Hallo, liebe Cotripser!

Diejenigen, die die Rundmail zu ersten Mal kriegen, mögen sich bitte nicht wundern. Ich habe mir eure Mailadressen einfach aus unserer wunderbaren Online-Fischbestandsliste gesucht.

Wer da noch nicht angemeldet ist, hole es bitte nach, ihr verpasst sonst echt was!

Auf eine Bestandsauswertung verzichte ich, wegen der Online-Fischbestandsliste sind sowieso nur wenige Meldungen gekommen. Ist auch in Ordnung so.



Ich bin verschiedentlich darauf angesprochen worden, Malpulutta wieder mit in die Liste zu nehmen, mit der Begründung, daß sie zoologisch, geographisch und aquaristisch eher hierher gehören als zu Parosphromenus. Ich werde das machen in der Annahme, daß Peter Finke und der Rest der Paro-Gruppe damit einverstanden sind.

Was gibt es Neues?

Nichts in der Colisa-Trichogaster-Trichopodus-Namensfrage. Die Nomenklaturkommission hat noch nicht gesprochen und mein Mentor Frank Schäfer und ich sind immer noch von Herzen verschiedener Meinung.

Bis auf Trichopsis schalleri sind alle Arten im Bestand. Seltsam! Seit schalleri regelmäßig importiert wird, hat sie keiner und seit Malpulutta nicht mehr importiert wird, haben wir bessere Bestände denn je. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Pseudosphromenus sind mit beiden Arten und bei P. cupanus mit zwei Fundortformen stabil auf niedrigem Niveau, wie schon immer.

Trichopsis schalleri ist, wie gesagt, weg, die beiden anderen Arten sind vorhanden, T. vittata mit mehreren Fundortstämmen. Wir haben sogar zwei "Referenzstämme", nämlich einen aus dem Süden(Sungai Golok), wo die Fische keinen Schulterfleck haben und einen aus dem Norden(Ko Samet), wo es vittata mit Schulterfleck gibt.

Ich will hier keinen auf dumme Gedanken bringen, aber der Verdacht, daß es sich dabei um zwei verschiedene Arten handeln könnte, wurde schon geäußert. Also, bitte nicht vermischen!

Bei den Trichopodus sind alle da, alle auf relativ niedrigem Niveau, am besten sind T. trichopterus vertreten, mit mehreren Fundortstämmen. Unser wichtigster Trichopodiker, er weiß, wer gemeint ist, ist leider noch nicht auf der Fischbestandsliste eingeloggt, also, bitte nachholen!  

Die Trichogaster scheinen sich ein bißchen zu den Sahnestückchen der AG zu entwickeln, auch hier ist alles da und zum ersten Mal bei allen außer T. chuna mit Fundortstämmen.

T. chuna ist ein Selbstläufer, von allen Trichogaster am leichtesten zu züchten und ständig in guter Qualität im Handel verfügbar.

Bei T. lalius ist eine Verbesserung der Situation erkennbar dahin, daß sich das Angebot im Zoohandel verbessert hat. Es werden Wildfänge aus Indien eingeführt und die tschechischen Züchter haben angefangen, gesunde Tiere anzubieten.

Der Kalkutta-Stamm ist stabil, der Gopal Ganj-Stamm schwächelt. Wer hat Männchen?

Im Handel ist eine neue Farbform aufgetaucht mit wildfarbenen Männchen und silbrigen Weibchen, zumindest ist das bei meinen Tieren so. Die Nachzucht besteht zur Hälfte aus silbrigen und zur anderen Hälfte aus wildfarbenen Fischen. Es wäre lustig, wenn wir da einen Lalius-Stamm mit geschlechtsgebunden vererbten Farbunterschieden hätten.

Bei den T. fasciata konnte der Manipur-Stamm nachgezogen und verteilt werden, wir müssen da aufpassen, T. fasciata scheinen auf Dauer noch heikler zu sein als T. lalius.

Bei T. "labiosa" gibt es gute Nachrichten, nachdem jahrelang fast nur noch die rote Zuchtform zu kriegen war.

