventionelles Auftreten. Es ist sowieso ein weltmännischer Charakterzug nahezu aller angloamerikanischen Ichthyologen und ihren Kollegen von "downunder" Australien und Neuseeland, die mit jungen Studenten aller Nationen, Amateuren und Kollegen gleichermaßen neugierig umgehen. Wer einmal mit dem "Spaßvogel" Tyson R. Roberts, der humorvollen Helen Larson oder dem freundlichen Joseph Nelson aus Kanada - dessen Vorfahren aus Medelby bei Flensburg nahe des Wohnortes des Autors stammen - weiß, dass man Freude an der Ichthyologie haben kann.

Das Programm der Konferenz umfasste auch fischkundliche und touristische Exkursionen. Natürlich durfte ein Besuch im 101-Tower, dem derzeitig höchsten Wolkenkratzer der Welt, nicht fehlen. Die Exkursionen umfassten Schnorchelbeobachtungen im Beishin-Fluss ebenso wie Gerätetauchen im Longdongwan Küstengebiet oder Ausflüge in die atemraubende Marmorschlucht des Taroko-Gebirges, die der Liwu-Fluss in Jahrmillionen ins Gebirge gegraben hat.

Eine Auswahl aus den ichthyologischen Beiträgen vorzustellen ist schier unmöglich. Allein der Abstract-Band umfasst fast 250 eng bedruckte DIN-A4 Seiten. Das Raffles Bulletin of Zoology wird unter der Redaktion von Dr. Tan Heok Hui aus Singapur und Dr. RongQuen Jan aus Taipei einen Sonderband der Tagung herausbringen.

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Schwerpunkte

Als interessante Schwerpunkte seien nur herausgegriffen: Haben sich Aquarianer schon einmal Gedanken gemacht, welchen Lärm die Pumpen, Lampen, Vorschaltgeräte und Durchlüfter in ihren Systemen machen und wie sich das auf die Physiologie der Aquarieninsassen auswirkt? Auch wenn manche junge japanische oder chinesische Ichthyologen im Brustton der Überzeugung, so sei es und nicht anders, molekulargenetische Untersuchungen "Ergebnisse" mag man das noch gar nicht nennen- vortrugen, Peter "Gobymiller" Miller aus England und Dave Johnson fanden auch wissenschaftskritische Worte zu diesen und anderen Thematiken. In einem abendliche Gespräch nach dem Seafood-Dinner fragte ich u.a. Prof. Miller, ob er denn den Wissenschaftstheoretiker und Philosophen Karl R. Popper kenne, da seine Auffassungen in dem Vortrag unübersehbar gewesen seien. Er verneinte, berichtete mir jedoch mit Schalk in den Augen, seine Frau habe bei Popper in London Vorlesungen gehört, was beweist, dass wissenschaftliche Erkenntnisgewinne nicht immer nur durch reine Logik zu erklären sind.

Auch wenn "Labyrinthische" nicht gerade einen Schwerpunkt bildeten, so sind doch folgende vorgestellte Arbeiten von Interesse:

  • P. Musikasinthorn: Revision of the Asian Snakeheads, genus Channa (Perciformes: Channidae).
  • H.Y. Yan: Analyses of characteristics of underwater noise generated by aerators and its possible physiological impacts an fish.
  • C. Vidthayanon: Conservation Status on Thai Fishes.
  • M. Kottelat: Southeast Asian Freshwater Fish Diversity Numbers, Structure, Distribution, Hotspots, Key Habitats, and Conservation.
  • L. Parenti: The Hierarchy of congruent distribution paterns of fishes throughout the Indo-Australian Archipelago.

 

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Weitere Reisen

Ich habe es natürlich nicht dabei belassen, die Konferenz und die faszinierende Metropole Taipei zu besuchen, sondern habe meinen Rucksack gepackt und bin durch die Lande gezogen und habe zuguterletzt nach einigen Wochen der Strapazen mich in ein buddhistisches Kloster einquartiert. Über zwei Labyrinthfisch-Biotope werde ich demnächst in Der Makropode berichten.

<i>Channa</i> sp. in Weltlands südlich in Hualian
Channa sp. in Weltlands südlich in Hualian

Leider war es nicht möglich, die von Christian Kanele, unserem IGL-Moderator für Channa, so sehr ersehnten Channa mitzubringen. Diesmal machte ich die Tour über Teile der Insel Taiwan allein, weil man Reisekumpan Dirk Dettmers Vater geworden ist und mit der Aufzucht von Nachwuchs gebunden war. Und wer schon einmal etliche Kilo (anfänglich 17,5 kg, später dann anwachsend auf 23 kg) Gepäck mit sich herum schleppte, weiß, was das heißt.

Trotz einer gebrochenen Rippe konnte ich schöne Wildfänge von Macropodus opercularis aus den Wetlands um Ilan-Yuanshan im Nordosten der Insel Taiwan mitbringen. Leider stellte sich daheim heraus, dass die Fische mit Fräskopfwürmern (Camallanus) infiziert waren. Über die Therapie dazu werde ich auch demnächst in Der Makropode berichten. Parasitenfreier Nachwuchs von den taiwanesischen Paradiesfischen ist mittlerweile vorhanden und wird in der IGL u. a. IGL-Moderator für Macropodus Dr. Thomas Seehaus verteilt.

2009 wird die B. IPFC-Konferenz in Sabah, Nord-Borneo stattfinden. Das wäre doch mal ein Ort für ein Jahrestreffen der IGL ...

Der Makropode - 28. Jahrg. - 1/2 2006

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1 Jürgen Schmidt Luft atmen und ähnliche Anpassungen 3
2 Horst Linke Bei Linke(i) pflegt das Weibchen 9
3 Rudolf Thurner Der Rote Spitzschwanzmakropode, Pseudosphromenus dayi (Köhler, 1909) 11
4 Nico Röhrs Robuste Labyrinthfische in Sri Lanka 12
5 Rudolf Rucks "Staubfutter"-Fang die optimale Ernährung für Jungfische 14
6 Martin Hallmann Die Zucht von Moina, dem japanischen Wasserfloh 15
7 Jürgen Schmidt Literaturdienst - Bücher 16
8 Peter Finke Ergänzung zur IGL-Frühjahrstagung in Belzig 21
9 Norbert Neugebauer Einladung zur Generalversammlung 21
10 Robert Donoso-Büchner Beendigung des Zuchtbuches für Betta coccina Vierke, 1979 22
11 Robert Donoso-Büchner Liebe Fisch-Kollegen! 22
12 Robert Donoso-Büchner Auswertung bisheriger Erfahrungen zum Zuchtbuch für Betta coccina Vierke 1979, Population Malaiische Halbinsel 23
13 Charly Rossmann Wiederbelebung der Arbeitsgruppe Colisa, Trichogaster, Trichopsis und Pseudosphromenus 24
14 Christoph Bärecke 45. Treffen der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus mit Kampffischbewertungsschau in Oschersleben/Bode 25
15 Holm Arndt Programm der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus für 2006 27
16 Holm Arndt Programm für das 46. Treffen der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus in Halle vom 21. bis 23. April 2006 28
17 H.-J. Ende & H. Arndt Ausschreibung der 10. Kampffischbewertungsschau der Labyrinthfisch-Regionalgruppe Cottbus 28
18 Holm Arndt Auswertung der Internationalen Meisterschaft Kampffische 2005 29
19 Manfred Bachmann EHBBC-Kampffisch-Schau in Mühlhausen/Thüringen 30
20 Jürgen Schmidt Berichtigung 30
21 Dieter Dahms Programm der IGL-Regionalgruppe Bayern 2006 28
22 Jürgen Schmidt Programm der IGL-Regionalgruppe Bayerwald 2006 28

Luft atmen und ähnliche Anpassungen

Jürgen Schmidt

Bewohner zeitweilig austrocknender Gewässer

Sicherlich die bekanntesten Fische, die eine Austrocknung ihrer Gewässer zu überleben vermögen, sind die Lungenfische. Andere sind beispielsweise Schlammpeitzger - Misgurnus sp., Kletterfische - Anabas sp., Schlangenkopffische - Channa sp. sowie Reisaale und verschiedene Welse. Lungenfische unterschiedlicher Gattungen sind in Afrika, Südamerika und Australien verbreitet. In der in Form von Fossilien überlieferten Verwandtschaft der Lungenfische finden sich zahlreiche Gattungen und Arten.

Misgurnus fossilis
Misgurnus fossilis - der Schlammpeitzger (Foto: J. Schmidt)

Bis auf den Australischen Lungenfisch Neoceratodus forsteri vermögen alle rezenten Arten selbst lange Trockenperioden zu überdauern. Dazu vergraben sie sich im Boden und verfallen hier in einen Lethargiezustand, der als Trockenschlaf bezeichnet werden kann. Aus diesem Trockenschlaf erwachen sie bei Wiederauffüllung der Gewässer und gehen direkt wieder zum aktiven Leben über. Aus Afrika stammen vier Arten, Protopterus annectens aus Westafrika, P. amphibius und P. aethiopicus aus Ostafrika sowie P. dolloi und P. aethiopicus aus Zentralafrika, einschließlich des Tanganjikasees. Jeweils eine Art lebt in Australien, Neoceratodus forsteri, und in Südamerika, Lepidosiren paradoxa.

Lungenfische bevorzugen Fließgewässer als Lebensräume, worin sie sich vornehmlich in Bodennähe aufhalten. Vor allem in Afrika trocknen viele Gewässer, in denen Lungenfische leben, zur Trockenzeit vollständig aus. Wenn dies auch im eigentlichen Gewässerbett nicht immer der Fall ist, so trocknen den noch zahlreiche Nebengewässer, Altarme und selbstverständlich die weiten Überschwemmungszonen aus. Die Killifische überdauern die kritische Zeit in Form ihrer Eier.

Im Falle einer Austrocknung haben die afrikanischen Lungenfische die Fähigkeit, in den Gewässerboden einzudringen und sich darin mit einer fest werdenden Hülle zu umgeben. Die oberste Schlammschicht der austrocknenden flachen Gewässer ist gewöhnlich recht weich. Der eindringende Lungenfisch drückt den Kopf nach unten und führt dann Suchbewegungen in Form von Schlängelbewegungen aus. An der ausgesuchten Eindringstelle wird der weiche Schlamm meist ins Maul genommen und durch die Kiemenöffnungen wieder ausgestoßen. Der folgende tiefere Schlamm ist fester und wird mit Kraft durchstoßen, wodurch der gegrabene Schacht nicht zusammen fällt. Von oben nachrutschende Schlammpartikel werden vom Lungenfisch durch Schlängelbewe gungen an die Hohlraumwandung gedrückt oder ausgeblasen. In einer bestimmten Tiefe weitet der Lungenfisch die Höhlung derart aus, dass er sich hier in charakteristischer Weise einrollen kann.

Protopterus aethiopicus
Protopterus aethiopicus - der Ostafrikanische Lungenfisch (Foto: J. Schmidt)

Er liegt nun halb aufgerollt, unter gelegentlichen Luftholbewegungen, bis das Gewässer vollständig ausgetrocknet ist. Kurz vor der endgültigen Austrocknung sammelt sich um und über dem Eingang des vom Lungenfisch geschaffenen Kanals ein Häufchen feinen Sands und Schlamms. Wenn dann das Restwasser gerade mit dem Häufchen auf einer Höhe steht, saugt der Lungenfisch in dieses von Natur aus poröse Häufchen winzige Gänge und Spalten. Sobald dann das Wasser ganz verdunstet oder versickert und der gegrabene Schacht trocken fällt, wird der Lungenfisch extrem träge und bleibt nun halb bis dreiviertel aufgerollt im unteren, erweiterten Teil liegen. Er verfällt dann in den Lethargiezustand. Nun trocknet auch der Schlamm, der den Fisch direkt umhüllt. Im Lethargiezustand lebt der Lungenfisch - unter stark reduziertem Verbrauch - von den zuvor angefressenen Reserven. Bei erneutem Wasserangebot löst sich dieser Kokon wieder auf und der Lungenfisch erwacht erneut zu aktivem Leben.

Ähnlich wie bei den afrikanischen Lungenfischen verhält es sich beim Südamerikanischen Kurzschwanzreis- oder Kiemenschlitzaal, Synbranchus marmoratus. Er ist in Südamerika verbreitet und sieht aalähnlich aus, obwohl keine Verwandtschaft zu den echten Aalen besteht. Er bildet jedoch nicht wie die Lungenfische einen Kokon, sondern zieht sich bei Trockenheit der Gewässer in immer tiefere und feuchtere Bodenschichten zurück.

Vergleichbares ist von einigen Kampffischen der Gattung Betta bekannt.

Der Lungenfisch, der atmosphärische Luft atmet, anstatt dem Wasser gelösten Sauerstoff zu entziehen, ist vielen Menschen zumindest vom Hörensagen her bekannt. Relativ unbekannt ist hingegen, dass diese Respirationsart unter den Fischen gar nicht so selten ist. Dies mag daran liegen, dass viele Fische ihre Luftatmung nur dann nutzen, wenn der Sauerstoffgehalt ihres Gewässers stark absinkt. Es gibt aber auch Fische, die ohne atmosphärischen Sauerstoff regelrecht ertrinken.

Es kann zwei Gründe für eine akzessorische oder obligate Luftatmung geben:

  1. Der Sauerstoffgehalt in Gewässern ist für eine Kiemenatmung dauerhaft oder periodisch zu gering.
  2. Die Austrocknung des Gewässers während einer Trockenzeit.

