Inhaltsverzeichnis

1 Gattungsbeschreibung
2 Vorkommen & Verbreitung
3 Beschreibung und Geschlechtsunterschiede
4 Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung
5 Verhalten
6 Vermehrung
7 Artengruppen
  a) Badis ruber-Gruppe
  b) Badis corycaeus-Gruppe
  c) Badis badis-Gruppe
  d) Badis assamensis-Gruppe
8 Literatur & Links

 

Die Gattung Badis Bleeker, 1854

Die Familie der Badididen und mit ihnen die so genannten Blaubarsche der Gattung Badis gilt als eine Art frühe Schwestergruppe zu den Labyrinthfischen. Sie haben mit diesen die männliche Brutpflege, das blasse weibliche Balzkleid und die Umschlingung beim Ablaichen gemeinsam.

Morphologische Ähnlichkeiten bestehen zu den Nanderbarschen (Britz & Kullander, 200?) Die Gattung Badis galt lange Zeit als ein recht ursprünglicher und stammesgeschichtlich alter Vertreter der Barschfamilie, zum Teil war sogar von lebenden Fossilien der Labyrinthfischevolution die Rede.

 

Neuere Funde und Artbeschreibungen haben aber gezeigt, dass die Badididen, wenn auch stammesgeschichtlich recht alt, im Moment dabei sind, evolutionär noch einmal „durchzustarten". Es gibt einige Arten, die von Schwesterarten kaum zu unterscheiden sind, es gibt einen hohen Endemiegrad und es gibt verbreitungsmäßige „hot spots". Bei ein paar Geschwisterformen in benachbarten Flüssen ist die Artbildung in vollem Gang. Hier kann man der Evolution „bei der Arbeit zusehen".

Die Gattung Badis hat ein für solch kleine Fische großes Verbreitungsgebiet, es reicht vom Induseinzug in Pakistan bis zum Mekong in Nordostthailand und vom burmesisch-chinesischen Grenzgebiet bis auf die malaiische Halbinsel. Badis kommen also in den Staaten Pakistan, Indien, Nepal, Bangla Desh, Myanmar und Thailand vor.

Mit zwei beziehungsweise drei deutlichen Ausnahmen sind sich alle Badis im Aussehen und der Lebensweise recht ähnlich, sie können also hier was Lebensbedingungen, Verhalten und Pflege im Aquarium angeht, annähernd gleich behandelt werden. Die Beschreibung dieser Dinge erfolgt hier pauschal, eventuell Eigenheiten werden bei den kurz gehalten Artbeschreibungen zu lesen sein.

Vorkommen & Verbreitung

Badis-Arten leben in kleinen bzw. den Randbereichen großer Gewässer. Diese können stehend bis langsam fließend sein, nur einige Spezialisten leben in schnellfließenden Bächen, dort werden aber der Stömungsschatten von Steinen, die überhängende Uferböschung und ähnliche strömungsgeschützte Bereiche bewohnt. Badis-Biotope sind immer strukturreich, wobei diese Strukturen aus Steinen, aus Totholz oder aus Pflanzen bestehen können.

Wie bei dem großen Verbreitungsgebiet zu erwarten, sind die Wasserwerte an den Fundorten sehr unterschiedlich, es wird alles bewohnt, außer Schwarzwasser. Ob Badis-Arten in küstennahen Vorkommen ins Brackwasser gehen, ist nicht bekannt.

Die Temperaturansprüche sind je nach Herkunft sehr unterschiedlich, so vertagen die Arten aus dem Norden ohne weiteres Temperaturen von 5°C, während es Arten aus dem Süden deutlich wärmer mögen. Als Kleingewässerbewohner bevorzugen aber auch die nördlichen Arten zur Fortpflanzung Temperaturen über 20°C.

Badis sind Kleintierfresser, bevorzugt werden bodenorientiert Insektenlarven und Würmer.

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Badis sind kleine Fische, die Standardlänge der größten Art Badis assamensis wird mit 68 mm angegeben. Die kleinste art Badis sp. Buxar dürfte über eine SL von 30 mm nicht hinauskommen. Badis sind von mehr oder weniger schlanker Gestalt mit barschtypisch langer rücken, kurzer Afterflosse und kehlständigen Bauchflossen. Alle Flossen sind abgerundet, es ist kein Badis mit spitz ausgezogenen oder fadenartig verlängerten Flossen bekannt.