Es wurden vor einem Jahr Fische aus dem burmesischen Inle-See importiert, die so klein, dunkel und "knackig" sind wie die ganz alten, schon lange verschwundenen, Aquarienstämme. Nachzucht ist da und wartet auf kompetente Abnehmer. Rainer Hoyer hat Fische aus dem Irrawaddy-Gebiet nahe Mandalay mitgebracht, die etwas größer und rostfarbener sind. Die dürfen wir nicht mit der kleinen Sensation verwechseln, die jetzt zu uns gekommen ist. Glaser hat "labiosa"-ähnliche Fische ebenfalls aus dem Gebiet um Mandalay importiert, die sich von den typische "labiosa" deutlich unterscheiden. Sie sind größer und hochrückiger als die und weichen in der Zeichnung ab. Der Längsstreifen hört am Beginn des hinteren Körperdrittels auf. Meine Fische sind etwa doppelt so groß wie meine längst ausgewachsenen Inle-See-"labiosa" und zeigen noch keine deutlichen Geschlechtsunterschiede, vor allem die "labiosa"-typische verlängerte Rückenflosse der Männchen zeigt sich nur angedeutet. Leider sind sie außerdem auch (noch) sehr farbschwach. Warum ich "labiosa" in Anführungszeichen schreibe? Weil, das, was wir als labiosa kennen, wahrscheinlich gar keine labiosa sind, sondern was bisher unbeschriebenes. Sagt jedenfalls mein Mentor Frank Schäfer. Und die neu importierten Fische könnten die lange verschollenen echten labiosa sein.

Beide Stämme sind in der Online-Liste, die Hoyer-Fische als T. labiosa "Mandalay", die neuen als

Trichogaster sp.cf. labiosa "Mandalay". Bitte nicht vermischen!

Und da sage einer, Fadenfische seien ein alter Hut.

So, das wäre es wieder mal und bitte...meldet euch auf der Online-Fischbestandsliste an. Unser Webmaster hat da eine tolle Sache gestrickt und es ist jeder selbst schuld, wenn er sie nicht nutzt.

Wir haben zur Zeit 27% angemeldete Mitglieder, das ist schon nicht schlecht, aber ich will zur Frühjahrstagung eine 3 ganz vorne sehen.

Bis bald

Charly Roßmann

Update 16.11.2011:

Als erstes, wir haben die Drei ganz vorne auf der Anmeldungsrate der Fischbestandsliste geschafft.

Wunderbar, aber da ist noch Luft nach oben.

Und von den Fischen gibt es auch Neues. Nach wie vor sind von Trichogaster lalius Wildfänge aus Indien im Handel und nach wie vor sind sie furchtbar scheu. Es gibt aber mittlerweile deutsche Nachzuchten, sehr kleine, knackige, bunte Fische, die den Namen Zwergfadenfische wirklich verdienen. Ob sie krankheitsstabil sind, muß mal jemand im heroischen Selbstversuch rausfinden, scheu sind sie jedenfalls nicht.

Von Trichogaster labiosa sind schöne, pflegeleichte und gut zu züchtende Vertreter im Handel(Kölle, Hornbach). Die werden als T. fasciata angeboten, sind aber definitiv labiosa und was für welche. Sehr schön rotbraun mit intensiv blaugrünen Querstreifen und lang ausgezogener Dorsale. Überhaupt nicht scheu und sehr leicht zur Zucht zu bringen. Möglicherweise sind das die typischen labiosa vom Typfundort Rangun. Sie haben nämlich als einziger labiosa-Stamm von denen, den ich kenne, die namengebende dicke Oberlippe. Die Recherche läuft.

Der Manipur-Stamm von Trichogaster fasciata konnt anscheinend wegen großer Krankheitsanfälligkeit der Nachzuchten und wegen ungünstiger Geschlechterverhältnisse nicht erhalten werden, es sind aber Tiere aus Bengalen im Handel, die sich als für fasciata-Verhältnisse stabil und gut gut züchtbar erwiesen haben. Immer noch zeigt sich aber das Problem, daß T. fasciata in der Aufzucht heikel ist. 

Der Ko Samet-Stamm von Trichopsis vittata scheint sich in der IGL etabliert zu haben. Gut so! Auch wenn ein Fisch in seiner Heimat in Massen vorkommt, sollte es unser Ehrgeiz sein, ihn als Aquarienstamm zu erhalten. Wer weiß, wie lange noch Importe in gewohntem Umfang möglich sind? Und T. vittata "Ko Samet" ist wirklich ein Hingucker und außerdem recht friedlich.

Äußerst erfreulich geht es bei Malpulutta kretseri zu. Seit die Fische nicht mehr importiert werden, boomen unsere Bestände. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich habe den Eindruck, daß Malpulutta so langsam zu einem pflegeleichten Aquarienstamm wird.

Zur Namensfrage bei den Fadenfischen wird sich die Nomenklaturkommision nicht äußern, weil sie nicht angerufen wird. Zu unwichtig, die Sache. Stimmt ja auch. Frank Schäfer wird eine Gattungsrevision von (sic!) Colisa vorlegen und dabei (hoffentlich) Endgültiges zur Namensfrage sagen. Die eine oder andere neue Art wird dabei wohl auch rausspringen. 

Bis bald

Charly Roßmann

 

                                                                                          

 

Ende Juni 2009 wurde der Vorschlag die Namen der Fadenfische zu ändern von Tan & Kottalat bestätigt: Artikel als pdf.