 

Die meisten Luftatmer sind tropische Süß- oder Brackwasserfische. Die Gründe hierfür könnten sein: Hohe Wassertemperaturen bedingen einen niedrigen Sauerstoffgehalt. Hohe Temperaturen fördern sauerstoffzehrende Organismen wie Bakterien. Die üppige Vegetation schirmt die Gewässer von Winden ab, welche sie umwälzen könnten, und setzt außerdem die Photosynthese durch Beschattung herab. All diese Faktoren haben den Luft atmenden Fischen der Tropenregionen einen evolutiven Vorteil verschafft.

Die Kiemen der Fische sind für die Luftatmung normalerweise ungeeignet, weil sie statisch zu fein gebaut sind; sie würden ohne stützende Wasserfüllung sofort kollabieren.

Monopterus albus (c) M. Matzusaka
Monopterus albus - ein Kiemenschlitzaal aus Südostasien (Foto: M. Matzusaka)

Deshalb müssen meist andere Oberflächen den Gasaustausch mit der Atmosphäre übernehmen. Dazu müssen sie sowohl sehr gut durchblutet sowie gut gaspermeabel sein und auch mit geregelt eintretender Luft in Berührung kommen.

Folgende Organe kommen für die Zusatzfunktion einer Luftatmung in Frage: Haut, Mundhöhle, veränderte oder verstärkte Kiemen, Kiemenhöhle, Magen, Darmtrakt, Schwimmblase und spezielle Lungen.

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Luftatmungsmechanismen

Dem Flussaal, Anguilla anguilla, gelingt es, beträchtliche Strecken über Land zurückzulegen. Wenn seine Haut gegen Austrocknung geschützt ist, dann kann er tagelang ohne Wasser leben. Dies schafft der Fisch dadurch, dass er seine Kiemenhöhle mit Luft füllt, die Kiemen kollabieren dabei nicht. Durchschnittlich jede Minute tauscht er die Luft einmal komplett aus; während der Wasseraustausch in 20° C warmem Wasser nur alle 20 Minuten erfolgen muss. Der Sauerstoffverbrauch und die Aktivität werden bei Luftatmung um 50% gesenkt. Trotzdem kommt es bei höheren Umgebungstemperaturen zu einem Sauerstoffdefizit und zur Anreicherung von Milchsäure im Aalblut und in der -muskulatur. Erst bei Temperaturen unter 7° C ist die Luftatmung ausreichend, weshalb Überlandwanderungen der Aale meist nachts stattfinden. Zusätzlich zur Luftatmung in der Kiemenhöhle nimmt der Aal noch etwa ein Drittel seines Gesamtsauerstoffverbrauchs über die Haut auf. Bei normaler Kiemenatmung beträgt dieser Wert nur etwa 10%.

Anguilla anguilla (c) J. Schmidt
Anguilla anguilla - der Flussaal (Foto: J. Schmidt)

Schlammspringer der Gattung Periophthalmus leben an tropischen Mangrovenküsten und halten sich längere Zeit auf dem Land auf. Sie tragen ständig Wasser im Kiemenraum mit sich herum, wobei ein Teil des Gasaustauschs auf physikalischem Wege erfolgt. Gleichzeitig erfolgt die Sauerstoffversorgung zumindest teilweise über die Haut. Spezielle Luftatmungsorgane gibt es bei diesen Fischen nicht.

Kurzschwanz- oder Reisaale der Gattung Synbranchus atmen im Wasser und in der Luft gleich gut. Zur Luftatmung werden die sehr gut durchbluteten Kiemenhöhlenwände genutzt. Alle zehn bis 15 Minuten wird frische Luft in die Kiemenhöhle gepumpt.

Der Sauerstoffgehalt dieser Luft reduziert sich in dieser Zeit um bis zu 50%. So gelingt es den Kurzschwanzaalen, die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes noch über das Niveau der Kiemenatmung zu erhöhen.

Auch der Elektrische Aal, Electrophorus electricus, ist auf die Luftatmung angewiesen. Die Mundhöhlenwände des Elektrischen Aals sind sehr stark durchblutet und verfügen über viele Fortsätze und Papillen zur Oberflächenvergrößerung. Die Fische nehmen immer nur dann frische Luft auf, wenn der Sauerstoffpartialdruck der in der Mundhöhle befindlichen Luft um etwa ein Drittel gesunken ist. In diesem Zeitraum steigt der CO2 Partialdruck nur geringfügig an, da bei Electrophorus die Kiemen und die Haut zur CO2-Ausscheidung genutzt werden.

Lepisoteus osseus (c) J. Schmidt
Lepisoteus osseus - der Knochenhecht (Foto: J. Schmidt)

Der Knochenhecht, Lepisosteus osseus, benutzt neben seiner Kiemenatmung auch die Schwimmblase zur Respiration. Dabei hängt die Frequenz der Gasfüllungen in der Schwirnrnblase direkt von der Temperatur ab. Maximal 10% des CO2 gelangt über die Schwimmblase aus dem Körper, 90% werden über den Mund und die Kiemen abgegeben.

Der südamerikanische und die afrikanischen Lungenfische müssen Luft atmen, während die Luftatmung des australischen Lungenfischs lediglich akzessorisch ist (s. u.).

Auch die Flösselhechte besitzen echte Lungen und müssen Luft atmen.

Einige Schmerlen, Cobitiden und Balitoriden, besitzen eine akzessorische Darmatmung, ebenso einige Welse.

Die Labyrinthfische, Anabantoidei und Channidae, sind die vermutlich am besten untersuchten Luftatmer. Ihr Labyrinthorgan ist ein mit respiratorischem Epithel ausgekleidetes, verzweigtes und gefaltetes Organ, das in einer Vergrößerung des ersten Kiemenbogenraums untergebracht ist.

Die Entwicklung der Luftatmung der Fische erforderte spezielle morphologische und physiologische Anpassungen. Um die zusätzlichen Respirationsorgane in den Blutkreislauf einzubauen, entwickelten sich vielfältige Kreislaufsysteme. Der Gehalt an Sauerstoff liegt in der Luft um ein 20- bis 40-faches höher als im Wasser. Diese Differenz wird jedoch teilweise dadurch ausgeglichen, dass die Luftatmungsorgane sich nicht ständig mit neuer Luft füllen müssen, so dass der Sauerstoffgehalt hier folglich nur kurzzeitig maximal und der CO2 Gehalt fast immer größer als jener der Außenluft ist. CO2 diffundiert erheblich leichter in Wasser als in Luft. Daraus erklärt sich die CO2-Abgabe ins Wasser. Die Regulation der Atemtätigkeit wird nicht einheitlich gesteuert. Manche Fische steuern sie über den Sauerstoffgehalt des Blutes, andere über den CO2-Gehalt.

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Lungenfische und ihre Anpassungen

Die Lungenfische oder Dipnoi (= Doppelatmer) kommen rezent nur in Südamerika, Afrika und Australien vor.

Polypterus delhezi - (c) J. Schmidt
Auch Flösselhechte besitzen Lungen und müssen Luft atmen, wie Polypterus delhezi (Foto: J. Schmidt)

Das Vorkommen der Gattungen auf diesen Erdteilen, die im Erdmittelalter einen gemeinsamen, riesigen Kontinent bildeten, belegt neben fossilen Funden das hohe Alter dieser Ordnung. Wie ihr Name besagt, sind die Lungenfische in der Lage, Luft auch durch Lungen zu atmen, anstatt den Sauerstoff ausschließlich über Kiemen aus dem Wasser zu gewinnen. Diese besonderen Anpassungen entwickelten sich, da die Lungenfische in Gewässern lebten, die recht häufig und oft regelmäßig austrocknen. Bereits im Devon kam es in jenen Regionen, die den heutigen Tropenregionen entsprechen, zu häufigen Trockenzeiten, was durch zahlreiche Fossilien belegt ist. Das Devon gilt als erdgeschichtliche Periode, in der umfangreiche Umweltveränderungen und Umweltkatastrophen stattfanden. In dieser Zeit vor circa 400 Millionen Jahren verschwanden Meere und wurden neu gebildet, und dort, wo vormals Meere existierten, entstanden riesige Sümpfe.

Fische, die durch das Zurückweichen des Wassers in diesen Sümpfen eingeschlossen waren, waren entweder in der Lage, sich anzupassen, oder sie starben aus. Infolgedessen entstanden verschiedene Lungenfischarten, die heute als Fossilien zu finden oder sogar als lebende Nachkommen anzutreffen sind. Diese Fische haben eine besondere Bedeutung für die Zoologie, da früher die Annahme vertreten wurde, dass sich aus ihnen wohl die ersten Landtiere, die Amphibien, entwickelt hätten. Im Devon teilten sich die Fische in zwei wesentliche Unterklassen, in die Strahlenflosser oder Actinopterygier und die Fleischflosser oder Sarcopterygier. Aus den Actinopterygiern gingen die echten Knochenfische, die Teleostei, hervor. Aus den Sarcopterygiern entwickelten sich wahrscheinlich die Quastenflosser oder Crossopterygii und die Lungenfische oder Dipnoi. Allerdings scheinen Fossilien zu belegen, dass die Lungenatmung sowohl bei den ursprünglichen Vertretern der Actinopterygii als auch der Sarcopterygii vertreten war. Die Lungenatmung stellt also eine sehr frühe Entwicklung dar.

Die Dipnoi sind in vielen ihrer Eigenschaften des Körperbaus und ihrer Körperentwicklung den Amphibien ähnlich. Daher hielt man sie früher auch für die Ahnen der Amphibien. Heute werden allerdings die Crossopterygii als Vorfahren der Amphibien angesehen. Darauf deuten Merkmale des Schädelbaus hin, die den Amphibien fehlen, obwohl es auch hier Unstimmigkeiten gibt.

Die Fähigkeit der Luftatmung ist jedoch - wie bereits aufgezeigt - keinesfalls auf bestimmte systematische Gruppen beschränkt. Sie ist weit verbreitet und eng mit den Lebensweisen der Fische und ihren Lebensräumen verknüpft. So finden sich Luft atmende Fische insbesondere in sumpfigen Gewässern der Tropen sowie im träge fließenden

Wasser der Flussmündungen. Meist sind diese Flussmündungen mit Altarmen verbunden, die im Sommer allmählich austrocknen oder zumindest viel Wasser verlieren. Ein weiteres Merkmal dieser Lebensräume ist flaches Wasser, was eine intensive Wasservegetation bedingt. Je weniger Bewegung es in solch einem Gewässer gibt, desto weniger Sauerstoff wird von außen hinein gelangen. Hinzu kommt die starke Erwärmung bei direkter Sonneneinstrahlung. Je wärmer ein Gewässer wird, desto weniger Sauerstoff kann sich im Wasser lösen und desto mehr gelöstes CO2 sammelt sich im Wasser an. Der Sauerstoffverlust kann auch nicht mehr durch die photosynthetische Aktivität der Algen und höheren Wasserpflanzen aufgefangen werden, da der Abbau des toten organischen Materials durch Mikroorganismen viel Sauerstoff verbraucht und zusätzlich große Mengen CO2 frei setzt.

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Sauerstoffmangel

Der Fisch versucht nun, diesen Sauerstoffmangel auszugleichen. Jeder typische Fisch tut dies, indem er zunächst die Kiemenatmung steigert, also die Ventilation und die Kiemenatmungsfrequenz erhöht.

Protopterus aethiopicus - (c) J. Schmidt
Protopterus aethiopicus - (Foto: J. Schmidt)

Die meisten Luft atmenden Fische reagieren ähnlich und steigern ihre Luftatmung erst dann, wenn die Kiemenatmung nicht mehr in der Lage ist, den Bedarf an Sauerstoff zu decken. Hier gibt es jedoch von Art zu Art Unterschiede. Während einige Arten auf Sauerstoffarmut im Wasser direkt mit der Kompensation der Kiemen- durch die Luftatmung reagieren, sprechen andere nur auf die Absenkung des Sauerstoffgehalts der Atemluft an. In jedem Fall benötigen die Fische aber, auch wenn sie ihren Sauerstoffbedarf völlig aus der Luftatmung über die Lungen decken können, noch ihre Kiemen. Sie sind nämlich nicht in der Lage, mit der Atemluft

gleichzeitig ausreichend CO2 auszutauschen, so dass sich ihr Blut bei der Luftatmung auf Dauer immer mehr ansäuern würde. Dieses CO2 wird dann über die Haut und die immer wieder zwischendurch einsetzende Kiemenatmung ins Wasser abgegeben. (Dies ist ein wesentlicher Aspekt, der auch bei der Beschreibung der Funktion des Labyrinths der Kletter- und Schlangenkopffische immer wieder vergessen wird.) Manche Fische verfallen in einen "Schockzustand" und fahren ihren Stoffwechsel zur Energieeinsparung auf ein Minimum herab.

An windstillen Tagen treten über den tropischen Sümpfen oft Verhältnisse auf, bei denen die Luft über dem Wasser sehr wenig Sauerstoff enthält, genau wie das Wasser selbst. Dann reagieren die Fische in allen Fällen mit einer Erhöhung ihrer Atemfrequenz um das bis zu Vierfache ihres Ruhewerts. Eine starke Anreicherung von CO2 im Wasser wird von den Fischen mit einer Verminderung der Kiemenatmung beantwortet, um nicht über die Kiemen noch mehr CO2 in den Körper aufzunehmen. Beim Atmungsvorgang wird meist Luft durch das Maul aufgenommen und entweder wiederum durch das Maul oder durch die Kiemenspalten oder den After abgegeben. Röntgenologische Aufnahmen ergaben, dass durch Senkung des Mundbodens Luft in die Mundhöhle gelangt, die cranial durch Andrücken der Zunge an das Munddach geschlossen wird, so dass vorn keine Luft entweichen kann.

Synbranchus marmoratus - (c) I. Seidel
Ein Luft atmender Fisch ist auch Synbranchus marmoratus - der Kiemenschlitzaal (Foto: I. Seidel)

Anschließend wird durch eine Zungenbeinverschiebung Luft in die Schwimmblase, Lunge oder andere akzessorische Atemorgane gepresst. Die Ausatmung erfolgt vielfach durch Kontraktion oder Elastizität der Atmungsorgane selbst, oft sogar auch durch die benachbarte Muskulatur.