Alle Badis teilen sich mehrere gemeinsame Zeichnungselemente, deren feine Unterschiede bei der Arterkennung wichtig sind. So zeigen alle Arten zumindest zeitweise Querbinden, die typischerweise als „Pyjamastreifen", also Doppelstreifen mit dunklerem „Inhalt" ausgebildet sind. Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist ein schräg vom Oberkopf durch das Auge zum Maul verlaufendes Band. Alle Badis haben außerdem einen Schwanzwurzel- oder Schwanzstielfleck, der arttypisch ausgebildet sein kann.

Bei manchen Badis-Arten sehr deutlich ausgebildet, bei anderen fehlend ist der Dorsalfleck, ein dunkler Fleck an der Basis der ersten drei Rückenflossenstrahlen. Diese Merkmale teilt Badis erstaunlicherweise mit der Cichlidengattung Apistogramma, deren Ökologie in ihren südamerikanischen Lebensräumen ja weitgehend der von Badis in Asien entspricht. Alle Badis haben eine charakteristische, sehr dunkle Balzfärbung im männlichen Geschlecht, die von dunkelrot über schwarz bis zum dunklen Blau gehen kann. Bei vielen Arten sind helle Flossensäume ausgebildet.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Badis sind in der Regel einfache Pfleglinge, ans Wasser werden keine Ansprüche gestellt, nur sauber soll es sein. Auch allzu große Aquarien sind wegen des ruhigen Verhaltens der Fische und der geringen Reviergröße nicht erforderlich.

Weil Badis Deckung lieben, soll das Aquarium gut bepflanzt und auch sonst strukturreich eingerichtet sein. Höhlen in Gestalt von Kokosschalen, Blumentöpfen, Bambusrohren usw. dürfen natürlich nicht fehlen.

Der größte Knackpunkt bei der Pflege der Badis-Arten ist das Futter. Badis fressen normalerweise nur Lebendfutter. Die Umstellung auf Gefrierfutter gelingt, aber mit dieser Fütterung erreichen die Fische nicht die erforderliche Freßmotivation. Das Ergebnis ist langsames Wachstum und oft nicht ausreichender Laichansatz. Von artgerechter Fütterung kann in dabei schon gar nicht die Rede sein. Die gute Nachricht ist, dass Badis ohne weiteres auf Dauer mit frischgeschlüpften Artemia-Nauplien, Enchyträen, Grindal und sogar Mikrowürmern ernährt werden können.  Trockenfutter wird gar nicht gefressen.

Bei der Vergesellschaftung von Badis ist Vorsicht angebracht. Badis sind keine Cichliden, sie sind im zwischenartlichen Kampf sehr durchsetzungsschwach. Auch schnelle und gierige Fresser sind wegen der bedächtigen Art der Badis als Begleitfische nicht geeignet. Die besten Erfahrungen macht man mit eher oberflächenorientierten Reiskärpflingen, Hechtlingen und Halbschnabelhechten. Auch ruhige kleine Barben sind geeignet.

Verhalten

Badis sind revierbildende Einzelgänger, die in der Natur wohl in kleineren Kolonien leben, aber durchaus Individualabstände einhalten. Auch die Weibchen einer Gruppe legen eine Rangordnung fest und gehen sich aus dem Weg. Dies geschieht durch recht unaggressiv wirkendes Imponierverhalten, das aus Flossenspreizen und Intensivieren der Streifenzeichnung besteht.

Dies ändert sich erst, wenn die Tiere in Laichstimmung kommen und die Männchen Reviere besetzen. Diese Reviere bestehen aus einer möglichst dunklen Höhle und deren unmittelbarer Umgebung. Dieses kleine Revier wird allerdings gegen Konkurrenten mit aller Härte verteidigt. So kann um den Besitz einer gut geeigneten Höhle stundenlang gekämpft werden. Dies Kämpfe bestehen zuerst aus parallelem und antiparallelem Breitseitsimponieren, bei dem die unpaaren Flossen immer wieder ruckartig zusammengefaltet und maximal gespreizt werden. Aus dem antiparallelen Imponieren heraus kommt es dann zu Bissen in die Schwanzflosse des Gegners. Bei maximaler Kampfintensität zerren sich die Kämpfer, gegenseitig in die Schwanzflossen verbissen, durch die Gegend.

Die Fische können am Ende eines solchen Kampfes übel zerrupft aussehen, die Verletzungen der Flossen heilen aber schnell, und die Kontrahenten sehen nach ein paar Tagen schon wieder wie neu aus. Auch der Verlierer von vor einer Woche ist dann durchaus beriet, es noch einmal „wissen zu wollen".