Karl-Heinz Roßmann (Leiter der Arbeitsgruppe Cotrips)

Habt ihr den Makropoden 30(2)gelesen? Ja? Gut!
Habt ihr auch den Artikel von Jörg Töpfer gelesen? Nein? Schwerer Fehler!
In dem Artikel geht es zwar um ichthyologische Systematik und alte Literatur und längst vergessen geglaubte Fischnamen und lauter so staubiges Zeug, aber es ist wichtig, dass wir uns damit beschäftigen, sonst machen es andere. Und was dabei heraus kommt, kann in der Neuauflage des Mergus-Aquarienatlas besichtigt werden.


Da heißt es jetzt Colisa lalia, Trichogaster chuna, Trichogaster labiosus und Polyacanthus fasciatus. Das ist natürlich haarsträubender Unsinn! Es ist für jeden Laien klar erkennbar, dass die vier kleinen Fadenfischarten zu einer Gattung gehören und die vier großen zu einer anderen.

 

Nur, welche Gattungen sind das eigentlich? Und warum?
Um das Warum herauszukriegen, müsst ihr den Artikel von Jörg Töpfer lesen. Von Frank Schäfer gibt es im Aquaristik-Fachmagazin vom Okt./Nov. 2003 einen sehr guten Artikel zum selben Thema, in dem er zu den selben Schlüssen kommt wie Jörg Töpfer, nur erst einmal bei der gewohnten Namensgebung bleiben will, bis die noch anzurufende Nomenklaturkommission gesprochen hat. Ich will das, was Jörg Töpfer in seinem Artikel schreibt, zumindest in seinen Auswirkungen kurz zusammenfassen.
Die Vergabe des Namens Colisa war unberechtigt, weil die Typusart der Gattung schon lange gültig als Trichogaster fasciatus beschrieben war. Hier hatte mal wieder einer seine Hausaufgaben nicht gemacht, sonst hätte er das gemerkt. Weil nun aber der in die selbe Gattung gestellte T.trichopterus mit Sicherheit in eine andere Gattung gehört, wurde er die Typusart der Gattung Trichopodus.
Die östlichen Fadenfische, also die großen dreieckigen mit der kurzen Rückenflosse heißen - und hießen schon immer - richtig:
Trichopodus trichopterus
Trichopodus leerii
Trichopodus microlepis und
Trichopodus pectoralis.

Die - schon immer - gültigen Namen für die westlichen Fadenfische, also die kleinen, viereckigen mit der langen Rückenflosse lauten
Trichogaster fasciata
Trichogaster lalius
Trichogaster labiosa  und
Trichogaster chuna.

 

Und was hat das alles mit uns zu tun?
Mir persönlich leuchten die Argumente von Jörg Töpfer ein. Ich bin also dafür, in Zukunft die "neuen" Namen zu verwenden und werde bei der Bestandsabfrage nicht mehr Colisa, sondern Trichogaster für die westlichen und nicht mehr Trichogaster, sondern Trichopodus für die östlichen Fadenfische schreiben.

Schade um den schönen Namen Colisa, man hätte glatt seine Tochter so nennen können.

In der Cotrips-AG, die wir dann konsequenterweise auch umbenennen müssten (war ein Scherz), haben wir nun zusammen mit Trichopsis drei Gattungen, die mit Trich... anfangen. 

Menschen, die des Altgriechischen mächtig sind, werden mir zustimmen, dass das eine haarige Sache ist.

Aber der Name Cotrips bleibt. aus reiner Sentimentalität.


Weiterführende Literatur:

Töpfer, J. (2008): Lacepede - 2. Teil: Seine Labyrinthfischgattungen Osphromenus, Trichopodus und Macropodus sowie die Gültigkeit der Namen. Der Makropode 30(2): 41 - 52

Paepke HJ (2009): The Nomenclature of Trichopodus pectoralis REGAN, 1910; Trichopus cantoris SAUVAGE, 1884 and Osphronemus saigonensis BORODIN, 1930 (Teleostei: Peciformes: Osphronemidae). -Vertebrate Zoology 59(1), 53-60.

Töpfer J & I Schindler (2009): On the type species of Trichopodus (Teleostei: Perciformes: Osphronemidae). -Vertebrate Zoology 59(1), 49-51.

Unsere IGL-Arbeitsgruppe Cotrips: Colisa, Pseudosphromenus, Trichogaster, Trichopsis

In den Arbeitsgruppen finden sich jene Mitglieder der Gemeinschaft zusammen, die einen besonderen Faible für eine Gattung, einen Reproduktionstyp oder einen Kontinent bevorzugen. Die Arbeitsgruppen treffen sich zwei Mal im Jahr auf den Tagungen der IGL.