Die Lebensräume der Lungenfische sind oft sehr nährstoffreich und beherbergen eine Vielzahl von Kleinstlebewesen, die den Fischen, welche meist Räuber sind, als Nahrung dienen können. So brauchen sich die Lungenfische nicht sonderlich anzustrengen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Die meisten von ihnen sind folglich träge Bodenbewohner. Die Ausbildung fächerförmiger Zahnplatten befähigt die Lungenfische ihre Nahrung, die wohl in erster Linie aus Schnecken besteht, mit- samt den Pflanzen, auf denen diese sitzen, zu verzehren.

Ihrer Umgebung sind die Fische gut angepasst. Ihre Farbe ist unscheinbar olivgrün bis bräunlich. Die Dipnoi sind von länglicher, aalähnlicher Gestalt (Ausnahme Neoceratodus), und die meisten Vertreter erreichen stattliche Längen von bis zu 1,5 m. Anatomische Besonderheiten sind der - wie alle anderen Teile des Skeletts - zurück gebildete knorpelige Schädel; statt der Wirbelsäule besitzen die Lungenfische eine Chorda dorsalis. Die äußeren Nasenlöcher sind paarig und führen in knorpelige Nasenkapseln. Hier schließen sich die Nasengänge an, die rückwärts den Gaumen durchbrechen. Die Atmung kann über die Kiemen oder die Lunge erfolgen. Die Lungen entwickeln sich an der ventralen Seite aus Ausstülpungen des Kiemendarms. Beim Australischen Lungenfisch, Neoceratodus forsteri, sind sie unpaar angelegt und wanderten im Verlauf der Evolution um den Darm herum auf die dorsale Seite des Fischs. So kamen sie etwa an jener Stelle zu liegen, an welcher die Knochenfische ihre Schwimmblase tragen. Die anderen Vertreter der Lungenfische besitzen paarige Lungen auf der ventralen Körperseite. Die Möglichkeit, sowohl über Lungen als auch Kiemen zu atmen, gab der Ordnung Dipnoi - Doppelatmer - ihren Namen. Das Herz der Lungenfische besitzt einen Bulbus. Der Darm ist mit einer Spiralklappe versehen. Eine Kloake und ihre Entwicklung mit oder ohne Metamorphose sind weitere Besonderheiten der Lungenfische.

Paarige Fortbewegungsorgane sind vorhanden und bestehen aus einem frei beweglichen Grundglied, an das sich ein langer, beschuppter Schaft anschließt, der an zwei oder nur an einer Seite Flossensäume aufweist.

Die Schwanzflosse ist sekundär symmetrisch. Rücken-, After- und Schwanzflosse sind am breiten Ruderschwanz zu einem Flossensaum miteinander verwachsen. Die schwach entwickelten paarigen Flossen kennzeichnen die Lungenfische als schlechte Schwimmer. Die Flossen werden daher in der Regel auch nicht zum Schwimmen genutzt, sondern eher als eine Art Lauforgan, mit dem sich der Fisch auf dem Grund „gehend" bewegt; dies ist beispielsweise in ausgeprägter Art beim Australischen Lungenfisch der Fall. An Land wären diese „Beine" allerdings nicht für eine Fortbewegung geeignet, da die Fische insgesamt zu schwer dafür sind. Andere Fortbewegungsarten sind am Grund kriechend, wie etwa beim Südamerikanischen Lungenfisch, Lepidosiren paradoxa, dessen Flossen so stark verkümmert und so hoch angesetzt sind, dass er mit ihnen kaum den Grund erreicht. Der Fisch bewegt sich deshalb aalartig oder schlangenähnlich auf dem Grund entlang und stößt sich von Pflanzen und Steinen ab.

Im gleichen Lebensraum kommt der Südamerikanische Kurzschwanzaal vor. Er wird jedoch nicht zu den Lungenfischen, also den Dipnoi im eigentlichen Sinne gerechnet. Sein äußerliches Aussehen ist dem des Lepidosiren sehr ähnlich, es fehlen aber die Stummelfiossen, so dass diese Fische noch aalartiger wirken. Er ist allerdings ein sehr schlechter Schwimmer und scheint im freien Wasser völlig hilflos zu sein. Statt zum Luft holen an die Oberfläche zu schwimmen, reckt sich der Kurzschwanzaal mit dem Vorderende seines Körpers nach oben und bleibt im flachen Wasser, den Kopf an der Wasseroberfläche, auf den Schwanz gestützt eine Zeit lang stehen. Dabei kommt er nur unter großen Anstrengungen mit intensiven Kiemenbewegungen an die Wasseroberfläche. Dort nimmt er Atemluft auf, atmet etwas später wieder aus und gleitet ins Wasser zurück. Dieser Vorgang kann sich - je nach Sauerstoffgehalt des Wassers -unterschiedlich häufig wiederholen.

Die afrikanischen Lungenfische, Gattung Protopterus, kommen mit ihren vier Arten in den flachen, sumpfigen Gewässern Zentralafrikas vor. Diese trocknen im Sommer regelmäßig aus und die Fische finden Überlebensmöglichkeiten, indem sie sich Schlammhöhlen graben. In diese rollen sie sich beim Zurückweichen des Gewässers ein und umgeben sich mit einer gallertartigen Schleimschicht, die bei zunehmender Trockenheit fest wird und die Fische vor der Austrocknung schützt. Vor den Mäulern bilden sich - jeweils - kleine Öffnungen, die das Atemholen ermöglichen. Während dieser Trockenperiode fallen die Lungenfische in einen Trockenschlaf, in dem sie sich zunächst von Fettreserven und später sogar vom Muskelgewebe ernähren - je nach Länge der Trockenperiode. In diesem Zustand können die Fische ausgegraben und transportiert werden, ohne dass sie Schaden nehmen. Kommt nach der Trockenzeit die Regenperiode, so lösen sich die Schlamm- und Schleimkokons auf und die Fische beginnen träge umherzuschwimmen. Nach einiger Zeit beginnen sie wieder mit der Nahrungssuche und sie versuchen, den Körpermasseverlust möglichst schnell auszugleichen. Die Protopterus Arten sind bereits derart auf ihre Lungen angewiesen, dass sie ertrinken, wenn sie unter Wasser am Luftholen gehindert werden.

Kurz nach dem Einsetzen der Regenperiode beginnt die Fortpflanzungszeit. Protopterus geben ihren Laich in schlammigen, oft sehr tiefen Löchern am Gewässergrund ab. Lepidosiren laichen in selbstgegrabenen Schlammgängen und Neoceratodus an Pflanzen. Bei Lepidosiren betreiben die Männchen meist Brutpflege, sie beschützen den Laich und die aufkommenden Jungfische. Damit das ununterbrochen geschehen kann, kommen die Männchen nicht mehr zum Luftholen an die Oberfläche, sondern bleiben am Grund des Gewässers beim Laich oder den geschlüpften Larven. Da aber die Kiemenatmung allein in dieser Zeit nicht ausreichen würde, werden an den Brustflossen zahlreiche fädige Anhängsel gebildet, die als zusätzliche Atemorgane dienen. Bei der Entwicklung der Jungfische bestehen zwischen den einzelnen Gattungen Unterschiede. Neoceratodus zeigt keine Metamorphose, die geschlüpften Jungfische haben keine äußeren Kiemen und sind bereits voll ausgebildet. Bei den Gattungen Lepidosiren und Protopterus durchlaufen die Jugendstadien in ihrer Entwicklung eine Metamorphose. Die in den Schlammgängen oder -gruben geschlüpften Larven tragen bäumchenförmige äußere Kiemen und erinnern dadurch stark an Molchlarven. Später werden die Larvahnerkmale umgebildet und die Fische nehmen ihre bleibende Körperform an.

Schlammgänge werden vom südamerikanischen Kurzschwanzaal, Synbranchus marmoratus, nicht nur zur Fortpflanzung gebaut. In ihrem Schutz verlässt er das Wasser und hält sich gern an schattigen Plätzen im Wasser-Land-Grenzbereich am Ufer auf.

Neoceratodus forsteri -  (c) G. Schmida
Neoceratodus forsteri - der Australische Lungenfisch (Foto: G. Schmida)

Die Schlammgänge werden mit dem Kopf gegraben und können bei optimal homogener Bodenbeschaffenheit mehrere Meter lang und verzweigt sein. Der Fisch benutzt sie auch als Rückzugsgänge bei der Austrocknung seines Tümpels. In der Röhre stehend ist es ihm möglich, genug Feuchtigkeit gegen eine Austrocknung seiner Haut zu speichern und gleichzeitig weiterhin zu atmen. Mit dem Absinken des Wasserspiegels kriecht der Fisch immer tiefer in seine Höhle hinein, er bleibt also - im Gegensatz zu den afrikanischen Protopterus - während der Trockenperiode immer agil.

Auch der Australische Lungenfisch, Neoceratodus forsteri, verfällt in keine Trockenstarre, er sucht sich nach Möglichkeit ein Gewässer aus, das in der Trockenperiode nicht völlig austrocknet.

Selbst eine kleine Pfütze genügt ihm dann noch zum Überleben, und er ernährt sich dabei von den um ihn herum - durch das Zurückweichen des Wassers immer mehr zusammen gedrängten anderen Fischen.

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Bei Linke(i) pflegt das Weibchen

Horst Linke

Über die plakativen und sehr farbenprächtigen Zwergguramis der Gattung Parosphromenus ist schon viel geschrieben worden. Sie gehören zu den schönsten, kleinen Aquarienfischen. Sie sind als Labyrinthfische Schaumnestlaicher, die ihre Eier in einem kleinen Unterstand oder in einer kleinen Höhle zwischen Pflanzen, bei weniger hohen Aquarien meist in Bodennähe, nach dem Umschlingen der Partner abgeben. Sie werden an der Decke oder einer sich anschließenden Fläche bzw. schrägen Wand zwischen kleinen Luftblasen, dem Schaumnest, angeheftet. Nach einer bis rund drei Stunden dauernden Paarung werden sie dann anschließend rund sieben Tage bis zum Aufschwimmen der Larven nur durch das Männchen betreut und gepflegt. Soweit der normale Ablauf bei fast allen bisher bekannten Parosphromenus-Arten. Auch bei den 1990 erstmalig eingeführten und ein Jahr später von M. Kottelat als Parosphromenus linkei wissenschaftlich beschriebenen Zwerggurami ist dies der normale Fortpflanzungsablauf. Doch wieder einmal zeigt sich, dass in der Natur nichts in ein Schema passt und gewohnte Abläufe sich auch ändern können.

Parosphromenus linkei - (c) H. Linke
Parosphromenus linkei, Weibchen vor der Bruthöhle (Foto: H. Linke)

Parosphromenus linkei unterscheidet sich von den anderen Zwerggurami-Arten durch eine ausgeprägte lanzettförmige Schwarzflossenform beim Männchen, die aber auch mehr oder weniger bei weiblichen Tieren auftritt. Verschiedentlich zeigen Weibchen auch nur einen ausgezogenen, mittleren Hartstrahl in der Schwanzflosse. Als weiteres Merkmal zählt ein beiderseitiger, mittlerer Körperfleck, der verschiedentlich doppelt oder seltener sogar dreifach auftreten kann.

Die Pflege und Vermehrung dieser Prachtguramis ist nicht schwer, wenn man die wichtigsten Voraussetzungen beachtet. Wichtig für eine optimale Pflege sind weiches Wasser mit einer dGH bis 8 (besser niedriger), und einer sehr geringen Karbonathärte. Dabei sollte der pHWert um 6 liegen. Ein rund 50 Liter fassendes Aquarium mit stellenweise dichtem Pflanzenbewuchs und kleinen Höhlen am Boden ist für die Pflege ausreichend. Als Bodengrund ist eine dünne Schicht feiner Sand empfehlenswert, der bei Reinigungsarbeiten mitabgesaugt und danach gespült wieder ins Becken gegeben werden kann. Man kann aber auf Bodengrund aus Hygienegründen auch vollständig verzichten. Ein Torffilter zur Huminstoffanreicherung des Wassers ist sehr wichtig. Auch tote Blätter von Eichenbäumen sorgen als Bodendekoration für ein positives Wassermilieu. Ein derartig eingerichtetes Aquarium eignet sich auch sehr gut für die Fortpflanzung. Nur müssen dafür die Wasserwerte merklich verändert werden, d. h. dGH muss um 1, die dKH unter 1 und der pH-Wert sollte zwischen 4,2 und 4,8 liegen. Das bedeutet eine elektrische Leitfähigkeit von rund 20 uS bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 27° C.

Bei optimaler Pflege kommt es auch bald zu Paarungen und zu ersten Eiabgaben. Entgegen der Regel war aber diesmal alles anders. Meine Parosphromenus linkei hatten wieder einmal gelaicht. Dazu baute das Männchen in einer kleinen Höhle ein aus nur wenigen, kleinen Luftblasen bestehendes Schaumnest. Nach rückhaltendem Werben zeigte das Weibchen durch wippen mit dem Körper, in dem es mit dem hinterem Körperteil auf und abwippte, und den sogenannten "Sexy Eyes", schwarzen, meist senkrechten Balkenzeichnung durch die Augen, dem Männchen seine Laichbereitschaft. Das Weibchen folgte danach dem Männchen in die Höhle und durch Umschlingen der Partner wurden die Eier abgegeben und dabei gleichzeitig vom Männchen besamt. Dieser Vorgang dauerte rund 3 bis 4 Stunden. Danach war die Laichabgabe beendet und das Weibchen verließ den Laichplatz. Das Männchen übernahm danach die alleinige Betreuung des Geleges. Normalerweise darf sich danach das Weibchen der Laichhöhle nicht mehr nähern. Die Paarungen erfolgten in den Nachmittagsstunden.