Im Gegensatz zu dem manchmal spektakulären Kampf ist das Balzverhalten eine recht unauffällige Sache. Das Männchen besetzt eine Höhle, färbt sich maximal dunkel und wartet auf die Weibchen. Ein aktives Aufsuchen der Weibchen, ein Anbalzen oder gar ein Führungsschwimmen gibt es nicht. Die Weibchen suchen trotzdem das Männchen auf – und werden von ihm umgehend und heftig vertrieben. Nichtsdestotrotz suchen sie das Männchen immer wieder auf, ihre Farbe wird immer heller und ihre Hartnäckigkeit immer größer, bis das Männchen sie dann in die Höhle einschwimmen lässt. Dort werden sie vom Männchen umschlungen, das Paar rutscht umschlungen an der Höhlenwand entlang, die Eier werden dort angeklebt. Nach jedem Laichakt verlässt das Weibchen schnell die Höhle, um nach einigen Minuten wiederzukommen. Die Männchen können abwechselnd mit mehreren Weibchen ablaichen, wobei es vor der Höhle zu Kämpfen unter den Weibchen kommen kann.

Nach Erschöpfung des Laichvorrats wird das Weibchen vertrieben, das Männchen pflegt die Brut bis zum Freischwimmen. Weil das Männchen immer wieder mit anderen Weibchen ablaicht, kann die „Eitapete" in der Höhle recht umfangreich werden und von frisch abgelaichten Eiern bis zu Larven kurz vor dem Freischwimmen alle Altersklassen umfassen.

Weil das Männchen während einer solch ausgedehnten Brutpflege kaum die Höhle verlässt und auch wenig frisst, überholen seine unterlegenen Konkurrenten, die diesem Stress nicht ausgesetzt sind, ihn in der Größe und nehmen ihm irgendwann die Höhle ab.

Vermehrung

Bei zusagender Pflege laichen Badis problemlos im Hälterungsbecken und – mit Ausnahme einer Art – werden in Gegenwart der Alttiere auch genügend Jungfische groß.

Wird ein quantitative Zucht erstrebt, ist es möglich, dem brutpflegenden Männchen den Laich oder die noch nicht frei schwimmenden Jungfisch wegzunehmen und in einem Aufzuchtbecken großzuziehen. Dazu kann man die Eier oder Jungfische mit Hilfe einer Laborspritzflasche von der Höhlenwand abspülen. Sie entwickeln sich auch ohne die Pflege des Männchens gut. Badis-Jungfische fressen sofort nach dem Freischwimmen frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien und sind deshalb leicht aufzuziehen.

Alle Badis-Arten werden sehr früh geschlechtsreif, vor allem, wenn sie mit knapper Fütterung aufgezogen werden.. Es ist ohne weiteres möglich, mit 3 cm langen Männchen und 2 cm langen Weibchen Nachzucht zu erzielen.

Beschreibung der einzelnen Arten

Die Gattung Badis kann in verschiedene Artgruppen eingeteilt werden, die ähnlich Merkmale aufweisen und meist auch benachbarte Verbreitungsgebiete bewohnen.

Daß zwei Badis-Arten im selben Lebensraum vorkommen, ist nur an wenigen Orten bekannt, wo der Lebensraum von zwei sehr unterschiedlich aussehenden und ökologisch unterschiedlichen Arten auch unterschiedlich genutzt wird.

Badis ruber-Gruppe

Die Badis ruber-Gruppe besteht aus den Arten B. ruber, B. khwae und B. siamensis.

Sie unterscheiden sich von allen anderen Badis durch das Fehlen des Dorsalflecks und durch einen Schwanzstielfleck, der im Gegensatz zum Schwanzstielfleck der andern Badis nach vorne und oben versetzt erscheint. Alle Vertreter der Ruber-Gruppe entsprechen in Verhalten, Pflege und Zucht dem Badis-Schema. Als Bewohner südlicher Lebenmsräume sollten die Haltungstemperaturen nicht unter 20°C liegen.

Verbreitungsgebiete und Fotos siehe:

 

Badis corycaeus-Gruppe

Zu dieser Gruppe gehören  B. corycaeus, B. pyema und B. sp. Buxar.

Die Fische sind durch eine charakteristische Ausprägung des Caudalflecks von anderen Badis zu unterscheiden. Dieser wird von der letzten Querbinde bogenförmig umschlossen.