Erstaunlicherweise war aber am nächsten Morgen nicht mehr das Männchen sondern das Weibchen in der Bruthöhle. Sie pflegte die Eier in dem sie von Zeit zu Zeit ein Ei ins Maul nahm, es leicht ""durchkaute" und nach wenigen Sekunden wieder ins Nest gab. Das Männchen aber war nicht mehr zu sehen, tauchte auch in Zeitabständen nicht vor der Bruthöhle auf. Die alleinige Pflege durch das Weibchen war auch am dritten Tag zu beobachten. Zu dieser Zeit schlüpften die Embryonen und hingen als noch sehr unscheinbare Larven an der Höhlendecke. Auch weiterhin pflege das Weibchen allein die Brut. Leider gab es jetzt auch eine Erklärung für das Fernbleiben des Männchens. Es erkrankte anscheinend nach der Paarung und war nicht mehr in der Lage das Gelege zu betreuen. 4 Tage später entdeckte ich das Männchen. Es war tot. Anscheinend hatte schon kurz nach der Paarung das Weibchen die durch Krankheit unzureichenden Betreuungsmöglichkeiten des Männchens bemerkt und selbst die Pflege des Geleges übernommen. Knapp 8 Tage nach der Paarung schwammen die Larven frei und verließen zögernd die Bruthöhle. Trotzdem besuchte das Weibchen noch weiterhin die Bruthöhle. Erst einige Tage später ließ der Pflegetrieb nach.

Diesen Beobachtungen zur Folge wird deutlich, dass im Notfall, also bei Ausfall des Männchens, das Weibchen die Brutpflege übernimmt und somit auch aktiv für den Schutz und das Heranwachsen der Nachkommen sorgt.

Inhaltsverzeichnis

 


Einladung zur Generalversammlung

Norbert Neugebauer
Zur Generalversammlung am 30. 04. 2006, 11:00 Uhr, im Hotel Springbachmühle in Belzig (D), lade ich ein.

Tagesordung (Stand 09. 02. 2006)

  1. Geschäftsbericht des Präsidiums
  2. Revisorenbericht
  3. Entlastung
  4. Neuwahl des Präsidenten und eines Revisors sowie Stellvertreters
  5. Anträge
  6. Sonstiges und Anfragen

Anträge sind bis spätestens vier Wochen (Datum des Poststempels) vor der Generalversammlung dem Präsidium (Geschäftsstelle oder beim Präsidenten) schriftlich einzureichen. Anträge zur Statutenänderung müssen zehn Wochen vor der Generalversammlung eingereicht werden. Mögliche Änderungen der Tagesordnung werden auf der Homepage www.igl-home.de bekannt gegeben. Derzeit liegen zwei Anträge vor, die in der nächsten Ausgabe von Der Makropode (Erscheinungsdatum voraussichtlich Ende März) veröffentlicht werden, ebenso bis dahin anstehende Änderungen der Tagesordnung.
Norbert Neugebauer
Präsident

Der Makropode - 28. Jahrg. - 3/4 2006

Inhaltsverzeichnis
1 Norbert Neugebauer Editorial 38
2 Jörg Töpfer Richard Semon, der Entwicklungsgedanke und der Australische Lungenfisch 39
2 Horst Ebert Die Gattung Trichopsis Canestrini 1860 9
3 Kenneth R. McKaye Nähreier und elterliche Fütterung der Jungen des Welses Bagrus meridioralis aus dem Malawisee, Afrika 64
4 Michael Müller IGL-Frühjahrstagung vom 28.04.2006 bis 30.04.2006 in Belzig Tagungsprogramm 68
5 Christian Kanele Berichtigung 70
6 Harald Hehl Anträge zur Änderung der Statuten der IGL 70

Die Gattung Trichopsis Canestrini 1860

Horst Ebert

Der Gattungsname bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Tiere zu der Gattung Trichogaster. Sie gehören der Familie Belontiidae und dort der Unterfamilie Macropodusinae an. Die Fische der Gattung haben den deutschen Namen Knurrende Guramis erhalten, weil die Tiere bei entsprechendem Gemütsverhalten Geräusche erzeugen, die gut hörbar sind. Alle Arten, bisher wurden drei bekannt, haben einen gestreckten Körper, einen spitzen Kopf, ein kleines vorstreckbares, schräg nach oben gerichtetes Maul. Alle Arten sind in Hinterindien und Sumatra beheimatet. Typisch ist, dass sie eine relativ kurze Rückenflosse haben und die Afterflosse lang ausgezogen ist.

Noch vor einigen Jahren waren Tiere dieser Gattung oft in Aquariengeschäften zu sehen, doch seit ca. zehn Jahren ist das kaum noch der Fall. Da es sehr interessante, pflegeleichte und auch leicht zu züchtende Tiere sind, will ich die drei Arten einmal vorstellen. Wie bei allen Labyrinthfischen gilt für die Zucht die generelle Regel: Das Weibchen nach dem Laichgeschäft aus dem Aquarium herauszufangen, weil es vom Männchen in der Nähe des Nestes nicht mehr geduldet wird. Wegen seiner intensiven Brutpflege muss auch das Männchen nach dem Freischwimmen der Brut entfernt werden, denn dann erlischt der Pflegeinstinkt und die eigene Brut wird manchmal als Futter angesehen.

Trichopsis pumila Arnold, 1936 - der Knurrende Zwerggurami

Dieser Fisch fand in all den Jahren seit seiner Ersteinfuhr 1913 stets Trichopsis pumila wenig Verbreitung. Die Ursache scheint in der geringen Produktivität und in der mühsamen Aufzucht der Bruten zu liegen. Heute, wie damals, ist er für Großzüchtereien aus diesem Grund kaum interessant, trotzdem er ein leichter Pflegling und, was Farbe und Verhalten betrifft, recht interessant ist.

Der Artname stammt aus dem lateinischen pumilus -Zwerg. Die Heimat ist Kambodscha, Thailand, die Malaiische Halbinsel und soll auch auf Sumatra nachgewiesen worden sein. Meist ist er in Sumpflandschaften und stehenden, höchstens sehr schwach fließenden Rinnsalen, z. B. Bewässerungsgräben der Reisfelder, anzutreffen.

Die Tiere werden circa 3,5 cm groß und sind sehr zierlich in ihrem Körperbau. Die Färbung ist sehr variabel, was wegen des großen Verbreitungsareals natürlich ist. Der Körper kann helloliv, blass gelblich oder grünlich grau sein. Auf dem Körper befinden sich dunkle Flecke, die sich oft zu zwei Streifen verbinden, die vom Kopf bis zur Schwanzwurzel verlaufen. Der gesamte Körper ist mit kleinen seegrünen Tüpfelchen übersät. Diese sind auch in der Rückmund Schwanzflosse zu finden. Die Flossen sind rötlich und in diesen sind grün schimmernde, glitzernde Punkte verteilt. Die relativ kurze Rückenflosse läuft spitz aus, hat oft ein gelbes Band am Flossenrand und wird mit einem dunkelroten Saum abgeschlossen. Die Schwanzflosse ist oft rund, kann aber auch mit einer Spitze auslaufen. Bauch- und Brustflossen sind transparent.

Da die Tiere in beiden Geschlechtern gleich gefärbt sind, ist das einzige Unterscheidungsmerkmal der Rücken- und die Afterflosse. Beide sind bei den Männchen wesentlich stärker ausgezogen als bei den Weibchen. Bei den Weibchen schimmern auch die Eier in der Bauchregion gelblich durch.

Die Art ist mit T. schalleri zu verwechseln. Doch ist dieser wesentlich rötlicher als T. pumilus.

Zur Pflege ist zu sagen, dass sie für ein so genanntes Gesellschaftsaquarium ungünstig sind, da sie darin scheu werden und kaum zu sehen sind. Auch ihr Verhaltensmuster zeigen sie darin nicht. Am günstigsten sind Artaquarien in denen mehrere Tiere vergesellschaftet sind. Sie sind äußerst friedlich, was aber in der Brutzeit sich völlig ändern kann. Jetzt können die Männchen recht aggressiv werden. Wenn diese die Weibchen umwerben, aber auch wenn sie gegeneinander kämpfen, stoßen sie schnarrende Töne aus, die sehr gut hörbar sind.

Sie sind recht wärmebedürftig, mindestens 25° C, besser sind 2728° C, sollten angeboten werden. Auf Temperaturschwankungen reagieren sie recht empfindlich. Je weicher das Wasser ist, desto besser, doch auch im härteren Wasser fühlen sie sich wohl. So ist bekannt, dass sie bei 19° dGH und einem pH-Wert 7 erfolgreich für Nachzucht gesorgt haben. Sie benötigen kleines Lebendfutter. Am besten eignen sich Cyclops oder kleine bis mittlere Daphnien. Trockenfutter, wenn es zerrieben wurde, wird auch genommen. Doch mit diesem Futter versorgte Tiere bekommen keinen Laichansatz.

Die Zucht ist nicht allzu schwierig. Was ist zu beachten? Ein Paar sollte in einem Aquarium von ca. 30 Liter Inhalt leben dürfen. Es muss gut bepflanzt sein. Großblättrige Cryptocorinen sind am besten geeignet. Die Schaumnester der Zwergguramis sind nicht so gut gebaut, wie bei den großen Labyrinthern. Sie werden auch meist unterhalb der Wasseroberfläche, so an Blattunterseiten von Pflanzen oder in Höhlen, gebaut. Die Temperatur ist auf 30° C zu erhöhen. Beim Laichen werden Eipakete, in denen befinden sich drei bis fünf Eier, abgegeben. Vom Männchen werden diese in das Nest befördert. Der Laichakt dauert 20-30 Minuten. Ist dieser beendet, übernimmt das Männchen die Pflege der Brut. Das Weibchen darf sich höchstens 10 cm dem Nest nähern. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Larven zwischen 22 und 30 Stunden. Achtung! Nach dem Schlupf der Larven erlischt der Brutpflegeinstinkt des Männchens. Es ist deshalb zu entfernen. Die Jungfische hängen mit ihren am Kopf befindlichen Klebefäden an dem Ablaichplatz. Nach dem Schlupf ist die Wasseroberfläche auf 10 cm abzusenken und vier bis fünf Wochen so niedrig zu halten. Erst wenn sich das Labyrinth vollständig ausgebildet hat, kann dieser erhöht werden. Nach vier bis fünf Tagen schwimmen die Jungfische frei, haben ihren Dottersack aufgebraucht und müssen mit Infusorien angefüttert werden. Wenn sie ausreichend ernährt werden, bewältigen sie nach ca. 1 Woche Nauplien von Cyclops oder Artemia. Ab diesem Zeitpunkt ist ihr Wachstum schnell und nach ca. drei Wochen haben sie eine Größe von ca. 3 cm erreicht. Von einem Zuchtansatz können bis 100 Jungfische erzielt werden.

Trichopsis schalleri Ladiges, 1962 - Schallers Zwerggurami

Die Art wurde nach dem Erstimporteur D. Schaller benannt. Sie ist in einem relativ eng begrenzten Gebiet nordöstlich von Bangkok in Thailand und in Süd-Laos beheimatet.

Die Tiere ähneln sehr der vorgenannten Art und unterscheiden sich nur dadurch, dass ihre Schnauze stumpfer ist. Sie soll auch Ähnlichkeiten mit T. vittata aufweisen. Sie erreichen eine Größe von 4,5 cm. Mitunter in der Literatur auftretende Größenangaben von bis 6 cm erscheinen unglaubwürdig. Die Nackenlinie ist bei dieser Art nicht sattelförmig eingezogen.

Die Art ist farbiger als T. pumila. Der Körper ist bräunlich und grün glänzend. Zwei dunkel- bis kastanienbraune Längsstreifen ziehen sich von den Augen bis zur Schwanzwurzel hin. Der obere Streifen wird von grün schillernden Schuppen unterbrochen, bei einigen Individuen können auch beide Streifen von diesen Schuppen eingefasst sein.

Die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind rötlich, haben bläuliche Tupfen und einen roten oder blauen Saum. Die Schwanzflosse hat mehrere kurz auslaufende Zipfel. Auch der Mittelstrahl der Afterflosse kann spitz ausgezogen sein.

Die Iris ist leuchtend grün. Die Geschlechter sind farblich auch von ihren Flossen schwer zu unterscheiden. Das sicherste Zeichen ist, dass die Weibchen zur Laichzeit einen volleren Bauch haben und die dort vorhandenen Eier durchschimmern.

Die Art baut ein kleines Schaumnest, was in der Regel weit unter der Wasseroberfläche zwischen Pflanzen liegt. Sonst ist die Pflege und Zucht ebenso wie bei der vorgenannten Art.

Trichopsis vittata (Cuvier & Valenciennes, 1831) - der Knurrender Gurami

Der Artname bedeutet gebändert. Die Heimat der Art ist Hinterindien, die Malaiische Halbinsel und Indonesien. Sie wird gegenüber den vorgenannten Arten mit 8 cm relativ groß.

Diese Art hat eine gelbliche bis bräunliche Körperfarbe, der Rücken ist dunkler und die Bauchregion gelblich weiß. Die Körperseiten haben bei auffallendem Licht einen bläulich weißen Glanz. Auf dem Körper befinden sich zwei bis vier mehr oder weniger deutliche dunkelbraune bis schwarze Längsstreifen, die durch grün schillernde Schuppen unterbrochen werden. Die Iris der Augen ist grün.

Die Flossen haben alle eine gelbliche Grundfarbe mit einem rötlichen, violetten oder bräunlichen Schimmer und sind mit roten und grünen Punkten versehen. Bei einigen Exemplaren kann die Schwanzflosse blaugrün gesäumt sein.

Die Geschlechter sind ebenfalls schwer zu unterscheiden. Bei den Weibchen sind Rücken- und Afterflosse weniger ausgezogen und deren Bauch ist heller und die Eierstöcke schimmern durch.

Die Pflege und Zucht dieser Art ist wie beiT. pumila genannt. Wenn sie in einem Aquarium allein gepflegt werden, sind die Tiere recht schwimmfreudig.

Literatur

Frey, H. 1976. Das grosse Lexikon der Aquaristik. Leipzig, Radebeul.
Koch, E. 1955. Pflege und Zucht des knurrenden Zwerg-Gurami, Trichopsis pumilus Arnold. Aquarien und Terrarien. 2: 72-74.
Richter, H.-J. 1967. Haltung und Zucht des Knurrenden Zwerggurami, Trichopsis vittatus. Aquarien und Terrarien. 14: 130-131.
Schaefer, C. & Schröer, T. (Hrsg.) 2004. Das grosse Lexikon der Aquaristik. Band 2. Stuttgart
Schwabe, R. 1967. Lautäusserungen bei Trichopsis vittatus. Aquarien und Terrarien. 14: 210.
Sterba, G. 1987. Süsswasserfisch der Welt. Leipzig, Jena, Berlin.

Inhaltsverzeichnis

 


Der Makropode - 28. Jahrg. - 5/6 2006

Inhaltsverzeichnis
1 Otto Tempel Editorial 78
2 Stefan van der Voort Betta pi, Tan 1998 - eine sehr interessante und farbenfrohere Art der großen Kampffische, die bisher so nicht bekannt war 79
3 Hans-Joachim Paepke Dr. Martin Kreyenberg und die chinesischen Makropoden 85
4 Horst Ebert Makropoden 90
5 Jörg Töpfer Vietnam, Wolkenpass und Schwarze Makropoden 96
6 Harald Hehl Zu Besuch bei den Waldbachblüten 99
7 Jürgen Schmidt Literaturdienst 101
8 Uwe Konrad Die IGL-Tagung in Ruhmannsfelden vom 30. 09. - 03. 10. 2005 106
8 Peter Wellner Einladung zur Herbsttagung der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische 2006 107

Betta pi, Tan 1998 - eine sehr interessante und farbenfrohere Art der großen Kampffische, die bisher so nicht bekannt war

Von Stefan van der Voort (Übersetzung Thomas Seehaus)


Makropoden

Horst Ebert

Die Zierfischgattungen, die unter diesem Sammelbegriff zusammengefasst werden, gehören der Familie Osphronemidae und dort der Unterfamilie Macropodusinae an. Die Gattungen dieser Unterfamilie sind ausschließlich im süd- bis ostasiatischen Raum beheimatet, hauptsächlich im tropischen Sektor vorkommend. Einige Arten dringen in die gemäßigten Klimazonen vor.

Die den Aquarianern bekannteste Art der Makropoden ist der Paradiesfisch Macropodus opercularis, welcher 1869 als erster exotischer Fisch nach Europa kam. Auf ihn wird im weiteren noch näher eingegangen. Seitdem hat er die Aquaristik zu keiner Zeit verlassen, obwohl erst nach dem II. Weltkrieg Neuimporte stattfanden und so eine Blutauffrischung erfolgte.

Es ist überliefert, dass der in China von 1868-1869 amtierende französische Konsul Simon dem Offizier Gerault des Schiffes Imperatrice ca. 100 Tiere dieser Art übergab, um sie nach Frankreich zu bringen. Davon kamen 22 Tiere lebend an. Von diesen wurden 17 Exemplare, 12 Männchen und 5 Weibchen, dem damals bekannten Züchter Cabonnier übergeben. Ihm gelang es nicht nur die Tiere am Leben zu erhalten, sondern von ihnen reichlich Nachzuchten zu erzielen. Im Jahre 1871 sollen bei ihm, einem Museumsmitarbeiter, bereits 600 Paare gelebt haben. Die Fa. Sasse stellte ein Paar der Art 1874 als erste in einer Ausstellung des Vereins "Aegintha" in Berlin dem Publikum vor. Doch damit wurde in Deutschland der Siegeszug dieser Fische noch nicht eingeleitet. Denn für ein Paar wollte man 50,00 Mark haben, eine Schiffsreise von Hamburg nach New York kostete im Vergleich 105,00 Mark. Für einen guten Facharbeiter waren 50,00 Mark die Hälfte des Monatsverdienstes.

Der Geschichte sei nun genug getan. Denn bei den Makropoden hat sich in den Jahren doch viel getan. Neue Arten, die mitunter noch viel interessanter für die Aquaristik sind, wurden entdeckt. Doch leider ist im Zoohandel kaum eine Art zu finden. Mitunter, und das ist auch schon eine Seltenheit, findet man M. opercularis. In den so genannten Aquarien, die in Wirklichkeit nur Hälterungsbecken sind und dem Verkauf von Fischen dienen, zeigen selbst relativ große Exemplare keine Farbe und werden vom Käufer nicht beachtet und bringen somit für den Händler auch keinen Gewinn.

In der Unterfamilie Macropodinae werden heute die Gattungen Macropodus Lacépède, 1802, die Paradiesfische oder Makropoden, MalpulattaDeraniyagala, 1937 und Pseudosphromenus Bleeker , 1879, vereinigt. Es sei gesagt, dass alle Tiere dieser Gattungen Schaumnester bauen.

Die Gattung Macropodus Lacépède, 1802 - die Gabelschwanzmakropoden

Es ist die Gattung dieser Unterfamilie, die als einzige so genannte Schwimmeier produziert, also deren Eier leichter als das Wasser sind. Der wissenschaftliche Name setzt sich aus dem griechischen "makos" = groß und "produ"s = Fuß zusammen. Die Silbe produs ist auf die Flossen der Tiere bezogen und könnte mit Großfuß oder Großflosser übersetzt werden.

Macropodus erythropterus Freyhof & Herder, 2002 - der Rotrückenmakropode

Der Artname setzt sich aus "erythro" = rot und "pteron" = Flügel oder Flossen zusammen. Diese Art stammt aus der vietnamesischen Provinz Quang Tri. Sie lebt dort in klaren Bergbächen um Dong Hoi.

Der Körperbau ist wie bei allen Arten der Gattung walzenförmig und länglich. Die Tiere dieser Art können im männlichen Geschlecht 13 cm und im weiblichen 10 cm Länge erreichen. Beide Geschlechter haben eine blaugrüne Körperfarbe und eine rote bis rotbraune Rückenpartie. Die unpaaren Flossen zeigen membranenförmige blaue Zeichnungen auf denen rote Punkte oder kleine Striche vorhanden sind. Der erste Strahl der Bauchflossen ist kräftig rot gefärbt.

Zur Pflege und Zucht eignet sich Wasser von maximal 15° dGH, 22-26° C und einem pH-Wert von 6,5-7. Zur Zucht sollte die Temperatur um 1-2° C angehoben werden. Die Aquarien dürfen nicht zu klein bemessen und müssen gut bepflanzt sein sowie genügend Versteckmöglichkeiten haben. Eine Vergesellschaftung ist schwer möglich, weil die Tiere recht aggressiv sind, was sich während der Brutpflege beim Männchen sehr unangenehm steigern kann. Deshalb ist das Weibchen nach Beendigung des Laichgeschäftes schnellstens aus dem Aquarium zu entfernen.

Macropodus hongkongensis Freyhof & Herder, 2002 - der Hongkong-Makropode

Eine ebenfalls noch recht unbekannte Art, deren Artname sich auf seinen Fundort bezieht. Er wurde auf dem Festlandteil von Hongkong im Gebiet Tai Po in ruhigen Bereichen von Gebirgsbächen gefunden. Auch im Tiefland konnte die Art nachgewiesen werden.

Die Männchen werden bis zu 10 cm und die Weibchen bis 8 cm groß. Auf dem Körper sind sie lehmfarben bis grau. Alle Schuppen zeigen einen dunklen Fleck, wodurch auf dem Körper Linien entstehen. Die Bauchflossen sind gelblich.

Die Pflege muss in einem Wasser von unter 15° dGH, bei 20-24° C und einem pH-Wert von 6,5-7 erfolgen.

Wie auch die vorgenannte Art ist diese sehr aggressiv, weshalb in zu kleinen Aquarien Todesfälle keine Seltenheit sind.

Macropodus ocellatus Cantor, 1842 - der Rundschwanz-Makropode

Der Artname bedeutet: Mit einem Augenfleck. Die in der Aquaristik kaum verbreitete Art hat ihre Heimat im östlichen China bis Korea und bewohnt Gewässer unterschiedlichster Art. In fließenden Gewässern werden ausgespülte Buchten bewohnt, aber auch Reisfelder und Kleinstgewässer sind Biotope, in der Tiere dieser Art gefunden wurden.

Die Tiere werden maximal 6,5 cm groß. Ihr Körperbau ist nur mäßig gestreckt, seitlich abgeflacht, aber der Rücken recht hoch. Das oberständige Maul ist sehr klein und hat wulstige Lippen. Die Tiere zeigen eine gelblich braune Farbe und auf dem Körper sind dunkle, unregelmäßig angeordnete Querbinden zu sehen. Ein dunkler Fleck befindet sich auf dem Kiemendeckel. Die Flossen zeigen eine bläuliche Farbe mit einer dunklen Tüpfelung. Die After- und Rückenflosse sind ausgezogen, die Schwanzflosse abgerundet. Interessant ist, dass die Weibchen in Laichstimmung sich hellgelb einfärben.

Die Pflege sollte bei 18-22° C erfolgen. Zur Zucht sind 20-24° C erforderlich. Die Art ist gegenüber Temperaturabkühlungen äußerst widerstandsfähig. Bei allmählicher Abkühlung können die Tiere bei 1° C problemlos überleben. Deshalb stellen sie auch an den Pfleger einige ungewöhnliche Ansprüche. So sollte ab Oktober die Überwinterung eingleitet werden. In dieser Zeit sollte das Wasser nur 10-15° C betragen und das Aquarium nur Dämmerlicht bekommen. Doch ist den Tieren in dieser Zeit Lebendfutter anzubieten. Auch sollte in Abständen von ca. drei Wochen ein Teilwasserwechsel erfolgen. Ab März kann die Temperatur wieder ansteigen und bei Fütterung mit Lebendfutter sind sie in ca. vier Wochen in Laichstimmung. Achtung! Bei längerer Haltung von über 25° C aufwärts tritt Tbc auf.

Macropodus opercularis (Linnaeus, 1758) - Großflosser, Paradiesfisch, Gabelschwanz-Makropode

Der Artnahme bedeutet: Deckel und bezieht sich auf den markanten Opercularfleck auf dem Kiemendeckel.

Die Art hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Sie wird in flachen, stehenden und langsam fließenden Gewässern in Korea, China, Vietnam und Taiwan gefunden. Die nördlichsten Fundorte sollen nahe des Amur bekannt sein. Durch Menschenhand wurden Tiere dieser Art in Gegenden ausgesetzt, wo diese von Natur aus nicht verbreitet sind und so eine Faunenverfälschung eintrat. Denn heute werden Tiere auf der japanischen Insel Okinawa ebenso gefunden wie in Singapur, Sumatra, Madagaskar, Kolumbien und Florida.

Die männlichen Tiere werden 12 cm groß, die weiblichen bleiben etwas kleiner. Sie haben einen gestreckten kräftigen Körper, sind hochrückig und seitlich deutlich abgeflacht. In Aquarien erreichen sie meist nur eine Größe von 8 cm oder bleiben noch etwas kleiner. Mit 5-6 cm sind sie bereits zuchtfähig. M. opercularis zählt zu den schönsten und anspruchslosesten Zierfischen.

Macropodus opercularis - (Foto: Dr. J. Schmidt)
Macropodus opercularis - (Foto: Dr. J. Schmidt)

Die Körpergrundfarbe kann bräunlich, grünlich grau oder grau sein. Oft stimmungsabhängig. Auf dem Kiemendeckel ist ein länglicher dunkelbrauner bis schwärzlicher Fleck vorhanden, der bei auffallendem Licht grünlich schimmert. Der Fleck ist orangefarben bis ziegelrot eingefasst. Blaugrüne und leuchtend kaminrote Querbinden schmücken den Körper. Während der Balz schimmert der Körper blaugrün, die Kehle und die Bauchregion färbt sich blau bis samtschwarz ein und die Querstreifen werden deutlich rot. Im Jahre 1959 zeigte der Zoo Dresden eine albinotische Form. Statt der roten Farben hatten diese Tiere gelbe Farben. Seit 1987 soll es eine blaue Zuchtform geben.

In der Originalform sind die Flossen der Tiere eine Pracht. Die unpaaren Flossen der Männchen sind lang ausgezogen und enden in Fäden. Diese der Rücken- und Afterflosse können bis zur Mitte der Schwanzflosse reichen. Die oberen und unteren Strahlen der Schwanzflosse sind ebenfalls stark verlängert. Alle Flossen haben eine rote oder rotbraune Farbe und sind mit dunklen und hellen Tüpfeln versehen. Rücken- und Afterflosse sind weiß gesäumt. Die lebhaft roten Bauchflossen zeigen weiße Spitzen. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Nur sind die Flossen der Weibchen nicht so lang ausgezogen und die Farben nicht so intensiv.