Alle Fische dieser Gruppe sind mehr oder weniger rotbraun bis leuchtend rot mit dunklen Querbinden. Das Verbreitungsgebiet der Gruppe geht vom nordöstlichen Indien ins nördliche Myanmar, wo die Fische Flußoberläufe bewohnen. Entsprechen ihrer nördlichen Herkunft vertragen diese Fische niedrige Temperaturen, kommen also ohne Aquarienheizung aus, können aber auch ohne Schaden im beheizten Aquarium gehalten werden.

Verbreitungsgebiete und Fotos siehe:

Badis badis-Gruppe

Hier haben wir es mit einer recht einheitlichen, aber nicht so ganz leicht auseinander zu differenzierenden Gruppe zu tun.

Die Fische haben ein großes Verbreitungsgebiet von Pakistan bis zum westlichen Myanmar.

Typische Kennzeichen der badis-Gruppe sind ein deutlicher Dorsalfleck und ein kleiner dunkler Fleck hinter dem Hinterrand des Kiemendeckells, der sogenaante Cleithral Spot.

Die sonstige Zeichnung der Fische besteht aus den badis-typischen Doppelstreifen, ausgefärbt sind die Männchen schwarz, mit einem zum teil extrem strahlenden Blau überlagert.

In diese Gruppe haben wir es sowohl mit einer Flachlandart als auch mit mehreren Fischen der Flußoberläufe zu tun, wir haben außerdem drei „Phantomarten" wie B. kanabos, B. dibruensis und B. chittagongis, die noch keiner lebend gesehen hat und mehrere deutlich unterscheidbare Formen ohne Artbeschreibung. Diese sind als lebende und ausgefärbte Fische deutlich von B. badis unterscheidbar, aber wahrscheinlich halten die „harten" Merkmale, wie Schuppen, Strahlen, Knochen einer Untersuchung nicht stand.

Badis assamensis-Gruppe

Die Gruppe besteht aus

Die zur Zeit in großen Abständen importierten Fische scheinen alle zu Badis assamensis zu gehören, gelegentlich durchgeführte Bestimmungen ergaben das gleiche Resultat. Möglicherweise ist B. blosyrus noch nie importiert worden.

Diese Fische weisen in der Fleckenzeichnung große Übereinstimmung mit der B. badis-Gruppe auf. Sie haben wie diese einen mittigen Schwanzwurzelfleck und einen deutlichen Dorsalfleck. Statt des Cleithral Spot haben sie aber einen Opercularfleck auf dem Hinterrand des Kiemendeckels. Außerdem ist die Bindenzeichnung nur bei Jungfischen und gestressten Alttieren zu sehen, ansonsten besteht die Flankenzeichnung aus unregelmäßigen Längsreihen von schwarzen Flecken auf beigem bis weinrotem Grund. Ausgefärbte Männchen sind fast schwarz mit einem feinen hellblauen Saum um die unpaaren Flossen.

Das Auffällige an dieser Artengruppe ist der völlig andere Habitus. Die Fische sind die größten bisher bekannten Badis mit einer Gesamtlänge von bis zu 9 cm und wirken deutlich raubfischartig. Die Schnauze ist lang und spitz, das Maul tief gespalten. Durch die lange Raubfischschnauze wirken die Flossen weit nach hinten gesetzt, sie sind außerdem für Badis-Verhältnisse relativ kurz. Der Fisch ist also wie geschaffen für einen schnellen Vorstoß auf flüchtige Beute.

Und Badis assamensis – für die zweite Art, Badis blosyrus, kann ich nicht sprechen, die wurde wahrscheinlich noch nie im Aquarium gehalten – sind auch Räuber und fressen am liebsten Fische passender Größe. Aber auch alles andere, was sich bewegt und ins Maul passt, von Insekten über Regenwürmer von mehr als der Länge der Fische bis hin zu Nacktschnecken wird gierig angenommen. Ich habe noch nie Fische gesehen, die ausgewachsene Köcherfliegenlarven derart geschickt und schnell aus den Gehäusen ziehen. Dabei sind Badis assamensis sehr friedlich zu allen Fischen, die sie nicht fressen können.

Badis assamensis dürften in der Natur Bachbettfische sein, die Fleckenzeichnung tarnt die Tiere perfekt auf buntem Bachkies, außerdem graben sich B. assamensis ihre Höhlen gern unter flachen Steinen.

In ihren sonstigen Ansprüchen und ihrem Fortpflanzungsverhalten gleichen B. assamensis allen anderen Badis.