Die Pflege der Fische ist problemlos. Es sind gierige Fresser. Sie nehmen Lebend- und Trockenfutter an. Nicht zuviel Futter geben, da sonst leicht Leberverfettung eintritt. Sie fühlen sich bei 15-20° C noch recht wohl, bei 30° C zeigen sie erst die volle Farbenpracht. Für die Zucht sollten 25-26° C und einem pH-Wert von 7 angeboten werden. Die Aquarien sollten eine gute Bepflanzung haben und Schwimmpflanzen sind eine Voraussetzung, dass die Männchen ein Schaumnest bauen können. Eine Bewegung der Wasseroberfläche wollen die Fische nicht haben. Nach dem Laichakt ist das Weibchen aus dem Zuchtaquarium zu entfernen, da es vom Männchen in der Nähe des Nestes nicht mehr geduldet wird und das Aquarium wird nicht so groß sein, dass die Fluchtdistanz groß genug ist. Hierfür müsste schon eine Kantenlänge von 3 m und mehr zur Verfügung stehen. Wenn die Jungfische nach 30 bis 40 Stunden geschlüpft sind, ist auch das Männchen herauszufangen. Sobald die Jungen frei schwimmen, sind sie mit Infusorien anzufüttern.

Macropodus spechti Schreitmüller, 1936 - der Schwarze Makropode

Der Artname nach dem Kölner Aquarianer Specht, der die Tiere erstmalig nach Deutschland brachte. Viele Jahre war diese Art unter der Bezeichnung M. concolor bekannt.

Macropodus spechti - (Foto: H.-J. Richter)
Macropodus spechti - (Foto: H.-J. Richter)

Die Heimat der Art ist das zentrale Vietnam und ist dort hauptsächlich in den Bächen der Bergregionen zu finden. Die im männlichen Geschlecht bis 13 cm und im weiblichen ca. 9 cm groß werdenden Tiere. Beide Geschlechter werden in der Balzzeit fast schwarz und sind ohne jegliche Zeichnung. Auch haben beide Geschlechter lang ausgezogene After- und Rückenflossen und auch die Schwanzflosse ist oben und unten verlängert. Beim Männchen sind die Flossenverlängerungen größer als beim Weibchen. Die Bauchflossen sind orangerot und haben einen weißlichen Saum.

Die Aquarien sollten gut bepflanzt sein, damit die Tiere ihre Scheu ablegen und die Wassertemperatur soll um die 28° C betragen.

Zu bemerken ist, dass die Art nicht mit M. opercularis vergesellschaftet werden darf, denn beide Arten kreuzen sich und die Nachkommen sind nicht steril. So könnten sind Mischlinge in der Aquaristik verbreiten, und das macht keinen Sinn.

Die Spitzschwanzmakropoden

Neben der schon beschriebenen Gattung Macropodus gehören zu dieser Unterfamilie auch noch zwei weitere Gattungen, die als Spitzschwanzmakropoden in der Aquaristik bekannt wurden. Doch bevor ich die Gattung mit ihren Arten vorstelle, möchte ich deren Gemeinsamkeiten nennen.

So sind diese Arten im Zoohandel noch seltener zu sehen, als ihre größeren Verwandten. Im Verkaufsbecken beim Händler sind sie so genannte graue Mäuse und kein Interessent kauft ein Tier. Doch wer sich in der Literatur schlau gemacht hat, weiss, wie farbenprächtig die Tiere sind, wenn sie sich wohl fühlen.

Zur Pflege eines Paares reicht ein Aquarium mit 50 l Fassungsvermögen. Dieses sollte mit Pflanzen reich bestückt sein und genügend Versteckplätze haben. Das Wasser sollte den dGH-Wert von 7° nicht überschreiten und 24 -26° C haben. Der pH-Wert sollte um 7 liegen. Die Tiere lieben abwechslungsreiches Futter, insbesondere schwarze und weiße Mückenlarven, aber auch Trockenfutter wird nicht verschmäht. Das Aquarium muss gut abgedeckt werden, denn alle Arten sind exzellente Springer.

Da auch sie Schaumnester bauen, ist in dem Aquarium, in dem sie laichen sollen, auf Schwimmpflanzen nicht zu verzichten. Ein Bodengrund ist aber dort überflüssig. Trotzdem müssen Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, denn während des Baus des Nestes duldet das Männchen das Weibchen nicht in der Nähe der Baustelle. Da die Eier schwerer als Wasser sind, müssen sie nach jedem Laichakt, der stets unter dem Nest erfolgt, eingesammelt und ins Nest gespuckt werden. Dabei hilft das Weibchen meist mit.

Die Jungen schlüpfen nach ca. 24 Stunden und nach zwei bis drei Tagen ist deren Dottersack aufgebraucht und sie müssen mit Infusorien oder feinst zerriebenen Trockenfutter angefüttert werden. Die Elterntiere sind, wenn die Jungen geschlüpft sind, aus dem Zuchtaquarium zu entfernen.

Gattung Pseudosphromenus Bleeker, 1879

Der Gattungsname setzt sich aus "pseudo" = falsch und "osphrainomai" = riechen oder wittern zusammen. Die Gattung besteht aus zwei Arten. Diese leben in stehenden und langsam fließenden Gewässern mit stets niedrigem Wasserstand. Sie haben eine sehr versteckte Lebensweise.

Pseudosphromenus cupanus (Cuvierin Cuvier & Valenciennes, 1831) - Der Schwarze Spitzschwanzmakropode

Der Artname wurde nach einem Küstenfluss südlich von Madras gewählt. Die Heimat der Tiere ist das südliche Indien bis Sri Lanka. Sie leben vorwiegend in verkrauteten Gewässern. Die Art ist auf das ihnen zur Verfügung stehende Milieu sehr anpassungsfähig. So sollen Tiere schon im Brackwasser gefunden worden sein. Hauptsächlich leben sie in kleinen Gewässern, in stehenden oder langsam fließenden. Die 6 bis 6,5 cm groß werdenden Tiere, die Weibchen bleiben kleiner, sind recht schwimmfreudig und sind für Gesellschaftsaquarien geeignet.

Pseudosphromenus cupanus (c): H. Linke
Pseudosphromenus cupanus (Cuvierin Cuvier & Valenciennes, 1831)- (Foto: H. Linke)

Ihr walzenförmiger Körper ist gestreckt und seitlich etwas abgeflacht. Die Grundfarbe beider Geschlechter ist hellbraun. Ein grüner Glanz überzieht den Körper. Die Flossen sind hellgrau. After- und Schwanzflossen haben einen roten Saum, der hellbraun eingefasst ist. Die Schwanzflosse der Männchen ist pinselartig verlängert und deren Bauchflossen sind rot mit weißen Spitzen. Die Geschlechter sind nicht leicht zu unterscheiden. Die Männchen zeigen mehr rot und die Schwanzflosse ist spitzer ausgezogen. Die Weibchen werden bei Erregung fast schwarz. Beide Geschlechter haben auf dem Schwanzstiel einen dunklen Fleck.

Auch wenn sich die Art für eine Vergesellschaftung eignet, werden ihre Verhaltensweisen im Artaquarium erst richtig ausgeprägt.

In jedem Falle sollte das Aquarium gut bepflanzt sein und Versteckmöglichkeiten, am liebsten haben die Tiere Höhlen, bieten. Für ein Paar reichen 30-40 Liter völlig aus. An die Wasserqualität werden keine großen Ansprüche gestellt. Für die Pflege reichen 18-20° C völlig aus. Will man sie zum Laichen anregen, muss die Temperatur auf 25-28° C erhöht werden. Die Männchen bauen kleine, liederliche Schaumnester, oft in einer Höhle. Da die Eier schwerer als Wasser sind, fallen sie zu Boden und werden von beiden Elterntieren aufgesammelt und ins Nest gespuckt. Es kommt auch vor, dass ein zweites Nest angelegt und der Laich in dieses umgebettet wird. Beide Elterntiere betreiben Brutpflege und sind darin recht gut und zuverlässig. Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen die Jungfische und sobald sie den Nestraum verlassen und frei schwimmen, müssen die Alttiere entfernt werden. Denn dann erlischt ihr Pflegeinstinkt und die Brut wird für sie Futter. Angefüttert müssen die Jungen mit Infusorien werden. Bei einem guten Zuchterfolg kann man ca. 300 Jungtiere haben.

Pseudosphromenus dayi (Köhler, 1908) - der Rote oder Gestreifte Spitzschwanzmakropode

Der Artname wurde zu Ehren des englischen Ichthyologen F. Day vergeben.

Leider galt die Art 1969 in Deutschland schon als nicht mehr im Hobby existent. Es ist zu hoffen, dass durch Neuimporte die Art wieder vorhanden ist, denn sie ist in ihrem Aussehen sehr attraktiv.

Der Körper ist gestreckt und relativ schlank. Die Bewegungen sind äußerst geschmeidig. Ihre Heimatbiotope befinden sich im südlichen Indien, Sri Lanka, im Süden Vietnams (?) und auf der Insel Way. Diese Gebiete haben ein warmes Klima, so sind auch die Fische wärmeliebend.

Für die Pflege und Zucht müssen 22-30° C angeboten werden. Die Einrichtung des Aquariums ist so zu gestalten, wie bei der vorgenannten Art beschrieben. Auch das Zucht- und Brutverhalten ist analog.

Pseudosphromenus dayi (c): H. Linke
Pseudosphromenus dayi (Köhler, 1908) - (Foto: H. Linke)

Die Tiere werden 7 cm groß. Die Grundfarbe ist braun, zum Rücken dunkler werdend. Auf dem Kopf sind zarte bläuliche Punkte verteilt. Die Kehle, Brust und die Bauchregion können rotbraun bis kräftig rot gefärbt sein. Die Flossen sind populationsbedingt unterschiedlich gefärbt. So können die unpaaren Flossen bläulich oder rot, die Flossensäume bläulich weiß oder leuchtend grün sein. Die mittleren Strahlen der Schwanzflosse sind stark verlängert und blauschwarz oder völlig schwarz. An der Basis und die Mitte dieser Flosse ist leuchtend rot. After- und Rückenflosse sind lang ausgezogen. Auch die Bauchflossen haben verlängerte weißliche Strahlen. Die Weibchen sind farblich schlichter und die Rücken- und Afterflosse sind abgerundet.

Gattung Malpulutta Deraniyagala, 1937

Die Gattung bedeutet auf singhalesisch Blume.

Vom Gattungsbeschreiber wurden die Tiere als Spitzschwanzguramis bezeichnet, doch später zu den Spitzschwanzmakropoden gestellt.

Malpulutta kretseri Deraniyagala, 1937 - Marmor-Spitzschwanzmakropode

Diese einzige Art der Gattung lebt endemisch in Sri Lanka. Der Artname wurde zu Ehren des Entdeckers de Kretser vergeben. In der Heimat lebt die Art in Tümpeln, Bächen und Bewässerungsgräben. Stets ist sie selten anzutreffen.

Malpulutta kretseri (c): J. Schmidt
Pseudosphromenus dayi Deraniyagala, 1937 - (Foto: J. Schmidt)

Die Männchen erreichen eine Länge von 9 cm, davon sind 3,5 cm Schwanzflosse. Die Weibchen erreichen eine Größe von 5 cm. Die Körperfarbe ist rotbraun und beim Männchen sind unregelmäßig verteilte Flecken darauf. Die unpaaren Flossen sind rot mit hellblauen Flecken versehen, die Bauchflossen zeigen eine leuchtend weiße Farbe. Bei den Männchen sind die beiden mittleren Schwanzflossenstrahlen sowie die letzten Strahlen der Rückenflosse stark verlängert.

Die Tiere benötigen keine großen Aquarien, doch müssen sie gut bepflanzt und abgedeckt sein. Ein Wasserwechsel sollte zwei mal wöchentlich erfolgen. Das Wasser sollte folgende Werte haben: 26-28° C, 6,1-6,6 pH und höchstens 4° dGH.

Für die Vergesellschaftung mit anderen Arten eignen sich die Fische nicht. Die Tiere bauen ihre Schaumnester gern in Höhlen. Darauf muss bei der Einrichtung des Aquariums geachtet werden. Die Art ist nicht sehr produktiv. Bei 27° C schlüpfen die Jungfische nach zwei bis drei Tagen, sie wachsen sehr schnell, doch Verluste von 50% der Aufzucht sind die Regel. Ansonsten gelten die gleichen Zuchtregeln wie bei der Gattung Macropodus

Literatur

Dieke, M. 2004. Spitzschwanz-Makropoden. Das Aquarium, 38(10): 22-24.
Frey, H. 1976. Lexikon der Aquaristik. Leipzig/Radebeul.
Paepke, H.-J. 1969. Ein Zierfisch mit hundertjähriger Geschichte. Aquarien-Terrarien, 16: 150-153.
Paepke, H.-J. 1987. Mattes Paradiesfisch - eine entschleierte Legende. Aquarien-Terrarien, 34: 264-268.
Paepke, H.-J. 1994. Die Paradiesfische. NBB Bd. 616, Magdeburg.
Paetzel, T. 1987. Baut ein Schaumnest gern in Höhlen - der Rote Spitzschwanzmakropode. Aquarien-Terrarien, 34: 229-230.
Richter, H.-J. 1969. Der Rote Spitzschwanz-Makropode. Aquarien-Terrarien, 16: 81-83.
Richter, H.-J. 1982. Der Spitzschwanzmakropode Pseudosphromenus cupanus Aquarien-Terrarien, 29: 56-57.
Schaefer, C. & Schröder, T. (Hrsg.) 2004. Das große Lexikon der Aquaristik. Stuttgart.
Seehaus, T.2000. Paradiesfische - bunte Farben, prächtige Flossen. Aquarium live, 4(5): 20-28.
Stallknecht, H. 1966. Macropodus cupanus cupanus (Cuvier & Valenciennes, 1831). Aquarien-Terrarien, 13: 222-225.
Sterba, G. 1987. Süßwasserfische der Welt. Leipzig/Jena/Berlin.
Teichfischer, B. 1965. Albino-Makropoden. Aquarien-Terrarien, 12: 6-7.

Inhaltsverzeichnis


Literaturdienst

Jürgen Schmidt

Deutschsprachige Labyrinthfischliteratur

Januar 2006

Bela, H. 2006. Der Paradiesfisch - Macropodus opercularis. at info 24(1): Titel, 13-15.
Wiederholung des umfassend illustrierten und dem einmal etwas anderen Artikels aus Der Makropode 7/8-2003; immer wieder lesens- und vor allem betrachtenswert, mit 13 s/w- und einem Farbfoto (U1).
Dieke, H. 2006. Betta simplex. VDA aktuell 12(1).
Ein tolles Farbfoto im in der Mitte eingehefteten Kalenderteil.
Donoso-Büchner, R. 2006. Siamesische Kampffische pflegen. Amazonas 2(1): Nr. 3, 28-34.
Pflege und Zucht von Betta splendens werden anschaulich erläutert. Der gute Text ist leider mit Fotos von "Normal-Kampffischen" ausgestattet, obwohl die anderen Artikel im Heft zeigen, dass auch Fotos der interessanten neuen Formen vorhanden sind, einige Fotos von Wildformen sind recht interessant; mit einem Biotopfoto vom Verfasser und 11 weiteren Farbfotos von H.-G. Evers (7), B. Kahl (1) und M. Kokoscha (3).
Evers, H.-G. 2006. Liebe Leser. Amazonas 2(1): Nr. 3, Titel, 2.
Im Editorial erfährt der Leser, dass es das Kampffisch-Titelthema gibt - mehr nicht. Etwas skurril mutet der Betta vom Titelbild (ein schöner Betta vom Verfasser) neben dem Namen der Zeitschrift an; Hauptsache, es gefällt.
Kokoscha, M. 2006. 1st Singapore international Betta competition - Aquarama 2006. Amazonas 2(1): Nr. 3, 40-42.
Keine Zeitschrift lässt dieses Thema aus, auch wenn es hier ein wenig verspätet auftaucht, entschädigen die 16 Farbfotos von I. Seidel, die teilweise ausgezeichnete Fische zeigen, für den mageren Text. Schade nur, dass kaum einer der Fische komplett abgebildet ist.
Lamboij, A. 2006. Liebe Leserin, lieber Leser. aqua-terra austria, Wien 1(1): 1.
Editorial zu einer neuen "Monatsschrift des Österreichischen Verbandes für Vivaristik und Ökologie" als Zusammenschluss zweier Vorgänger. Das erste Heft leider ohne Labyrinther und "Allierte" - wir dürfen uns auf weitere Hefte freuen.
Mahnert, V. 2006. Die Gläsernen. Weiße Mückenlarven. Aquaristik 14(1): 60-62.
Artikel zu Futtertieren mit zahlreichen Farbfotos, darunter ein schönes, das einen Betta splendens-Jungfisch zeigt (S. 62). Der Bildtext: "Vor allem auf die heiklen Fresser unter den Fischen, wirkt Lebendfutter unwiderstehlich" bedarf beim im Bild dokumentierten dicken Bauch des Fisches keines weiteren Kommentars.
Leider wird uns mit der kommentarlosen Namensänderung der Zeitschrift fortan wohl auch die Jahrgangsnummer vorenthalten werden. Ob große Buchstaben und weite Zeilenabstände wirklich sinnvoll zur Füllung des Hefts beitragen?
Seehaus, T. 2006. Makropoden. Teil 2: Die Haltung im Freiland. Aquaristik 14(1): 54-58.
Fortführung des Artikel, mit 8 sehr guten Farbfotos vom Verfasser, nun auch mit den im ersten Teil vermissten Bildern von M. concolor und M. erythropterus. M. ocellatus hat beim Verfasser sogar im Teich überwintert. Auch die IGL-Internetadresse ist beim Artikel genannt.
Seidel, I. 2006. Thailändische Schleierkampffische maschinell am Fließband verpackt. Amazonas 2(1): Nr. 3, 35-37.
Auch mal ein interessantes Thema; mit 7 Farbfotos vom Verfasser.
Seidel, I. 2006. Extensive Kampffischzucht in Vietnam. Amazonas 2(1): Nr. 3, 38-39.
Interessant sind vor allem gelochte Plastikbecher in großen Aquarien, in denen die Betta splendens heran wachsen müssen; mit 6 Farbfotos vom Verfasser.
Siebold, U. & Red. [F. Bitter] 2006. Leserbriefe. Informationen über Betta unimaculata. Aquaristik 14(1): 78.
Der Leserbrief mit der Frage zur Vergesellschaftung mit kleinen Lebendgebärenden wird angemessen kritisch beantwortet. Mit einem interessanten, "imponierenden" Farbfoto von F. Bitter, das Betta unimaculata zeigt.

Februar 2006

Beyer, P. 2006. Das Calcium und die "Weichwasserfische". Datz 59(2): 63-67.
Eine interessante und endlich mal nachvollziehbare Darstellung der chemischen Zusammenhänge - auch für viele unserer Labyrinther und "assoziierten" Fische relevant! Der umfassende Text ist mit 10 Farbfotos sowie Grafiken und Tabellen illustriert, darunter je ein sehr schönes Foto von Betta burdigala und Parosphromenus sumatranus, erstellt von Ingo Koslowski. In Text und Tabelle sind weitere Labyrinther beispielhaft vertreten.
Hieronimus,H. 2006. Aqua News. Ausgesetzte Riesenguramis gefährden die Fischwelt in entlegensten Bereichen. Aquarium live 10(1): 60-61.
Kommentar zum Aussetzen von Osphronemus goramy in anderen Habitaten; mit einem Farbfoto vom Verfasser und einem weiteren Portrait des Fischs vom Chronisten (Foto u. l., beim Bild nicht erwähnt).
Kucharkowski, S. & Schmidt, J. 2006. Leserbriefe. Paradiesfische auf dem Balkon. Aquarium live 10(1): 7.
Frage und Antwort, mit einem Farbfoto, das Macropodus opercularis unter dem Schaumnest zeigt, vom Chronisten.
Linke, H. 2006. Betta pallida. Ein neuer Kampffisch aus Süd-Thailand. Aquarium live 10(1): 3, 12-19.
Bildgewaltiger Artikel mit Biotopbeschreibungen zum Vorkommen der neuen Art auf Ko Samui; mit 15 Farbfotos vom Verfasser, ergänzt durch je ein Foto von I. Schindler und vom Chronisten.
Red. [Hieronimus, H.] 2006. Lebe Wohl, "Das Aquarium". Zeitschrift für aquaristische Literatur 7(2): 26.
"Nachruf" zur Zeitschrift mit Farb-Repros des ersten und des letzten Titelbildes, ersteres zeigt einen Schleier-Betta (S. 26, Wiederholung auf der Titelseite, S. 25).
Red. [Hieronimus, H.] 2006. Bücherschau. Zeitschrift für aquaristische Literatur 7(2), 41, 45-46.
Besprechung von: Alderton, D. 2005. Fische für Aquarium und Teich. Starnberg. Ein schlechtes Buch, aber ein (schlechter) Schleier-Betta auf dem Titel (S. 41).
Besprechung von: Schmidt, J. 2005. Faszination Betta - Schleierkampffische. Ruhmannsfelden. Kommentar s. o. (S. 45-46).
Red. [Schmidt, J.] 2006. Editorial. Aquarienfische des Jahres. Kampffischausstellung. Aquarium live 10(1): 4-5.
Der Jahresschwerpunkt der Zeitschrift werden 2006 die Kampffische sein, im Editorial mit Betta splendens-Zuchtformen gewürdigt, mit 6 Farbfotos moderner Zuchtformen vom Chronisten.
Stawikowski, R. 2006. Geburtstag. Arend van den Nieuwenhuizen 80 Jahre alt! Datz 59(2): 70.
Würdigung mit einem Farbfoto von M. Kokoscha.
VDA [Hrsg.] 2006. 72. Bundeskongress. 5.-7. Mai 2006 in Bonn-Bad Godesberg. Wuppertal, Solingen, 64 S.
Tagungsband, davon für uns relevant: Scharfenberg, M. Als Aquarianer im Land des Lächelns, 10-11. Schäfer, F. Luftatmer aus Afrika, 12-13. Vorträge am 06.05.06 (s. S. 32, hier ein Foto, das M. ansorgii zeigt).
Voigt, W. 2006. Ein Ausnahme-Buch in der aquaristischen Literatur des B.G. Teubner-Verlags von 1911. Zeitschrift für aquaristische Literatur 7(2): 28-30.
Mitteilungen zur 3. Auflage von Das Aquarium von C. Heller, mit mehreren Farb-Repros (aber bei s/w-Vorlage), darunter eine, die Polyacanthus cupanus, also Pseudosphromenus cupanus zeigt.

März 2006

Red. [Schmidt, J.] 2006. Editorial. Die Pflege unserer Lieblinge - wie lange noch? Aquarium live 10(2): 4-5.
Kommentar zum "Artenschutz", mit 4 Farbfotos vom Chronisten, darunter Betta stigmosa und Betta macrostoma.
Dickmann, P. & Hallmann, M. 2006. Der Rubin-Prachtgurami. Parosphromenus ornaticauda. Aquarium live 10(2): 22-31.
Umfassender Text mit nützlichen Tipps und Beobachtungen, mit 21 Farbfotos (!) vom Zweitautor, von G. Kopic und vom Chronisten.
Finke, P. 2006. Die Gattung Parosphromenus. Aquarium live 10(2): 23.
Info zur Paro-AG.
Masillamoni, R & Schmidt, J. 2006. Schleierkampffische. Aquarium live 10(2): 12-17.
Bekannter, überarbeiteter Text mit 14 Farbfotos, ein Biotopbild von R. Donoso-Büchner und 13 vom Chronisten, darunter einige neue von Betta splendens-Zuchtformen. In der Vorschau (S. 74) ist ein Artikel zu Betta livida angekündigt, mit Titelbild und einem Farbfoto, zudem ist ein Farbbild enthalten, das die Helostoma temminckii-Wildform zeigt.

Labyrinthfische international Nachträge

Yamazaki, K. 2004. Betta splendens. Aqua Collection Vol 1. Bangkok, 48 p.
Ein Prachtband mit zahlreichen erstklassigen Farbfotos, die für die - für uns - unverständlichen Schriftzeichen entschädigen. Besonders angenehm fallen die zahlreichen kurzflossigen Formen (S. 2-11 u. a.) auf, die in anderen Büchern sonst leider kaum Berücksichtigung finden. Als Wildformen sind nur Betta imbellis und Betta smaragdina (S. 30-31) genannt. Leider ist auch viel Werbung enthalten, aber das ist heute wohl unvermeidlich. Trotz thailändischer Sprache für den Betta splendens-Freund sehr empfehlenswert. (Siam Pet Fish Trading Co. Ltd., Aqua Library Division, 104 Soi 62 Yaek 1 Sukhumvit Road, Bangkok 1026o Thailand, Fax 0-2331-8283)
Takagi, K. 2005. Water Plants. Aqua Collection Vol 3. Bangkok, 48 p.
Sehr gute Fotos von Aquarienpflanzen, darunter einzelne, die bei uns noch unbekannt sind. (Anschrift s. o.)
Red. 2005. Mouthbrooding Bettas? TFH. 54(4): Heft 597, 22.
Leserbrief-Frage und -Antwort zu Betta simplex mit einem Farbfoto von J. Kadlec.

Labyrinthfische international - Labyrinthfisch-Vereine

2005

Osphronemid, IAA, 7(4), October 2005

Janson, M. . Message from the IAA Board. Editor's Corner. 2.
Voort, S. vd.. A Bucketful of Betta and a New Luciocephalus Species. 3-10.
Fenner, R. . Anabantoids/Gouramis & Relatives. 11-20.
Harrigan B. . Three Stripes and it Croaks. The Three Stripe Gourami. 21-22.
Chodes, J. . The Social Behavior and Breeding Requirements of Ctenopoma ansorgii. 23.
Britz, R. . Why Colisa has Become Trichogaster And Trichogaster is now Trichopodus. 23-24.
Janson, M. . Species Maintenance Program. 24

2006

Le Macropode, Blois, No. 1, Janv./Fév. 2006

Chevoleau, P. & Dantec, M.. Portrait No 79 Sphaerichthys osphromenoides span style="font-variant:small-caps;">Canestrini, 1860. Titel, 2-5.
Dumas, D. . Notes sur la maintenance et la reproduction du gourami chocolat. 5-9.
Chevoleau, P.. Colisa labiosa (Day, 1878). Le Gourami lippu. 10-12, 17-19.
Maurin, M. . Betta splendens. Légendes des photos. 13-16, 19-21.
Burel, P. . Couleur Terminalia catappa. 21-23.
Lo, M.. A la recherche du gourami liquoreux. 24-25.
Pinto, T. . Betta brownorum. 26-28.
(Mit Betta splendens-Farbbildern im Mittelteil sowie weiteren von Biotopen und B. brownorum auf den Umschlagseiten.)

Labyrinth, York, No. 142, February 2006

Panitvong, N.. The Home of Betta simplex. 1-4.
Riley, P. . Trying to be natural with B. albimarginata. 5-7.
Armitage, D.. Recent experiences with mouthbrooding Bettas. 7-9.
AAGB. Anabantoid Association of Great Britain. Annual General Meeting. 24. September 2005. 10-13.

Osphronemid, IAA, 8(1), January 2006

Janson, M. . Message from the IAA Board. Editor's Corner. 2.
Voort, S. vd. Betta livida Ng & Kottelat, 1992 - A Detailed Description Covering Several Known and Lesser Known Facts. 3-16.
Janson, M.. Species Maintenance Program. 16.
Priest, A.A.. An Endangered Licorice Parosphromenus harveyi. 17-18.
Voort, S. vd & Dickmann, P.. The Betta akarensis species group: Additional information and more species. 19-28.

Labyrinthfische - international

Red. 2006. Vriesdrogen. aquarium wereld 59(1): Mitte.
Infotext zu gefriergetrocknetem Futter, mit einem Farbfoto von Futtersorten und einem, das Colisa chuna zeigt, leider ein wenig zu dunkel.
Red. 2006. Male Bettas? TFH. 54(6): Heft 599, 14.
Frage und Antwort zu Betta splendens, ohne Foto.
Red. 2006. Bichirs. TFH. 54(6): Heft 599, 22.
Frage und Antwort zu Flösselhechten, mit einem Farbfoto von O. Lucanus, das Polypterus ornatipinnis zeigt.
Amano, T. 2006. Shoku Jyu. Aqua Journal No. 124, 30-37.
In Amanos Prachtaquarien findet auch mal ein Dario dario Platz (S. 34).
Kamihata, S. 2006. Searching for Betta macrostoma in Borneo. TFH. 54(5): Titel, 93, 106-108, 110-112.
Ein interessanter Reisebericht mit zahlreichen Biotopfotos und Farbbildern konservierter Fische, alle Fotos vom Verfasser. Vor allem die beiden Lebendfotos (Titel = S. 93) von Betta macrostoma sind sehenswert, ohne die "typische" rote Farbe, aber dennoch oder gerade deshalb sehenswert. (siehe 4. Umschlagseite dieses Heftes)
Sung, S. 2006. A Journey Through Exotic Malaysia. TFH. 54(6): Heft 599, 96-99, 101-104.
. 2006.
Ein nicht ganz uninteressanter Reisebericht mit zahlreichen Farbfotos vom Verfasser. Die schönen Biotopfotos sind durch Küvettenfotos der gefangenen und scheinbar so gerade noch lebenden Fische ergänzt, darunter Luciocephalus pulcher (S. 101 o.), Betta imbellis (S. 101 u.), Anabas testudineus (S: 102), Trichogaster trichopterus (S. 103 u.) und Sphaerichthys osphromenoides (S. 104 o.).

Labyrinthfische - international

Hieronimus, H. 2006. Katalog Fische auf Briefmarken Teil I. Europa - Gesamt A-Z. 3. Aufl., Solingen, 169 S.
Das Hobby Aquaristik hat viele Facetten. Ein ungewöhnliches, aber für den Interessierten besonders faszinierendes "Randthema" sind die Fische auf Briefmarken. Nun liegt erstmals ein kompletter Katalog mit nahezu allen Europäischen Marken in Farbe und in Originalgröße vor. Leider wirken einige der Abbildungen aufgrund des verwendeten rauen Papiers etwas matt. Schöne und interessante Fische wie der Colisa chuna aus einer Serie der DDR (1966) entschädigen aber reichlich. Der Chronist erwartet mit Spannung den "Weltkatalog".
Kwet, A. 2005. Reptilien und Amphibien Europas. Kosmos Naturführer. Stuttgart, 252 S. ISBN 978-3-440-10237-4
Dem für unsere Fische unverdrossen Tümpelfutter fangenden Aquarianer sind hoffentlich unsere Amphibien und Reptilien nicht völlig fremd. Erfolgen die Bildbestimmungswerke meist auf zeichnerischer Basis, so liegt hier ein Fotoband vor. Ob es sinnvoll ist, die beiden Tiergruppen in einen Band zu zwängen sei dahin gestellt, jedenfalls schafft des Buch einen guten ersten Überblick und kann aufgrund des handlichen Formats tatsächlich leicht auf Exkursionen mitgenommen werden. Die verlagseigene Aussage: "Naturschützer, Biologen und Terrarianer werden auf dieses Buch sicherlich nicht mehr verzichten wollen" ist vermutlich stark übertrieben, doch stellt das Buch eine sinnvolle Ergänzung der Bibliothek des Naturfreundes dar.
Engelmann W. 2005. Zootierhaltung Tiere in menschlicher Obhut Fische. Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch Frankfurt/Main. 1. Auflage, 890 Seiten.
. 2006.
"Die Arbeit in einem Schauaquarium erfordert von den Tierpflegern sowohl allgemeine Kenntnisse der Aquarienhaltung als auch spezielle Kenntnisse über die einzelnen Arten.
Dementsprechend ist dieser Band in zwei Teile gegliedert. Er beginnt mit einem umfangreichen Allgemeinteil, der die Grundlagen der Schauaquaristik ebenso wie tierpflegerische Routinearbeiten bis hin zu Fragen des Arbeitsschutzes, Fang und Transport von Fischen, Erkennung und Therapiemöglichkeiten von Krankheiten sowie zur Fütterungskunde vermittelt.
Der spezielle Teil behandelt alle Ordnungen, aus deren Familien Fische in Aquarien gehalten werden, in der Reihenfolge der zoologischen Systematik. Dabei werden zunächst ausgewählte Arten vorgestellt, gefolgt von Hinweisen zur Pflege der Tiere in Aquarien.
Die Artbeschreibungen enthalten Größe und Verbreitung der Fische, außerdem weitere Informationen zu Lebensraum, Lebensweise, markanten Merkmalen oder Färbungen und Zeichnungen.
In den Haltungsabschnitten werden die Ansprüche der Tiere an die Beckengröße und -strukturierung sowie an die Wasserqualität genannt wie auch Möglichkeiten der Vergesellschaftung und Fütterung angegeben. Wo bekannt, werden Angaben zu Zuchtbedingungen und zur Ei- und Jugendentwicklung gemacht. Es folgen Daten zum Höchstalter der Fische.
Etwa 600 Fotos illustrieren das umfangreiche Werk, das mit einem Verzeichnis weiterführender Literatur abschließt." (Engelmann 2005)
Ein Buch über die allgemeine Haltung von Fischen zu schreiben, ist ein gewagtes Unterfangen, auch wenn es hauptsächlich für Zootierpfleger gedacht ist. Nach rund 140 Seiten Einleitung und Grundlagen, wie Geschichte und Entwicklung der Schauaquarien, Aquarium als Lebensraum mit Aquarienbau und -gestaltung, Aquarienbepflanzung und Themenbecken, Aquarientechnik, allgemeine Pflege-, Zucht- und Sicherheitsmaßnahmen, Fütterungskunde, Krankheiten und Quarantäne, Fang und Transport kommt der Hauptteil Systematik und Haltung. Im wesentlichen bleibt es bei allgemeinen Hinweisen, die bei Gruppen mit wenigen Arten, wie Dipnoi und Cladistia durchaus hinreichend sind. Aber schon bei den Channa ergeben sich Fragezeichen und erst recht bei den Anabantoidei. Die Channa werden als eigene Ordnung betrachtet, die Familie Belontiidae ist noch eigenständig aufgeführt, die Unterfamilie Macropodusinae wird noch veraltet als Macropodinae bezeichnet.
Diese allgemeinen Aussagen zur Haltung und Zucht lassen für viele Arten kaum auf einen Erfolg hoffen. Nur robuste Arten können an Hand der Ausführungen erfolgreich über einen längeren Zeitraum gepflegt werden. Detaillierte Hinweise würden aber den Rahmen des Buches sprengen. Als eine allgemeine Übersicht der Haltung von Fischen gedacht, die die bereits erschienenen Bände über Zootierhaltung ergänzt, erfüllt dieses Buch sicher seine Aufgabe und dem Autor muss man für die umfangreichen Ausführungen Respekt zollen.

JT
Güllner, Gert;Pfeifer, Matthias; Zarske, Axel 2005. Atlas der Fische Sachsens, Rundmäuler - Fische - Krebse. Herausgeber: Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft und Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden, Lausitzer Druck- und Verlagshaus GmbH, Bautzen, 30,0 x 21,5 cm, 351 Seiten
Mit dem vorliegenden Atlas der Fische Sachsens wird die von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Fachbereich Tierische Erzeugung und den Naturhistorischen Sammlungen Dresden, Museum für Tierkunde 1996 herausgegebene Broschüre "Die Fischfauna Sachsens" zu einem Standardwerk erweitert, das sich durch Inhalt und Ausstattung den besten einschlägigen Publikationen zuordnen lässt. Die Grundlagen lieferten vor allem die Datenbank der Landesanstalt mit fast 3000 historischen und seit 1990 vermehrten Fundorten (etwa 500.000 Einzelfische), die Untersuchungen des Museums für Tierkunde, Beobachtungen der sächsischen Fischwirtschaftsbetriebe, Angler und Naturfreunde. Die einzelnen Kapitel sind in der Regel Gemeinschaftsarbeiten der drei Autoren, wobei - soweit erkennbar - G. Füllner und M. Pfeifer vorwiegend die Gegebenheiten und Probleme der Fischwirtschaft, der Gewässerkunde und des Artenschutzes darlegen, A. Zarske die Allgemeine und Spezielle Ichthyologie vertritt. In der etwa 50seitigen Einleitung werden neben der Geschichte der Ichthyofaunistik Sachsens vor allem die Gewässertypen des Landes, die regionale Gefährdung der Fischfauna durch Wasserbaumaßnahmen, Wasserverschmutzung, fischereiliche Bewirtschaftung, aber auch Erholungsnutzung behandelt. Die dabei berücksichtigte Einschätzung der Erfolge seit 1990 und der perspektivischen Aufgaben ist nüchtern und überzeugend. Zu den besonders interessanten Informationen der Einleitung gehören folgende Angaben: Die Gesamtwasserfläche Sachsens beträgt 2,46 % der Landesfläche; Sachsen stellt 25 % der Teichflächen der gesamten Bundesrepublik; die Erholung der Fischfauna ist eingeleitet aber noch ungenügend; von den 44 historisch in Sachsen beheimateten Fisch- und 2 Rundmäulerarten sind sechs nicht mehr nachweisbar, neun vom Aussterben bedroht, 18 mehr oder weniger gefährdet oder äußerst selten, nur für 11 Arten kann der Bestand als gesichert gelten (hier unberücksichtigt 16 eingebürgerte Arten); besonders kritisch ist die Situation bei den Wanderfischen, wobei das Flussneunauge und der Lachs die besten Aussichten bieten, die ehemalige Verbreitung in Sachsen zumindest in stark reduzierter Form wieder zu erreichen; Querverbauungen, Stauregulierungen und die saueren Braunkohletagebauseen südlich von Leipzig und im Lausitzer Bergbaurevier erfordern auch in Zukunft hinsichtlich des Fischbestandes besondere Maßnahmen.
Das Kapitel Grundlagen der Fischkunde (Allgemeine Ichthyologie) enthält einen gut durchdachten Bestimmungsschlüssel, der Atlas selbst (Einzelbeschreibungen der Arten) umfasst etwa 300 Seiten. Für jede Art behandelt der Text die Erkennungsmerkmale, die Biologie, das historische Vorkommen, die Verbreitung und die fischereiwirtschaftliche Bedeutung. Gute Fotos, oft auch zusätzliche Abbildungen, sowie je eine aufwendige Verbreitungskarte vertiefen die Beschreibungen. Mit der früher gelegentlich als Irrgast in der Elbe bis Sachsen aufsteigenden Flunder wechselt der eigentliche Fischatlas zum Krebsatlas, der mit Edelkrebs beginnend und der Wollhandkrabbe endend in Text und Illustration die gleiche Sorgfalt erkennen lässt. Dem ausführlichen Literaturverzeichnis schließen sich ein Glossar, eine aktualisierte Rote Liste und ein alphabetischer Artenindex an.
Für die wahrscheinliche Neuauflage könnte man sich wünschen, dass die im Text der Verbreitungskarte ausgewiesene Zahl der Fundstellen immer mit der Zahl der Fundstellen in der einschlägigen Karte übereinstimmt, dass das gelbgrüne Dreieck, Symbol für die historischen Fundpunkte, auffälliger ausfällt und damit das an ein Rebus erinnernde Suchen des Fundortes leichter wird (z.B. S. 119 und 325). Auch die kleinen Verweisungsquadrate für die Fototexte sind keine gute Erfindung.
Abschließend sollte Jens Geisler nicht vergessen werden, der die von Stefan Sieg begonnene landesweite Kartierung maßgeblich unterstützte. Auch Ingrid Säuberlich und Jürgen Scholz sind zu nennen. Erstere fertigte die vorzüglichen Strichzeichnungen, von Scholz stammen die auffallend exakten Farbzeichnungen im Abschnitt Bestimmungsschlüssel. Viele der Fotos lassen erkennen, dass es sich um Freilandaufnahmen handelt. Wer die Schwierigkeiten der Fischfotografie in unseren Gewässern kennt, wird die meisterhafte Qualität der Fotos nicht übersehen.
Insgesamt ein hochinteressantes Werk, das der Allgemeinheit und vielen Fachkreisen mit gutem Gewissen empfohlen werden kann.

Von G.H.W. Sterba
Krause, H.-J. 2006. Aquarienpflanzen in Sri Lanka. Fundortkartei mit GPS-Koordinaten. Darmstadt, 45 S. Selbstverlag: Hanns-J. Krause, Bartningstr. 15, 64289 Darmstadt.
Nicht gerade preisgünstig ("nur" 45 Seiten, aber viele Jahre Arbeit!), aber eine enorme Datensammlung zu 112 Biotopen auf der Insel. Mit Verbreitungskarten und auf Anforderung einer Diskette sowie 12 Farbfotos (in 3 Tafeln) interessanter Biotope im Anhang. Geografische Lage, gefundene Wasserpflanzenarten sowie die akribisch über viele Jahre zusammengetragenen Wasserwerte sind exakt erfasst. Nicht alle Pflanzennamen sind nomenklatorisch richtig geschrieben, doch lassen sich alle Arten eindeutig zuordnen. Für nach Sri Lanka reisende Aquarianer, für Cryptocorynen -Freunde und für Interessenten genauer Wasseranalysen ein kaum verzichtbares Werk.